Stick To Your Guns, Stray From The Path, Counterparts und Wolf Down

    Ausverkauftes Haus im MusikZentrum in Hannover. Kein Wunder, immerhin lädt keine geringere Hardcore-Größe als die Kalifornier STICK TO YOUR GUNS zu Stagedives und Circle Pits. Als Gäste sind außerdem STRAY FROM THE PATH, COUNTERPARTS und WOLF DOWN dabei – ein starkes Package, das schon im Vorfeld einen schweißtreibenden und großartigen Abend verspricht und am Ende dieses Versprechen auch halten soll.

    Bereits beim Opener WOLF DOWN geht es ordentlich zur Sache: Im schon sehr vollen MusikZentrum bildet sich vor der Bühne ein großer Kreis, um Platz für die zu machen, die den brachialen Hardcore-Klängen der Band aus dem Ruhrpott wild um sich schlagend und tretend frönen. Die Stimmung ist von Anfang an geladen, Frontmann Dave spricht über Zusammenhalt in der Szene, Veganismus und Frauen im Hardcore (bis 2014 übernahm übrigens noch Sängerin Larissa den Part am Mikrofon).

    „Hardcore is not just boys fun!“

    Er fordert die Frauen heute Abend auf, nach vorne zur Bühne zu kommen: „Hardcore is not just boys fun!“, ruft er. Was übersetzt heute auch heißen könnte: „Jeder, der eine Faust oder einen Fuß ins Gesicht bekommen möchte – bitte vortreten!“. Dankend abgelehnt, dennoch ist diese Attitüde selbstverständlich mehr als lobenswert und gar nicht mal immer üblich in der Szene. Wolf Down zeigen sich ebenso umichtig wie musikalisch sehr stark und für einen Song gibt es sogar prominente Verstärkung: In einem roten Kapuzenpulli gekleidet und nicht auf den ersten Blick zu erkennen, shouted Stick To Your Guns-Frontmann Jesse Barnett ein paar Zeilen ins Mikrofon und outet sich – wie sich später am Abend noch zeigen soll – als großer Fan der Band.

    Eine große Fanscharr bringen auch die Kanadier COUNTERPARTS mit, denn aus dem Publikum ist über den Abend verteilt des Öfteren zu vernehmen, dass der Auftritt der Melodic Hardcoreband mit ausschlaggebend war, heute Abend die Show zu besuchen. Ohne große Umschweife legen Counterparts direkt los und während sich Frontmann Brendan gefühlt das ganze Leid der Welt von der Seele schreit, konzentriert sich der Rest der Band auf die Instrumente. Das Publikum zeigt sich Textsicher, nach den ersten Songs befreit Brendan bereits seine gewellten, braunen Haare vom Gummiband und nimmt zwischen den Songs immer mal wieder einen Schluck aus seiner Rotweinflasche – dekadent und irgendwie sehr passend. Am Ende des Sets wird eine Zugabe gefordert, doch sobald die Musiker die Bühne verlassen haben, ertönt auch schon die Musik vom Band und die Umbauarbeiten für die nächste Band starten.

    „This band gives me hope in Hardcore music“

    Diese gestalten sich relativ kurz und schon stehen STRAY FROM THE PATH bereit, um dort anzuknüpfen, wo Counterparts aufgehört haben. Musikalisch bewegt sich die Band allerdings eher in eine etwas andere Richtung, möchte man Vergleiche ziehen, kommen einem schnell Bands wie Rage Against Machine in den Kopf, die ihren Groove auf starke Hardcore-Parts krachen lassen. Die New Yorker erzählen, dass sie schon lange mit Stick To Your Guns befreundet wären und sich deswegen natürlich sehr freuen, auf der Tour dabei zu sein. Allerdings wurden nach den Anschlägen in Paris aus dem Familien- und Freundeskreis die Stimmen laut, warum sie überhaupt hier spielen würden – aber es sei einfach das, was sie tun und das natürlich auch gerne. Schon zu Beginn fordert Frontmann Andrew immer mehr Leute dazu auf, weiter nach vorne zu treten. „We travelled over the whole fucking ocean for this show!“, lockt er und hat Erfolg: Die Stimmung heizt sich weiter auf, es werden Circle Pits gestartet und Sprünge von der Bühne hinein ins Publikum gewagt.

    Nach einer schweißtreibenden Show sowohl auf Band- als auch auf Publikumsseite ist es nun Zeit, für den heutigen Headliner STICK TO YOUR GUNS. Gleich zu Beginn der Show macht Frontmann Jesse – der wie bereits erwähnt Guestvocals bei der ersten Band des Abends Wolf Down übernahm – eben dieser Band wohl eines der größte Komplimente, die man als Musiker bekommen kann: „This band gives me hope in Hardcore music“.

    In a world that hates, we understand

    Generell ist es Jesse heute Abend sehr wichtig, seine Message rüberzubringen. „In a world that hates, we understand“ – Zusammenhalt ist wichtig in dieser Szene, für prolliges Gehabe und Rücksichtslosigkeit kein Platz. Den Song „The Bond“ vom Album „Diamond“ widmen Stick To Your Guns heute Abend Stray From The Path, ursprünglich ist dieser Track für die Freunde von Terror gedacht. „Are you tired?“, fragt Jesse nach einigen Songs – rätselhaft, wie er darauf kommt, denn die Stimmung könnte besser wohl kaum sein. Schon von Beginn an werden Lyrics aus voller Brust mitgesungen, getanzt, gestagedived, Fäuste in die Luft gestreckt und gepogt. Da ist ordentlich Bewegung im Kessel. „I read an article that says that Germans never get tired“, sagt er und grinst über das ganze Gesicht. Kurze Kunstpause: „That was a joke by the way“.

    Als Headliner beenden Stick To Your Guns den Abend natürlich nicht, ohne eine Zugabe zu geben. „Thanks for makingthis a sold out show in Hannover tonight. You guys are fucking amazing – like always“, bedankt sich Jesse im Namen der Band und beendet den Abend unter großem Applaus mit strahlendem Gesicht.

     

     

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    Bericht und Fotos von Hanna

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