Zebrahead

    Am vergangenen Dienstag machten Zebrahead im Zuge ihrer „Walk the Plank“ Europatournee Halt im Musikzentrum Hannover. Neben ein paar neuen Songs haben die Kalifornier mehr als eine Handvoll altbewährter Hits im Gepäck.

    Die japanische Band Man With A Mission eröffnet den Abend und benötigt keine fünf Minuten, um das hiesige Publikum in Begeisterung zu versetzen. Beim Song „Out Of Control“ stürmen die beiden Zebrahead-Sänger Ali Tabatabaee und Matty Lewis auf die Bühne, um gemeinsam mit Man With A Mission zu performen. Nach ziemlich genau dreißig Minuten gibt der Sechser das musikalische Zepter an die US-amerikanische Punkband MXPX ab.

    Während Man With A Mission Zebrahead schon seit Beginn der Tour begleiten, spielen MXPX ihre erste Supportshow. Dementsprechend schnell wird klar, dass die Jungs voller Tatendrang stecken: Energetisch rasen sie über die Bühne, halten beständig Kontakt zum Publikum und lassen das mit über 450 Besuchern gut gefüllte Musikzentrum fast euphorisiert springen und tanzen. Tatsächlich wirkt es, als hätte man ein Hannoveraner Publikum noch nie so gelöst feiern sehen. Textsicher zeigen sich die Besucher bei Songs wie „Punk Rawk Show“ oder „First Day of the Rest of Our Lives“. Auch das Punk – Rock Cover von Bryan Adams „Summer of ´69“ wird gebührend mitgegrölt. Mit einer Supportshow hat das fast Nichts mehr zu tun.

    Während sich die Temperaturen im Musikzentrum unaufhörlich in die Höhe schrauben und der Ein oder Andere die Umbaupause nutzt, um bei einer Zigarette oder einem kurzen Austausch auf dem Hof abzukühlen, baut die als Piraten verkleidete Stagecrew die altbekannte Cocktailbar im linken Bereich der Bühne auf. Ein mehr als eindeutiges Indiz für eine Zebrahead-Show. Schnell wird klar: Der kalifornische Fünfer macht das, was er am besten kann – eine richtig gute Party.

    Da wirkt „Save Your Breath“ fast wie eine Aufforderung dem Publikum gegenüber. Kaum zu glauben, dass Zebrahead-Anhänger gemeinsam dermaßen konstant durchfeiern und Hannover somit beweisen, dass es völlig überflüssig ist, Distanz zur Bühne zu halten. Bei „Drink, Drink“ liegen sich dann alle in den Armen und schunkeln sehr vertraut im Takt ihrer Idole. Sobald Matty Lewis einen Zuschauerrücken erspäht, scheint er instinktiv ein Selfie zu wittern. Er positioniert sich ausgesprochen fotogen hinter dem jeweiligen Besucher und schreckt nicht davor zurück, diesem seinen Mittelfinger und ein breites Grinsen mit nach Hause zu geben. Die Choreografie zu „Playmate Of The Year“ muss wahrlich keinem Zebrahead Besucher erklärt werden. Nach einer kurzen Einleitung von Ali Tabatabaee, stimmt Matty „Whoo, yeeh“ an, die feiertrunkene Zuhörerschaft lässt flugs die Hände – zu Dreiecken geformt – in die Höhe schnellen und schreit „Muschi“.

    Dachte man nach MXPX schon es wäre kaum noch Sauerstoff im Raum, kann man sich jetzt davon überzeugen lassen, dass Bier und Co. nicht nur innerlich kühlt. Und dann passiert das, was man auf einer Zebrahead-Show nicht so oft erlebt: Bassist Ben Osmundson ergreift das Wort und wird mindestens gesellschaftskritisch, wenn nicht sogar politisch. „Habt eure eigene Meinung und lasst nicht Andere für euch sprechen!“, gibt er den Besuchern mit auf den Weg. Als Matty dann Freibier für den besten Crowd Surfer verspricht, verliert das Publikum wahrlich den Boden unter den Füßen. Es ist nicht zu erinnern, wie oft die Bühne des Musikzentrums so viele Menschen tragen durfte.

    Nach drei Songs Zugabe entlassen Zebrahead ein völlig durchgeschwitztes, aber zu Recht nachhaltig euphorisiertes Publikum händeschüttelnd in die klirrende Kälte dieses Dienstagabends.

     

     

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    Review: Maria
    Fotos: Timo

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