Rise Against

    Im Rahmen ihrer Black Market Tour gastieren Rise Against am 11. Oktober 2015 in der ausverkauften Swiss Life Hall Hannover. Mit im Gepäck hat die Band aus Chicago die Polit-Schweden Refused und die als Super Group bezeichneten Great Collapse.

    Darüber, dass Rise Against keine Underground Polit-Punk Band mehr sind, muss man schon lange nicht mehr streiten. Vielmehr sind die vier Musiker mitten im Mainstream-Rock angekommen. Der wohl eindeutigste Beweis dafür sind die immer wieder ausverkauften Konzerte und demzufolge bis in den letzten Winkel gefüllten Hallen. Wer auf „Endgame“ noch die Hoffnung hatte, dass sich diese „Phase“ wieder legen würde, musste spätestens nach dem letzten Werk „The Black Market“ einsehen, dass Rise Against den Punk-Olymp erklommen haben und somit zweifelsohne zu den ganz Großen im Rockmusik-Business gehören. Auch wenn einige ältere Fans den alten Zeiten etwas nachtrauern, zieht die Band am vergangenen Sonntag 5000 sowohl neue als auch alte Anhänger in die Swiss Life Hall Hannover.

    Nicht viel weniger unspektakulär als der heutige Hauptact ist die zweite Band des Abends: Die Schweden Refused prägten mit ihrem 1998er Album „The Shape Of Punk To Come“ den Hardcore-Punk maßgeblich und starteten nach mehreren Jahren Pause ihr lang ersehntes Comeback, das außerdem das neue Album „Freedom“ zur Folge hatte. Trotz einer durch Sänger Dennis Lyxzén perfekt inszenierten Show schaffen es Refused allerdings nicht, das komplette Publikum in ihren Bann zu ziehen. Dennoch bleiben Refused eine der politischen Punkinstitutionen. Radikal, brachial und beständig auf dem roten Faden der refuse´schen Idee mit dem Finger mitten in der Wunde.

    Den Anfang machen an diesem Abend Great Collapse – ebenfalls eine Band, die aus in der Szene bekannten Gesichtern besteht. So sind die Bandmitglieder aus anderen Combos wie Strike Anywhere, Rise Against und Death By Stereo ein Begriff. Great Collapse werden somit traditionell als Super Group gehandelt. Nachdem wir ihnen vor ein paar Tagen mit eher mäßigem Sound als Boysetsfire-Support in Hamburg folgten, kann man in Hannover einer viel kraftvolleren Show beiwohnen. Die Band um den ausdrucksstarken Sänger Thomas Barnett, schafft es dem Publikum ordentlich einzuheizen.

    Mit „The Great Die – Off“ des aktuellen Albums „ The Black Market“ eröffnen Rise Against zwischen zwei gewaltigen Monitoren und vor riesigen auf der Bühne leuchtenden „RISE“ Buchstaben ihre Headliner Show. Minuten zuvor bewaffnet sich das Publikum mit unzähligen Handykameras. Aufgrund eines vorhergegangenen Mountain-Bike-Unfalls betritt Sänger Tim McIlrath die Bühne am heutigen Abend ohne Gitarre. Da die Band laut eigener Aussagen um keinen Preis eine Deutschlandshow absagen wollte, springt Gitarrist und Kumpel Neil Hennessy –bekannt durch die Band The Lawrence Arms – ein und überzeugt auf ganzer Linie.

    Schnell wird klar, dass auch an diesem Rise Against-Abend – neben einem gewaltigen Freudenfeuer – die Ernsthaftigkeit wichtiger politischer, gesellschaftlicher aber auch zwischenmenschlicher Themen eine Rolle spielen wird. McIlrath berichtet von einem (dem Konzert vorangegangenem) Treffen zwischen der Band und jungen Leuten aus verschiedenen krisenbesetzten Ländern und das es eine große Ehre für die Band sei, dies erleben zu dürfen. Auf einmal beginnt er herzlich zu lächeln. Er habe sich zwischenzeitlich Sorgen gemacht, wie die Jugendlichen die Show erleben würden und ob es beängstigend sei, zwischen so vielen tanzenden Menschen und der lauten Musik in der Dunkelheit der ehemaligen Stadionsporthalle diesen Abend zu verbringen. Doch genau in jenem Moment habe er einen der Jungen gesehen, wie er lachte und tanzte. Er bedankt sich bei den deutschen Fans für die umfangreiche Hilfe und Solidarität, die in den letzten Monaten geleistet wurde und berichtete weiterhin, wie beunruhigend es gewesen sei, vor einiger Zeit geschlossene Grenzen überqueren zu müssen. Es ist ihm definitiv eine Herzenssache: „Two Words – very simple – Refugees Welcome!“

    Zwischen vielen weiteren Anekdoten der ersten Deutschlandshow vor rund 15 Jahren mit Sick Of It All und der Wichtigkeit der Liebe, egal zwischen welchen Geschlechtern, bieten Rise Against eine Punk – Rock Show der Extraklasse. Neben Klassikern wie „Satellite“, „Survive“ und natürlich „Prayer Of The Refugee“ überzeugen sie mit Stücken des aktuellen Albums und beweisen wieder einmal, dass sich Punk und kommerzieller Erfolg nicht generell ausschließen lässt.

    Gänsehautstimmung zog spätestens dann auf, als Tim McIlrath den Akustiksong „Hero Of War“ beginnt und die gesamte Halle 100% textsicher einstimmt. Die Setliste des Quintetts ist schon lange kein Geheimnis mehr, aber durch die zeitlosen, mitten ins Herz treffenden Texte aktueller denn je.

    An dieser Stelle möchten wir das am 24. Oktober stattfindende WE STRYKE No.22 im Salon des Bei Chez Heinz erwähnen. Mit dabei sind diesmal Narcolaptic aus Hamburg, sowie Dead Spot Riot und Riesen Ding aus Hannover! Integration statt Hetze! FREE ENTRY FOR REFUGEES!

     

     

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    von Maria

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