Joey Cape, Yotam, Walt Hamburger und Laura Mardon

    Dem Tanzverbot zum Trotz bespielt JOEY CAPE im Zuge seiner Stitch Puppy-Tour 2016 am vergangenen Ostersamstag das Heimat & Hafen in Bielefeld. Unterstützt wird er dabei von Singer/Songwriter Kollegen Yotam Ben Horin (Useless ID), Walt Hamburger und Laura Mardon. Mit rund 120 Besuchern ist die gemütliche Spelunke im Bielefelder Westen ordentlich gefüllt.

    „Eine Kneipe für jeden, der etwas anderes will, als die üblichen Lounges und Cafés. Eine Hafenkneipe, ohne viel Schnickschnack, aber mit ganz viel Charme. Eine Bierkneipe in der gute Musik läuft, aber auch live einiges passiert“, beschreibt sich das Heimat & Hafen selbst und trifft es damit ziemlich auf den Punkt: Ein langer gemütlicher Tresen bildet das Herz des Ladens und lädt zum Verweilen ein. Letztendlich trennt er aber auch den Raum in Kneipe und Veranstaltungsbereich, so dass man sich fragt, wie alle Besucher die Möglichkeit haben werden, die Künstler sehen zu können. Gelöst wird es am Ende ganz simpel: die Großen nach hinten und die Kleinen weitestgehend nach vorn.

    LAURA MARDON, die sympathische Folk – Punk Songwriterin, eröffnet den Abend und hat es nicht ganz leicht. „In Australien haben wir gerade Sommerzeit, ich habe mich hier wohl erkältet“, erklärt die gebürtige Engländerin und singt beeindruckend stimmgewaltig gegen die lautstark quatschende Menge im Barbereich an. Sichtlich fasziniert hängt ihr jedoch die Zuhörerschaft vor der Bühne an den Lippen. In völliger Zufriedenheit lässt sich das Publikum von ihrer weichen Stimme tragen.

    Kurze Anekdoten und spitze Sprüche 

    WALT HAMBURGER überzeugt mit seiner charakterstarken Stimme. Der Typ kann nicht nur singen, sondern ist – ebenso wie Musikerkollege Yotam Ben Horin – verdammt witzig. Hamburger steht auch außerhalb seiner eigenen Show immer wieder auf der Bühne und unterstützt sowohl Yotam als auch Joey Cape. Durch kurze Anekdoten und spitze Sprüche macht er es seiner Zuhörerschaft leicht, ihn etwas näher kennenzulernen und spielt sich schnell in die Herzen der Besucher. Dass es seinen Musikerkollegen ähnlich geht, zeigt sich in den kleinen Gesten: Man umarmt sich, verständigt sich ganz selbstverständlich via Blickkontakt und lächelt sich immer wieder entgegen.

    Vermutlich kennen die meisten YOTAM BEN HORIN als Leadsänger und Bassist der israelischen Punk Band USELESS ID. Der sympathische Tausendsassa überzeugt allerdings auch solo auf ganzer Linie. Das Gesamtpaket aus einer wirklich beeindruckenden Stimme, Geschichten mitten aus dem Leben und einer ordentlichen Portion Humor macht ganz schön Eindruck. Yotam hat scheinbar immer ein Grinsen auf den Lippen und fühlt sich sichtlich wohl. Beständig geht er in den Dialog mit seinem Publikum, erzählt kleine Anekdoten und zeigt sich angemessen politisch. Alles immer perfekt dosiert, so dass man dem nächsten Exkurs des smarten Sängers förmlich entgegenfiebert. Überzeugend selbstironisch drehen sich seine Geschichten meistens um Frauen und fast immer gehen die Stories nicht gut für ihn aus. Aber wenn es schon mit den Frauen eher kompliziert ist, klappt es zumindest mit der Musik. Yotam erzählt wie viel er Joey Cape und Lagwagon zu verdanken hat und wie stark seine eigene Musik dadurch beeinflusst wurde. Als ein Besucher schreit, dass es ihm auch so gehe, grinst Horin und entgegnet: „Aber ich stehe hier mit ihm auf der Bühne!“. Gut gekontert! Auch TONY SLY wird an diesem Abend nicht vergessen. Im Song „Tony Sly“ dankt er dem ehemaligen NO USE FOR A NAME-Frontmann.

    Auch der heutige Hauptact JOEY CAPE erinnert und gedenkt seinem langjährigen Wegbegleiter Anthony James Sly mit dem Lagwagon Klassiker „One More Song“ und der NOFX-Klassiker „Linoleum“ scheint zur Zeit nicht nur der am meisten gecoverte NOFX-Song zu sein, sondern erinnert auch an den letzten gemeinsamen Auftritt von Sly und Cape. Gestartet wird Cape´s Set mit dem Lagwagon-Hit „May 16th“. Auch er ist gut im Kontakt mit seinem Publikum und geht immer wieder auf Fragen und Anmerkungen seitens der Fans ein. Als Überraschungsgast bittet Cape seinen Freund JOE MCMAHON auf die Bühne. Der Frontmann der US-amerikanischen Punk-Rock Band SMOKE OR FIRE performt ganz spontan den Titel „Monsters Among Us“.

    „International You Day“ für das frischgebackene Brautpaar

    Auch wenn es im ganzen Verlauf des Abends immer mal wieder ums Trinken geht, scheint der Kalifornier seine Vorliebe eher im Whiskey als im Bier gefunden zu haben. Als Yotam im Verlauf der Show ein durch einen Fan gereichtes und auf einem Tisch am Bühnenrand abgestelltes Glas Bier umstößt, stellt Cape wenig überrascht fest: „Jetzt weiß ich wieder warum ich kein Bier mag“. Zwischenzeitlich reicht der Tourmanager einen Zettel auf die Bühne. Als der Sänger direkt zum Vorlesen ansetzt, wird er abrupt gestoppt und erklärt, dass es sich scheinbar um etwas Geheimes handele. Kurz vor Ende entpuppt sich die einstige Notiz als Heiratsantrag eines Besuchers an seine Freundin. Nach einem eindeutigen, aber ordentlich aufgeregten „JA“ und unzähligen Gratulationen widmet Cape dem zukünftigen Brautpaar den No Use For A Name-Klassiker „International You Day“.

    Nach rund dreieinhalb Stunden wirklich guter Unterhaltung der vier Ausnahmekünstler beendet Joey Cape den Abend mit einem weiteren Lagwagon-Dauerbrenner: „To All My Friends“ unterstreicht nicht nur das Ende eines gelungen Konzertes, sondern kann auch durchaus zur Hymne dieser Tour erklärt werden.

    BILDERGALERIE

    [print_gllr id=7424]

    von Maria

     

    Was sagst Du dazu?