Children Of Bodom – Hexed

Über 25 Jahre gibt es die Kinder vom Bodom See nun. Nach neun Studioalben, Touren rund um den Globus und einigen Höhen und Tiefen schreiben wir nun das Jahr 2019. Mit “Hexed” steht das zehnte Album von den 1993 unter dem Namen Inearthed gegründeten Children Of Bodom in den Startlöchern.

„Neue Frische im alten Grundgerüst“

Frischer Wind durch Besetzungswechsel

Etwas über drei Jahre hat man sich Zeit für die neue Platte genommen. Nach dem endgültigen Ausstieg von Gitarrist Roope Latvala im Jahr 2015 und festen Einstieg von Daniel Freyberg ein Jahr später kommt mit dem Besetzungswechsel an der Gitarre auch frischer Wind in die finnische Truppe. Es ist insgesamt erst der zweite Besetzungswechsel in der Laufbahn von Children Of Bodom.

Bandkopf Alexi Laiho sagt dazu, dass man, wenn man sich seit Kindertagen kennt und zusammen Musik macht, oft dabei endet, wie es in einer Ehe der Fall ist: Es schleicht sich mit der Routine ein wenig Eintönigkeit und Alltag ein. Durch den Wechsel an der Saitenfront wurden diese “eingespielten und routinierten” Abläufe nun etwas aufgebrochen. Auch dadurch, dass der Ex-Norther und Ex-Naildown Gitarrist laut Laiho ein “so hart arbeitender Musiker” ist, hat er viel zu dem beigetragen, was Hexed nun ausmacht: Neue Frische im alten Grundgerüst.

Children Of Bodom erfinden sich auf “Hexed” nicht neu

Auf „Hexed“ erfinden sich Children Of Bodom nicht neu, so viel steht direkt nach dem ersten Durchlauf fest. Das, was die finnischen Melodic Death Metaller ausmacht – dominantes Keyboard, Gitarrensoli, “Verfolgungsjagden” mit Keys und Gitarre, Alexis rotziger Gesang – ist auch auf „Hexed“ zu finden. Dennoch sind die Songstrukturen wieder interessanter und abwechslungsreicher geworden. Wer mit Grauen an den viel bezeichneten Tiefpunkt der Band – nämlich das 2008er „Blooddrunk“ – zurückdenkt, kann hier sehr viele Verbesserungen feststellen.

Mit “This Road” geht es gleich in vollem Tempo los. Mastermind Laiho verarbeitet im Text die Tücken des Tourlebens. Hoch melodisch mit eingängigen Refrain ist von vornherein klar, wessen Album man hier vor sich hat. Nimmt man sich den Text mal genauer vor, kann man erahnen, dass so ein Leben auf Tour nicht immer so glanzvoll ist, wie es für viele Außenstehende aussehen mag. Die musikalische “Untermalung” ist dazu äußerst treffend gewählt. Die erste Single Auskopplung “Under Grass And Clover” schließt direkt melodisch an, wirkt allerdings durch Elemente aus 70er und 80er Jahre Rock/Pop sehr viel grooviger – und bleibt damit im Ohr hängen.

Unverwechselbar sind und bleiben die Gitarrensoli

Allgemein werden auf dem Album deutlich mehr Einflüsse aus der nicht-Death-Metal-Richtung sichtbar. Sogar ein sehr Symphonic Metal-lastiger Einstieg ist bei “Glass Houses” zu finden, auch wenn es sehr schnell zu einem eher Thrash-lastigen Stück wird. Auch das Keyboard, welches auf den letzten drei Platten eher etwas zurückhaltender eingesetzt wurde, ist wieder deutlich dominanter. Unverwechselbar sind und bleiben die Gitarrensoli – wer kann der kann halt. So ein Talent sollte man definitiv nicht verstecken (ok, nicht, dass Children Of Bodom das jemals getan hätten) und eben der rotzig-raue Gesang von Alexi der – wie immer – den perfekten Kontrast zum Kanten losen Gitarrenspiel bietet.

Mit “Knuckleduster” hat ein Song von der 2004er EP „Thrashed, Lost And Strungout“ nach 15 Jahren auf ein Album geschafft. Allerdings stark verändert mit gedrosseltem Tempo und neuen Lyrics. Als Fan der “alten Children Of Bodom” könnte es aber schwierig werden, damit warm zu werden.

Geht schnell ins Ohr – aber leider auch wieder raus

Auffallend ist: Wie ein roter Faden zieht sich eine Leichtigkeit durch das gesamte Werk. Keines der Stücke, selbst das etwas schwerfällige “Hecate’s Nightmare” (Absoluter Anspieltipp – auch die Story hinter den Lyrics will entdeckt werden), brauchen wirklich lange, um zu zünden und im Ohr hängen zu bleiben. Leider verweilen die meisten dort nicht lange, es fühlt sich ein ein bisschen an wie “Ganz nett, aber wo ist jetzt das Besondere?”

Viel Potential zum Headbangen ist definitiv vorhanden, aber nachdem man brav die Nackenmuskeln beansprucht und die Refrains mitgegrölt hat, bleibt leider bei zu vielen Songs der Gedanke “Wie war der Song nun nochmal?”. Es fehlt das “Ins Gehirn brenn”-Potential. Das, was einen tagelang Songs vor sich hin pfeifen lässt. Der Wurm im Ohr.

Technisch sowie musikalisch ist die Platte ohne Zweifel auf ganz hohem Niveau

Das, was frühe Children Of Bodom-Songs so einzigartig und Ohrwurm-lastig macht, wie der Refrain des hymnenartigen “Hate Crew Deathroll” vom gleichnamigen 2003er Album, fehlen irgendwie. Technisch sowie musikalisch ist die Platte ohne Zweifel auf ganz hohem Niveau, auch schlägt das Album die schwachen Vorgänger “Relentless Reckless Forever” und “I Worship Chaos”, aber es reicht nicht an die Meisterwerke “Hate Crew Deathroll” und “Hatebreeder” ran. Auch wenn man sich noch so sehr auf Veränderungen und Weiterentwicklungen einlassen möchte.

Es wird mit den Bodom-Kindern. Nach dem Absturz arbeitet sie sich nach und nach wieder nach oben. “Hexed” zeigt, dass sie auf einem guten Weg sind. Es ist ein durchweg gutes Album, was gut funktioniert und nicht langweilig wird. Allerdings ohne Dauerohrwürmer. Vielleicht muss man als Fan der ersten Stunden auch einfach langsam einsehen, dass die Kinder nach 25 Jahren erwachsen geworden sind.

Video: Children Of Bodom – Platitudes And Barren Words

Hier erhältlich
Children Of Bodom - Hexed (Albumcover)Children Of Bodom – Hexed
Release: 08.03.2019
Label: Nuclear Blast Records
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