Akne Kid Joe und Riot Spears live in Hannover

Akne_Kid_Joe Komm_Raus Hannover
Foto: Maria Graul

Über die tolle Location der KommRaus-Bühne haben wir in den letzten Tagen ja schon einiges geschrieben: Idyllisch im hinteren Teil des Ricklinger Bads in Hannover, mitten im Grünen und an einem See gelegen, ist schon allein der Ort einen Besuch wert. Bis in den September rein veranstalten hier die Clubs Béi Chéz Heinz, Faust, Pavillion, Indiego Glocksee, Cafe Glocksee und Musikzentrum im Wechsel fast täglich Live Veranstaltungen.

So auch am Samstagabend, den 14. August. Diesmal standen Akne Kid Joe und Riot Spears auf dem Plan und das Konzert lieferte den Höhepunkt eines tollen Sommertages. Von Stunde zu Stunde wurde die Stimmung der rund 170 Besucher immer ausgelassener, natürlich unter strenger Einhaltung der geltenden AHA-Regeln.

„Wenn die Musik, die Stimmung und das Wetter so unaufgeregt im Einklang sind, dann kommen solche Abende, wie dieser Samstag dabei heraus.“

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Erlaubte Kniebeugen

Vorband sind, an diesem irgendwie schon früh nahezu perfekten Sommerabend, Riot Spears aus Berlin. Das Trio startet ihr Set gegen 19:15 Uhr. Im Gepäck hat die Band das aktuelle Album „Bad“ von dem in den folgenden knapp 40 Minuten acht der neun Songs stammen. Als Intro fungiert dabei „My Heart Will Go On“ von Celine Dion. Dazu kommen die drei Musikerinnen auf die Bühne und stellen hintereinander stehend die „König der Welt“-Szene aus Titanic nach. Kurze Zeit später legen Riot Spears den Schalter um und überzeugen mit einer Mischung aus der Musik des einstigen Olympias. Dabei erinnert die Combo durch verwendete Elemente aus Punk, Noise und Grunge an Hole, Nirvana oder Bikini Kill.

Bildergalerie: Riot Spears

Sängerin Martha wirkt komplett bei sich und absolut auf die Songs fokussiert. Dabei überzeugt sie vor allem mit ihrer rauen Stimme. Für die Ansagen ist Bassistin Svenja zuständig, die auch direkt nach zwei Songs ankündigt, heute noch unbedingt Schwimmen gehen zu wollen. Bei der Location bietet sich das natürlich an. Nicht so sehr von sich selbst überzeugt und angenehm sarkastisch teilt sie den Besucher:innen mit, dass sie ohne Spickzettel nicht mal mehr die neun Songs der Setlist merken kann, die man spielen will. Dem Publikum gefällt sichtlich, was es hier zu hören bekommt. Bassistin Svenja betont,  dann auch gar nicht wie Nena sein zu wollen, doch man würde ganz bestimmt austehen dürfen und Kniebeugen machen. Dem folgen einige Besucher:innen lachend, wobei viele Kniebeugen dann doch nicht zu sehen. Und dann ist das Set vorbei und der Applaus zeigt, da ist eine Band, die richtig gut in Hannover angekommen ist. Ein guter musikalischer Einstieg in den Abend.

„Durchkonzeptioniertes Scheißkonzert“

Alles, wie am Tag zuvor

Nach kurzer Umbaupause folgt schließlich Akne Kid Joe. Die Musiker und Musikerin aus Nürnberg stehen für deutschsprachigen Punkrock, mit inhaltlich starken, sozial- und gesellschaftskritischen Texten. In einem kurzen, knackigen Intro vom Band heißt es „I Wanna Rock“, dann geht es direkt los mit „Hey Daniel“. Dank Corona sei man eine deutlich geübtere Band geworden, teilt Sänger Matthias schon bald mit und merkt dann direkt, dass schon nach nur wenigen Songs die Stimme „versagt“. Aber alles halb so wild, natürlich macht das Quartett weiter, auch als Gitarristin/Keyboarderin Sarah ein paar technische Probleme mit den Kabeln hat. Alles, wie am Tag zuvor, sagt sie selbst. Dabei werden immer wieder die Instrumente gewechselt. Sarah spielt mal Keyboard, Keyboarder Peter wechselt an den Bass. Die folgenden Songs handeln u.a. vom älter werden als Punk oder von den Reisezielen der Deutschen („Pizza Napolitana“). Dabei besteht die Setlist vor allem aus Songs des aktuellen Albums „Die Große Palmöllüge“, dem neuen Album „Die Jungs Von AKJ“, welches Ende August auf den Markt kommt und älteren Werken wie „Karate Kid Joe“.

Vom neuen Album stammt z.B. die neue Single „Gestern, Heute, Morgen“. Vom aktuellen Werk gibt es u.a. „What AfD Thinks We Do…“, eine ironische Abrechnung mit den Lügen der rechtspopulistischen Partei – ein Song der sich großartig mit den Beschuldigungen des Demogeldes einleiten lässt. Weitere Songs sind „Danke Fürs Gespräch“, in dem es um nervige Gespräche geht, die man nicht führen will oder das Lied „Sarah“, das sich um die Gitarristin dreht. Dabei teilt sie mit, die technischen Probleme würden nur überdecken, dass sie gar nicht spielen könne, was natürlich überhaupt nicht stimmt. Nach diesem, ihren Moment, folgt der schon jetzt zum AKJ Klassiker werdende Song „Rip/Rar“ und dir einmal mehr angesprochene Kritik ans Patriarchat und seine Macho-Männer. Mit „Die Zündende Idee“, „Markus Erlöser“ „Ein Morgen Ohne Deutschland“ und „Deutschland, Nein Danke“, biegen Akne Kid Joe so langsam auf die Zielgerade ein. Die Stimmung der Besucher:innen wird dabei immer ausgelassener. Erste kleine Zweierpogos vor den jeweiligen Sitzplätzen sind genauso zu beachten, wie der immer lauter werdende Jubel der Anwesenden zwischen den Songs und deren Textsicherheit.

Never Give Up A Fight

„Never Give Up A Fight“ beschließt dann den ersten Part nach gut 50 Minuten. Doch die Vierer-Combo kommt noch einmal mit den ironischen Worten zurück, Zugaben und technische Probleme würden ja zu einem durch konzeptioniertem Scheißkonzert, wie diesem, gehören. Das ist es natürlich nicht, im Gegenteil, denn die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Leider gibt es nur noch „Kartoffel“ und ein Lied gegen Hippies zu hören, bevor die Besucher:innen mit einem Outro von Oasis in die Nacht entlassen werden.

Wenn die Musik, die Stimmung und das Wetter so unaufgeregt im Einklang sind, dann kommen solche Abende, wie dieser Samstag dabei heraus. Akne Kid Joe und Riot Spears machten es zu einem tollen Abend mit ihrer Musik und ihren kritischen und so wichtigen Botschaften, die über die teilweise sehr starken Songs übermittelt werden. Vor allem die Nürnberger haben gezeigt, dass sie sich in den vergangenen Jahren zu einer wirklich wichtigen Band im deutschen Punkrockbereich entwickelt haben. Wenn sich nun auch noch die Pausenmusik der Location diverser gestalten ließe, könne man zu einem mehr als rundem „Klasse, bitte sehr bald mehr davon“, kommen!

Bildergaleire: Akne Kid Joe