Reload Festival 2015

    Moshpit in Gummistiefeln, tanzen im Konfettiregen: Scheinbar war Petrus – der offensichtlich keinen Blick auf das Line-Up des Reload Festival geworfen hat – am vergangenen Freitag des Reload Festivals nicht ganz auf der Höhe. Denn gleich zu Beginn des Reload Festivals schüttet es wie aus Eimern. Wichtigste Utensilien in diesem Jahr: Gummistiefel, Sonnenbrille und Sonnencreme. Vielleicht auch noch Wechselklamotten, je nachdem, was man vorne im Pit so vor hat. Sonnenbrille und Sonnencreme verleiten zur Annahme, dass das Wetter perfekter nicht sein könnte für ein Festival, doch der Schein trügt: Zuerst müssen die Besucher schwere Regenfälle über sich ergehen lassen, die das Festivalgelände in eine Schlammgrube verwandeln, dann scheint die Sonne brühend-heiß direkt auf die Menge hinab. Am Ende allerdings nichts, was nicht drei, vier, zehn Bierchen und der richtige Sonnenschutzfaktor wieder richten könnten.

    Um 13.20 Uhr eröffnen Mantar das Festival, gefolgt von Watch Out Stampede. Born From Pain versammeln bereits zahlreiche Besucher vor der Bühne. Beyond The Black bieten zum Vorgänger – der recht groovigen Oldschool Hardcore über das Reload fegen lässt – nahezu ein Kontrastprogramm: Mit Frontfrau Jennifer Haben am Mikrofon zelebrieren sie eher dem Metal mit Gothiceinschlägen. Einige hartgesottene Fans haben sich bereits zu Beginn vorne an die Absperrung begeben und halten voller Inbrunst die Pommesgabeln in die Höhe, als die Band die Bühne betritt. „Hände nach oben, auf geht’s!“, appelliert der Mann an der Gitarre die Besucher, die sich bis dato allerdings lediglich in den ersten drei Reihen tummeln. Passend dazu hängt über dem Himmel ein grauer Schleier, als jedoch der Song „An Angels Call“ angekündigt wird, bricht die Wolkendecke auf und die Sonne strahlt in voller Kraft auf die Bühne. Ein Schelm wer hier an höhere Kräfte denkt.

    Weiter aber im Schlammtagebuch: Das Wetter hält sich weiterhin, im sitzenden Zustand trocknet der Schlamm an der Gummistiefeln langsam aber sicher. Wer keine dabei hat, sieht – Pardon – natürlich aus wie Sau. Aber wenn man auch noch hier zelten muss, ist es jetzt auch einfach völlig egal.

    Open this fucking Pit up!

    Open this fucking Pit up! heißt es bei Ignite – aber mal ehrlich, bei der Band aus Orange County kann man auch kaum anders. Das Publikum zeigt sich von Anfang an – trotz brennender Sonne im Nacken – sehr bewegungsfreudig. Sänger Zoli Téglás wird währenddessen auf der Bühne nicht müde zu betonten, wie viel er doch von der Organisation Sea Shepherd hält (zu recht, deswegen hier mal eine schnelle Verlinkung) und erzählt nebenbei auch, dass er ebenfalls mal als aktiver Unterstützer mit dabei war.

    Außerdem gibt es weitere, sehr positive News aus dem Hause Ignite zu berichten, die ihre Fans auf jeden Fall erfreuen wird: Das neue Album ist fertig und soll noch Ende dieses Jahres veröffentlicht werden. Unter anderem wird auch ein neuer Song namens „Oh No, Not Again! It´s Just Another Army Marching In“ gespielt, währenddessen Zoli todesmütig eine aufdringliche Wespe abwehrt. Als er berichtet, dass er noch zwei Songs im Petto habe, fragt er das Publikum, welche Songs es denn noch hören wolle – beinahe überflüssige Frage, schließlich haben Ignite ihren Hit „Bleeding“ noch nicht zum Besten gegeben. Der folgt natürlich als letzter Song des Sets, davor wird es mit „Better Days“ etwas ruhiger.


    Ohne Torte keine Party

    Ganz und gar nicht ruhig ist der Auftritt der Metal-/Elektrocoreband Eskimo Callboy, denn diese hat gleich doppelten Grund zum Feiern: Zum einen natürlich den Auftritt auf dem Reload Festival, zum anderen den Geburtstag von Sänger Kevin, der heute 30 Jahre alt wird. Dementsprechend tragen die Bandmitglieder Partyhütchen und das Schlagzeug ist mit neonpinken Luftschlangen dekoriert. Auf der Bassdrum prangt ebenfalls in Pink eine leuchtende 30. Und dabei hatte Kevin eigentlich darum gebeten, dass seine Kollegen seinen Geburtstag unerwähnt lassen. Haben sie natürlich nicht – wäre ja auch noch schöner. Zum kunterbunten Partycore feiern die Callboys und die Besucher eine wilde Party mit vielen Luftschlangen und Glitzerkonfetti aus Kanonen an der Bühnenseite – wie es sich für einen ordentlichen Geburtstag gehört. „Das ist der schönste Geburtstag in meinem Leben“, freut sich Kevin dann doch nichts böses ahnend, während sich Sushi von hinten anschleicht, um ihm eine Torte ins Gesicht zu drücken und diese dann aus seinem Gesicht zu schlecken. „Mmmh, Erdbeer!“ Ohne Torte eben keine Party.

