Turbostaat

    Bevor es im März auf große Tour geht, haben TURBOSTAAT einige Konzerte in kleinen familiären Clubs angekündigt. So präsentiert die Husumer Post-Punk-Band Band ihr aktuelles Album „Abalonia“ am 4. Februar im ausverkauften Café Glocksee in Hannover. In den Straßen der Niedersächsischen Landeshauptstadt ist es schon den ganzen Tag ungemütlich, trüb und verregnet. Es wirkt, als wolle das Wetter die Besucher des UJZ Glocksee in Stimmung bringen. Genauso könnten sich die beiden Hauptfiguren des Konzeptalbums auf ihrer Reise zum Sehnsuchtsort Abalonia gefühlt haben.

    Ohne Support und anderen Schnickschnack starten Turbostaat kurz nach 21.00 Uhr in den Abend. Die Feuertaufe für Abalonia? Möglicherweise. Der Fünfer betritt mit einem kurzen „Hallo“ die Bühne und legt direkt los. Von dem starken Opener „Ruperts Grün“ bis zu dem druckvollen Outro „Abalonia“ hält sich die Schleswig-Holsteinische Band an ihr Versprechen und liefert ohne Kompromisse ab. Applaudierend honoriert das Publikum einen neuen Song nach dem anderen. Die Besucher zeigen sich außerdem auffällig textsicher gegenüber der erst vor einigen Tagen erschienen Platte.

    Feuertaufe vor kritischem Publikum?

    „Abalonia“ klingt anders, als das was man bisher von Turbostaat kannte. Gesetzter, vielleicht erwachsener, klarer in der Melodie – gewachsen. Anders, aber dennoch tief vertraut. Ob es nun die einprägsame Stimme Jan Windmeiers ist, oder die altbekannten, intellektuell oft clever codierten Texte, darf sich jeder selbst überlegen. Doch eins wird schnell klar: Die Seele der Husumer ist in allen zehn Titeln deutlich erkennbar. Das Publikum scheint gemischter Gefühle. Die jüngere Riege in den vorderen Reihen des Café Glocksee wirkt über den ersten Teil des Abends wesentlich aktiver, als der hintere Bereich alteingesessener Musikliebhaber. Also doch die Feuertaufe vor einem gemischt kritischen Publikum?

    Das Café Glocksee hat sich mittlerweile in einen Dampfkessel verwandelt. Sänger Jan Windmeier muss aufgrund der hohen Temperaturen tief durchatmen. Die Luft ist hitzegeschwängert und das Publikum durchgehend voller Ehrlichkeit bei der Band und ihrer Musik. Während einer kurzen, kaum bemerkbaren Pause verlässt die Band die Bühne. Der Zuschauerraum wirkt dabei noch sehr vertieft in das bisher Erlebte. „Mehr neue Lieder haben wir nicht, dann müssen wir jetzt Altes spielen“, erklärt Windmeier und erntet kräftig Applaus.

    Über dem Siedepunkt

    Über die folgenden acht Lieder erfreut der Fünfer sein Hannoversches Publikum mit altbekannten Stücken. Jetzt ist auch das bisweilen kritisch wirkende Publikum zu hundert Prozent im Boot. Bei beispielsweise „Harm Rochel“, „Haubentaucherwelpen“, „Pennen bei Glufke“ und „Vormann Leiss“ feiern alle Besucher geschlossen einen ausgelassenen Abend. Die Stimmung hat den Siedepunkt längst überschritten.

    Die Tanzenden und Singenden sind nach wie vor ganz bei sich, tief in den Texten und Melodien der Nordlichter versunken und beweisen immer und immer wieder was Musik wirklich bedeutet – da ist ganz viel ungeschminktes Gefühl im Spiel. „Abalonia“ hat die Feuertaufe bestanden und es scheint sogar, als hätte der ein oder andere den besungenen Sehnsuchtsort erreicht – zumindest für diese wenigen Stunden im UJZ Glocksee, am Ufer der Ihme.

     

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    Bericht und Fotos von Maria

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