Donots und Kosmonovski

    Bei den Donots geht es rund: Nachdem die Show Anfang vergangenen Jahres krankheitsbedingt abgesagt werden musste, bespielt die Alternative Rockband gestern das Capitol Hannover. Im Rahmen von 22 Konzerten stellt die Band aus Ibbenbühren ihr neues Album „Karacho“ auf der gleichnamigen Tour vor. Im Vorprogramm präsentiert sich die achtköpfige Combo Kosmonovski, die ihren Musikstil – ganz ungehemmt – Psychiatriepop nennt. In dieser Band treffen Menschen mit und ohne Handicap aufeinander, um gemeinsam Musik zu machen.

    „Hannover, here we go!“, starten die Donots pünktlich um 21.00 Uhr ihre Show vor rund 1100 Besuchern. Die Band ist zweifelsfrei in Erzähllaune. Nachdem Ingo Donot – dank der Online Suchanfrage „Hannover pervers“- feststellen musste, dass Verabredungen zum zwischenmenschlichen Stelldichein in der Stadt an der Leine nicht selbstverständlich eingehalten werden, fragt er sich und das Publikum: „Hannover was ist mit deiner Libido? Wie lernt man sich hier kennen. Wie macht man Kinder in Hannover?“ und beschließt „Darum seid ihr heute sehr aufgefordert, Kinder zu machen.“.

    Kurze Zeit später donnern „Junger Mann Zum Mitleiden“ und „Pick Up The Pieces“ durch die Boxen in den Zuschauerraum. Der von Leadgitarrist Guido Knollmann eingeforderte Circle Pit, lässt nicht lange auf sich warten. Die Temperatur im Capitol steigt zweifelsfrei. Frontmann Ingo vergnügt sich auf der Basedrum und Guido scheint völlig aus dem Häuschen – aufgedreht nimmt er die gesamte Bühne ein.

    „Der offizielle Hannover Kirchenchor“

    „Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, was das da oben ist. Ist das sowas wie ´ne VIP -Lounge und wie kommt man da rein?“, fragt Ingo Richtung Raucher- Separee. Die Antwort bekommt er prompt von seinem Bandkollegen und gebürtigen Hannoveraner Siedenbiedel: „Das kann ich dir sagen, du musst rauchen.“. Ingo scheint erheitert, taucht zu „Straßenköter“ im Graben ab und lässt die ersten Reihen mitsingen. „Der offizielle Hannover Kirchenchor. Bis jetzt war keine Stadt so textsicher wie ihr“.

    Auch mit Geschenken geizt der Fünfer nicht: Ein am Rang angebrachter Banner wird mit einem T-Shirt belohnt und ein 16-jähriger Besucher lässt Ingo Donot daran glauben, dass die Welt noch nicht ganz am Arsch ist. Beim Westerland-Cover wird der Wannsee gegen den Maschsee ersetzt. Wenige Minuten später ruft er zum traditionellen Spenden-Circle-Pit auf. Provokant fällt die Aussage, Braunschweig habe 8000 Euro ertanzt. Das lässt Hannover nicht auf sich sitzen und macht sich bereit.

    Unterdessen begibt sich Ingo Donot auf den Rang. Während er ordentlich Spenden sammelt, bemerkt er: „Hier oben kann man Biertrinken mit hübschen Frauen…“ und entgegnet seinen Bandkollegen „Macht was ihr wollt!“. Was passt in so einem Moment besser, als die Pennywise´sche „Bro Hymn“ zu covern.

    Punk is not dead!

    „Hannover, du geile Sau! Ich möchte euch alle tanzen sehen. Da oben und hier unten!“ animiert er seine Zuhörerschaft. In der ersten Reihe des Rangs zeigt sich die 8-jährige Juliette über den ganzen Abend beeindruckend textsicher und wird gen Abschluss mit einem Besuch auf der Bühne belohnt. Juliette und die Donots performen gemeinsam „Hansaring 2:10Uhr“ und „We´re Not Gonna Take It“. Für so viel Punkrock gibt es lebenslang einen Platz auf der Gästeliste.

    Auch wenn es jedem selbst überlassen bleibt, Punk zu definieren, die Schere zwischen Punk – Rock und Alternative zu spannen oder vergangene musikalische Epochen zu vermissen, lernen wir heute ganz ungeschminkt: Punk is not dead! Die Donots engagieren sich für die gute Sache, haben das Herz mehr als am rechten Fleck und sind ihren Fans – wahrscheinlich – so nah, wie keine andere Band. Das Publikum dankt ihnen kompromisslos. Ein großes Familientreffen unter guten Freunden an einem Vizefreitag in Hannover.

     

     

     

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    Bericht und Fotos von Maria

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