    „Fuck yes!“, finden sowohl die Architects als auch die Reload-Besucher: Bei den Briten geht es wesentlich ernster zu, denn in ihren Songs behandeln sie politische Themen. Besonders am Herzen liegt der Band rund um Frontmann Sam Carter das Tierrecht und es ist kein Geheimnis, dass auch die Architects große Supporter der Organisation Sea Shepherd sind. Circle Pits und eine Wall Of Death stehen auf dem Programm zu überwiegend neueren Songs des aktuellen Albums „Lost Forever//Lost Together“, zu dem sich die Besucher recht textsicher zeigen. Vor allem der letzte Song „Gravedigger“ scheint der absolute Liebling der Zuschauer zu sein und ist dementsprechend perfekt im Set platziert. Auch bei den Architects gibt es einen Geburtstag zu feiern, nämlich den von Gitarrist Adam Christianson, der nicht nur Küsschen von seinen Bandkollegen bekommt, sondern auch noch ein Ständchen von den Festivalbesuchern.

    Die Temperaturen sind mittlerweile angenehmer, die Sonne steht tief. Außerdem ist der Schlamm vor der Bühne bereits großflächig festgetreten. Nach einer halben Stunde Umbaupause geht es weiter mit den ebenfalls aus Großbritannien stammenden Enter Shikari. Mit einer bunten Lichtershow im Rücken wirbelt Frontmann Rou Reynolds über die Bühne, als wäre er von einem Dämon besessen und macht dabei roboterhafte Bewegungen. Während der Songs schmeißt er den Mikrofonständer hoch in die Luft, sodass dieser wahlweise auf die Bühne oder in den Bühnengraben fällt. Nach den ersten Songs schnappt sich Reynolds kurzerhand die Gitarre samt Mikrofonständer und begibt sich damit in die Menge, um dort weiterzusingen. Enter Shikari wissen eben, was eine gute Show ausmacht.

    Dämonen, Fegefeuer und Konfetti

    Co-Headliner Kreator lässt sich standesgemäß mit einem großen Knall ankündigen: Auf den Bannern links und rechts von der Bühne prangen zwei riesige Kanonen, aus denen ein großer Knall inklusive Rauch ertönt. Die Stage ist in blaues Licht getaucht, links und rechts stehen zwei maskierte Gestalten, die beide eine rote Fackel in die Luft haben. Dann betreten Kreator die Bühne und lassen erst einmal tonnenweise weißes Konfetti auf die Besucher regnen. Hinsichtlich Bühnenbild legen Kreator eine ordentliche Schippe drauf: Die Lichter wirbeln überwiegend in rot, blau und weiß über die Bühne, links und rechts sind große Leinwände aufgebaut, auf denen mal grausige Dämonen im Fegefeuer oder Skelette in Roben gezeigt werden.

    Sowohl im Publikum als auch auf der Bühne werden die Zottelmähnen geschwungen, die Fäuste in die Höhe gestreckt und lautstark mitgesungen. „Ich möchte einen Moshpit sehen, von vorne bis von hinten!“, ruft Frontmann Miland Petrozza der Menge zu. Das klappt zwar nicht ganz, aber an jeder Ecke sieht man die Fans ausgelassen feiern.

    Nun wird Platz für den heutigen Headliner gemacht: In Flames. Auch für die Schweden werden die Kanonen seitlich von den Bühnen gezündet und die Lichtmaschinen ordentlich aufgefahren. Der Altersdurchschnitt wurde seit Kreator ordentlich angehoben, immerhin stehen mit den beiden Headlinern zwei Metalbands auf der Bühne, die schon seit Jahrzehnten aktiv sind. „We are happy to play in front of you dirty, smelly people!“, begrüßt Frontmann Anders Fridén die Reload-Besucher. Die Band habe sich im Vorfeld Sorgen gemacht, dass es regnen könnte, aber bis auf den Sturzregen am Mittag hat sich das Wetter glücklicherweise gehalten und die Reload-Besucher können auch in der Nacht den Auftritt von In Flames ungestört genießen.

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    Bericht von Hanna

    Fotos von Maria

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