Casper und Fatoni in Hannover

    Casper
    Foto: Isabelle Kaltner

    „Wer will einen Lauch?“

    Pünktlich um 19.00 Uhr startet – der sich selbst als bester deutscher Rapper bezeichnende – Fatoni in den Abend. Auf der Bühne befinden sich unübliche Requisiten: Eine Lampe, die sicherlich der eine oder andere aus Omas Wohnzimmer kennt, ein Gemälde im goldenen Rahmen, ein Garderobenstände und ein großer Plüschhai.

    Kurz wird es dunkel und Fatoni betritt die Bühne. Das Einzige was man zu diesem Zeitpunkt sehen kann ist seine leuchtende Brille. Nach dem ersten Song stellt er drei Fragen: Die erste lautet „Habt Ihr Bock?“ und das Publikum schreit. Er steigert daraufhin mit: „Habt Ihr Bock auf Casper?“, woraufhin das Publikum noch lauter schreit. Die dritte und vermutlich „wichtigste“ Frage des Abends lautet allerdings: „Wer will einen Lauch?“ und wird ebenfalls mit ordentlich Gegröle beantwortet. Fatoni wirft kurzerhand den benannten Bund Lauch ins Publikum und weiter geht die Show.

    Beim Lied „Gravitationswellen“ rastet das Publikum vollkommen aus. Selbst im hinteren Bereich der Swiss Life Hall schmeißen noch alle aktiv die Arme in die Luft und front of stage entsteht ein Moshpit. Vor dem letzten Song seines Sets fordert er das Publikum schließlich noch auf mehr zu applaudieren und ein Licht hochzuhalten. Diejenigen, die „cool genug“ sind, um zu rauchen, sollen das Feuerzeug nehmen und die anderen das Handy. „Alle Coolen halten das Licht bis zum Ende hoch“, wirft er noch schnell ein, damit auch wirklich während des ganzen Songs der Saal davon erleuchtet ist. Nach seinem letzten Song wünscht er ganz viel Spaß mit Casper und verlässt die Bühne. Das Licht im Raum geht vorerst wieder an.

    „Gerade einmal drei Songs gespielt und hier ist schon mehr los, als auf der ganzen Tour“

    Gegen 20.00 Uhr verhüllt sich die Bühne in Nebelschwaden. Das teilweise sehr junge Publikum kreischt und jubelt. Man merkt deutlich, dass die Spannung steigt. Das Licht geht aus, der weiße Vorhang mit Stacheldrahtmuster fällt und Casper taucht gemeinsam mit seiner Band dahinter auf. „Hannover, habt Ihr Bock heute Abend?“, ruft Casper ins Publikum. Sichtlich vom Hannoveraner Publikum angetan, lobt er nach den ersten drei Liedern: „Gerade einmal drei Songs gespielt und hier ist schon mehr los, als auf der ganzen Tour“. Chapeau!

    Währenddessen fällt ihm auf, dass auch ein Mann bei jemandem auf den Schultern sitzt. Mit den Worten „Da ist ein wunderschöner Mann auf den Schultern. Es muss auch mal ein Mann einen anderen Mann auf die Schultern nehmen können!“, plädiert er gegen Sexismus und Homophobie. Als „Sirenen“ angestimmt wird, sieht man im Hintergrund auf der LED-Wand rote Gewitterwolken, die alles etwas apokalyptisch wirken lassen. Generell wirken die bewegten Bilder, die größtenteils aus Naturaufnahmen bestehen, häufig sehr dramatisch. Casper, mit bürgerlichem Namen Benjamin, feuert sein Publikum an: „Hannover, habt Ihr Bock Abriss zu machen? Ich will jeden springen sehen!“

    Casper auf „Lang Lebe Der Tod“-Tour in Hannover

    Es macht den Eindruck, als habe der Musiker unglaublich viel Spaß an seiner Arbeit auf der Bühne. Stetig wechselt er von einem Ende der Bühne zum anderen. Das Publikum reagiert ausgelassen und euphorisch und zerstört damit Caspers Bedenken, dass dieses Mal die Stimmung in Hannover abreißen könne, da er schon des Öfteren im MusikZentrum und anderen Clubs spielte. Kurz Zeit später verlässt Casper die Bühne und bahnt sich seinen Weg in das Innere des Publikumsraums. Dort angekommen klatscht er einige Fans ab. Wo eben noch genug Platz war sich frei zu bewegen, wird es nun sehr eng. Alle wollen so nah wie möglich zu dem Musiker kommen.

    Wieder auf der Hauptbühne angekommen erzählt er, dass es ein sehr schöner Abend für die letzte Show der Tour sei und dass er es sich nicht besser hätte vorstellen können. Gegen 21.40 Uhr ist das Set vorbei, doch das Publikum fordert eine Zugabe und singt, um Casper zurück zu holen. Dieser betritt nach kurzer Zeit erneut die Bühne, um noch ein paar Lieder zu spielen.

    Vorerst hebt er jedoch einen Blumenstrauß hoch und fragt „Wer war das mit den Rosen?“ Er führt fort, dass ihm diese Idee sehr gut gefällt. Bei den letzten Liedern solle das Publikum noch einmal sein Bestes geben und sich verausgaben: „Könnt Ihr das Ding heute noch einmal auseinander nehmen? Springen, Durchdrehen!“ Mit „Flackern, flimmern“ endet der Abend zwischen Stadion und Ihme. Bevor er die Bühne endgültig verlässt dankt Casper noch einmal allen, die solch eine Tour möglich machen.

    Casper

    Fatoni