Death By Stereo

    Sturm, Regen, dunkle Wolken: Nachdem sich die Hannoveraner vergangenes Wochenende hauptsächlich mit grauen Tagen zufrieden geben mussten, brachte die US-Hardcoreband Death By Stereo ein wenig Sonne ins Béi Chéz Heinz. Zumindest das sonnige und freundliche Gemüt der vier Kalifornier dürfte das drückende Wetter vergessen lassen haben, musikalisch ging es selbstverständlich in Death By Stereo-Manier ordentlich zur Sache.

    Am heutigen Abend herrscht nicht die klassische Band-Publikum-Beziehung. Die heutige Death By Stereo-Show ist keine klassische Show in diesem Sinne, sondern viel mehr ein Familientreffen, wie Frontmann Efrem Schulz mit einem breiten Grinsen im Gesicht nicht müde wird zu betonen. Er und die Band leben ihren Traum und eben diese kleinen, energiegeladenen Shows – wie heute im Béi Chéz Heinz – sind das, was er auch noch mit 80 Jahren machen will, so Efrem, während er ächzend, auf einem imaginären Krückstock gestützt, über die Bühne läuft und ein Manifest auf die Death By Stereo-Familie hält. Zu der jeder gehört, der auf die Konzerte kommt und eben Teil dieser Familie sein will.

    Das ist der Spirit, den viele ältere Hardcore-Bands versprühen: Wir sind alle gleich, wir halten zusammen, stehen füreinander ein – eben wie in einer großen Familie. Es geht nicht um irgendeine Attitüde, um Prolo-Gehabe oder darum, wer die stylischten Nike Air Max trägt, sondern um das, was aus dem Herzen kommt, um Zusammenhalt und Unterstützung – so kitschig dies vielleicht auch klingen mag.

    „We are Death By Stereo and we fucking love you!“

    Zu den krachenden Gitarren von JP, treibenden Schlagzeugbeats von Mike und markanten Bassläufen von Robo wütet Efrem über die Bühne, schleudert den Besuchern seine ganze Wut entgegen, um nicht etwa auf Widerstand, sondern auf Verständnis zu stoßen und um gemeinsam mit seiner Familie mit gestreckten Fäusten gegen alle Ungerechtigkeiten einzustehen. Dem ein oder anderen wird aufgefallen sein, dass der Herr an der Gitarre mit dem ansehnlichen Schnurrbart fehlt: Dan Palmer ist momentan bei Zebrahead eingespannt, sodass er bei der Tour nicht dabei sein kann.

    Der Spaß steht allen Death By Stereo-Mitgliedern ins Gesicht geschrieben und wenn Efrem sagt, dass er sich wahnsinnig freue, nach vielen Jahren endlich wieder in Hannover sein, dann nimmt man ihm dies auch ab und ordnet es nicht in die Kategorie „Phrasen, die Bands auf einer Bühne sagen“ ein. Schließlich erinnert er sich noch sehr gut daran, wie vor einigen Jahren während ihrer Show im Béi Chéz Heinz der Strom ausfiel. Und aus diesem nostalgischen Gedanken heraus wollen Death By Stereo genau dieses Gefühl noch einmal heraufbeschwören und bitten die Besucher zu sich auf die Bühne, um gemeinsam – natürlich unverstärkt – zu singen.

    Auch ein kleines Geheimnis haben Death By Stereo für die Hannoveraner parat: Die Arbeiten zum neuen Album beziehungsweise der neuen EP – aus der bereits zwei Singles veröffentlicht wurden – sind so gut wie abgeschlossen, und auch ein Titel für das neueste Werk steht bereits: „No lessons, no practice, no problems“. Somit haben die Besucher den anderen Fans einiges voraus, denn bis dato wurde der Titel noch unter Verschluss gehalten. Aber in einer Familie hat man schließlich keine (großen) Geheimnisse.

    Mit viel Charme, Witz und natürlich einer großartigen Show schaffen es Death By Stereo heute einmal mehr, eine wunderbare Atmosphäre zu schaffen – und dabei wird auch mal kurzerhand die komplette Setlist umgeschmissen und der Zeitplan überschritten, um mehr von den alten Songs zu spielen. „We are Death By Stereo and we fucking love you!“ verabschiedet sich die Band, um sich gleich nach der Show den Besuchern zu widmen – und dabei ist sicher noch der ein oder andere Jägermeister geflossen.

     

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    von Hanna

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