The Ghost Inside – s/t

Während gerade die ganze Welt ins Chaos stürzt, sind The Ghost Inside dabei, sich aus ihrer ganz eigenen Hölle zurück zu kämpfen. Nach ihrem schweren Busunglück vor fünf Jahren, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen und die Mitglieder sehr schwer verletzt wurden, waren diese die letzten Jahre damit beschäftigt, körperlichen und seelischen Traumata Herr zu werden. Dass das neue Album – das sicherlich nur selbstbetitelt werden konnte – diesen Prozess durchweg thematisiert und begleitet, war der Band vom Beginn des Schreibprozesses an klar. Wenig verwunderlich also, dass The Ghost Inside hier wohl ihr emotionalstes Werk präsentieren und es wohl kaum ein Szene-Comeback gibt, das so bedeutungsvoll ist, wie das der Jungs aus Los Angeles.

„Ein herzergreifendes Comeback, für das The Ghost Inside zu ihrer alten Stärke zurückgefunden und ihre wohl bisher härteste Herausforderung gemeistert haben“

„I am unstoppable!“

Aus musikalischer Sicht traf Schlagzeuger Andrew Tkaczyk das Unglück besonders schwer: Er verlor ein Bein – für einen Drummer eine Katastrophe. Doch Andrew kämpfte und fing schnell wieder an, sich hinter sein geliebtes Instrument zu setzen. Auch wenn er nach eigenen Aussagen spielerisch nie wieder zu 100 % da sein wird, wo er vor dem Unfall war, fühlt er sich so nah dran wie möglich. Dass das Album mit „1333“ und einem Drumsolo eindrucksvoll startet, krönt den harten Kampf und repräsentiert unglaublich intensiv, wofür dieses Album steht. Ohne Umschweife wird auch mit dem nächsten Song ein klares, einfaches, aber enorm wichtiges Statement herausgebrüllt: „Still Alive“. „I am unstoppable!“, ruft Frontmann Jonathan Vigil im Song „The Outcast“. Und altbekannte, motivierende Parolen wirken bedeutungsvoller als jemals zuvor.

Auf dem Album vereinen The Ghost Inside alles, wofür die Band jemals stand und weiterhin steht. Schon immer ging es bei The Ghost Inside um die Besinnung auf die eigene Stärke, darum, sich aus schwierigen Situationen heraus zu kämpfen, sich treu zu bleiben. In den letzten Jahren mussten sich die US-Amerikaner ihrer bisher härtesten Herausforderung stellen.

„Am I lucky to be alive?“

Mit jedem Ton der rund elf Songs spürt man, dass The Ghost Inside ihre alte Kraft wiedergewonnen haben, wofür sie so hart gearbeitet und gekämpft haben. Diese hohe Emotionalität spiegelt sich in jedem Wort, in jedem Paukenschlag, in jedem Gitarrenpart und in jedem Bassverlauf wider. Immer wieder rückt der Cleangesang in den Songs in den Vordergrund, wie etwa in „Overexposure“, „Make Or Break“ oder „One Choice“. Musikalisch haben sich The Ghost Inside auf ihre Stärken besonnen und sind sich ihrem Stil treu geblieben. Schließlich geht es hier nicht um vermeintliche Weiterentwicklung, sondern um die Relevanz dieser Melodic Hardcore-Band, die das Genre maßgeblich geprägt hat und als Pionier gilt.

Aber auch mit Schuldgefühlen müssen sich The Ghost Inside auseinandersetzen. Immerhin verloren zwei Menschen damals ihr Leben. „Am I lucky to be alive?“, fragt Jonathan in „Unseen“. Neben den körperlichen Verletzungen hat das Unglück natürlich vor allem auch unglaublich große mentale Traumata nach sich gezogen, die wohl niemals ganz überwunden werden können. „What happened to my happy ending?“ trifft der Cleangesang in „Aftermath“ direkt ins Herz.

„Full speed ahead!“

The Ghost Inside haben zu ihrer alten Stärke zurück gefunden. Sogar mehr noch: Sie haben es geschafft, sich aus einem dunklen Loch herauszugraben. Als Jonathan Vigil 2018 ein sehr berührendes Statement schrieb, hätte niemand gedacht, dass die Band bereits Ende 2019 ihre erste Comebackshow spielt, für 2020 Shows plant und ein neues Album auf den Markt bringt. So unglaublich tragisch der Vorfall vor fünf Jahren war, umso herzerwärmender ist es, die Band wieder gemeinsam auf der Bühne zu sehen und das Glück zu haben, ein neues Album in den Händen zu halten. In diesem Sinne: „Full speed ahead!“ Großartig, dass Ihr wieder da seid.

The Ghost Inside – Aftermath

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The Ghost Inside – s/t
Release: 05. Juni 2020
Label: Epitaph Records
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Veröffentlicht von
Hanna

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