Anti-Flag – American Reckoning

„For the first time in my life I’m truly free“, startet Chris #2 das Anti-Flag Akustikalbum „American Reckoning“ und meint dies viel zynischer, als man beim ersten Hören vermuten würde. Auf der neuen Platte vereinen sich zehn Songs der Vorgängeralben „American Fall“ und „American Spring“ mit drei gecoverten Songs, die die musikalische Geschichte der Band prägten. Immer getreu dem Motto: „Vereint in drei Akkorden gegen das Establishment!“

„American Reckoning“ lässt sich als eine musikalische Sammlung bezeichnen, die den Finger scharf in die Wunde der aktuellen Zeit legt und ganz getreu dem Titel, mit einer der gefährlichsten politischen Zeit abrechnet“

Anti-Flag legen auf „American Reckoning“ die Seelen ihrer Hits frei

Die Politpunks aus Pittsburgh minimieren die sonst ordentlich verstärkten Hits auf das Wesentliche und legen die Seele jedes einzelnen Tracks frei. Somit kann man „American Reckoning“ wohl als eine musikalische Sammlung bezeichnen, die den Finger scharf in die Wunde der aktuellen Zeit legt und ganz getreu dem Titel mit einer der gefährlichsten politischen Zeit abrechnet, während sie all die überflüssigen Feindseligkeiten beim Gegenüber lässt.

Auch wenn der Vierer musikalisch nicht immer auf dem Punkt der Perfektion ist, gehören sie zu den authentischsten und engagiertesten Bands der politischen Punkszene. Klassische Merkmale Anti-Flags sind die klaren links positionierten politischen Aktivitäten und Haltungen, eine seit Jahren anhaltende Fokussierung im Kampf gegen Krieg und unterdrückende Klassensysteme und die ausdauernde Arbeit im Bereich der gesellschaftliche Aufklärung.

Klassiker wie „For What It’s Worth“ und „Surrender“ werden kraftvoll neu interpretiert

Seit über zwei Dekaden bereichern die Musiker die Szene mit ihren klaren Texten und eingängigen Sounds: Während sich die Welt wohl langsam zu einem prä-apokalyptischen Fiasko verwandelt, in dem auf mindestens vier Kontinenten völlig irre Despoten ihr Unwesen treiben, von der „linksversifften“ Jugend gesprochen wird, Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken, Menschen die den humanistischen Ansatz leben kriminalisiert werden und Faschisten völlig ungeniert durch dieses Land ziehen, machen Anti-Flag das einzig Sinnvolle und erwärmen die Herzen der Fans mit den Akustikversionen der Hits „The Debate Is Over (If You Want It)“, „Trouble Follows Me“, „American Attraction“, „When The Wall Falls“, „Racists“, „Set Yourself On Fire“ und „Brandenburg Gate“. Die Cover der Klassiker „Gimme Some Truth“ von John Lennon, „For What It’s Worth“ von Buffalo Springfield und „Surrender“ von Cheap Trick werden modern und kraftvoll neu interpretiert und könnten die perfekten Hymnen für die eine oder andere anstehende Demonstration werden.

Schmeißt „American Reckoning“ auf den Plattenteller und lasst Euch gerade ziehen

Auch wenn die Pittsburgher mehr und mehr das Kantige und Rotzige ablegen, überzeugen sie seit 1993 mit ihren Melodien, die sich so ausdauernd festsetzen, dass sie in Kombination mit dem klassischen Einsatz von fetten Chören und Ohoho´s Massen verbinden können. Offensichtlich ist das auch mehr als notwendig, wenn man sich überlegt, dass diese Band seit 25 Jahren unermüdlich mitten im Protest steht. Solltet Ihr mal an den Punkt kommen, an dem es scheint, als wäre der Moment der Kapitulation und der Aufgabe der Hoffnung gekommen, schmeißt Euch „American Reckoning“ auf den Plattenteller, lasst Euch gerade ziehen und spürt, wie viel Kraft diese Album zwischen Protest, Melodie und klaren Worten gibt.

Video: Anti-Flag – For What It´s Worth

Hier erhältlich

American Reckoning Anti FlagAnti-Flag – American Reckoning
Release: 28. September 2018
Label: Spinefarm Records

Bei Maria reichen sich Punk und Politik nicht einfach nur die Hand, sie liegen sich quasi eng umschlungen im Arm und trinken Schnäpschen auf die alten Zeiten. Wenn sie nicht gerade davon träumt durch die Welt zu reisen oder ihrem Ärger auf Demos Luft macht, testet sie die neuesten Eiskreationen der Stadt, träumt vom Ruhrpott Rodeo oder sortiert ihre Platten zwischen der Terrorgruppe, Wizo, Propagandhi und No Use For A Name.

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