Counterparts, Napoleon und Polar in Hannover

    Counterparts
    Foto: Hanna Hindemith

    Bereits bei der Melodic Hardcore Band Napoleon finden sich einige Besucher vor der Bühne zusammen. Die Show von Counterparts, Polaris und Napoleon im Lux Club war bereits weit im Vorfeld ausverkauft – dementsprechend kuschelig ist es also, auch wenn einige der Besucher noch für ein Kaltgetränk an der Bar stehen oder vor dem Lux Club frische Luft schnappen. „Come on, don’t be shy!“, fordert Frontmann Wes Thompson dazu auf, ein Stückchen näher an die Bühne heranzutreten. Mit Erfolg: Schon zu Beginn startet der erste Pogo. Doch das ist ihm noch nicht genug: „I need a Circle Pit, let’s go!“, ruft er. Die Herren in der vorderen Reihe zeigen sich textsicher und so hält Thompson ihnen das Mikrofon immer wieder vor das Gesicht. „Fuck yeah, dankeschön!“, bedankt er sich für den Zuspruch.

    „You guys are fucking awesome!“

    Als Polar die Bühne betreten, heißt es sowohl im Publikum als auch auf der Bühne volle Kraft voraus. Circle Pits starten, Fäuste schnellen in die Luft und Polar bringen eine Energie auf die Bühne, von der man sich nur anstecken lassen kann. „You guys are fucking awesome!“, stellt Fronter Adam Woodford bereits zu Beginn ihres Sets fest.

    Wie bereits erwähnt – für Fans der härteren Gangart präsentiert sich heute Abend ein Dreierpackage der Extraklasse. Auch ihren brandneuen Song „Breathe“ geben Polar zum besten. Woodford hält das Mikrofon ebenfalls immer wieder in die Menge, denn hier werden die Lyrics der Briten nur zu gerne mitgerölt. Eines ist klar: Viele Besucher sind heute auch für Polar nach Hannover gekommen. „Thank you very much for supporting our band!“, richtet sich Woodford an das Publikum. „You guys are awesome!“

    „If you know the words get up on stage and sing them!“

    Dass der heutige Headliner Counterparts hier noch einen draufsetzen kann, scheint nahezu unmöglich. Wer die Kanadier aber kennt, der weiß, dass genau dies ihnen ein leichtes ist. Bereits als das Intro des aktuellen Albums „You’re Not You Anymore“ (Review) erklingt, hört man das Publikum nahezu mit den Hufen scharren, um zu „Bouquet“ vollends zu explodieren. „I find it hard to feel alive, while my heart beats in borrowed time“, brüllt  Sänger Brendan Murphy herzzerreißend und druckvoll in sein Mikrofon und sein Publikum tut es ihm gleich.

    Kleine Clubs seien eher ihr Ding, erklärt Murphy zwischen den Songs. Schließlich sei man da näher am Publikum. Und dies wird auch ausgiebig von jenem genutzt – auf Anfrage von Murphy. „If you know the words get up on stage and sing them“, fordert er auf und immer wieder finden sich Besucher auf der Bühne ein, die die Lyrics aus vollem Halse in das Mikrofon schmettern, das Murphy ihnen in die Hand drückt. Zu Songs wie „Burn“, „No Servant Of Mine“ und „Swim Beneath My Skin“ stapeln sich die Besucher vor der Bühne, heben sich gegenseitig empor, über die Köpfe hinweg, starten Mosh Pits und verwandeln den Lux Club in einen Hexenkessel. „You guys are fucking nuts!“, bemerkt Murphy. Stage Dives werden mit einem „Fuck Yeah!“ quittiert.

    Genau diese Abende spiegeln die Verbundenheit der Szene in Perfektion wider

    Mit „We are Counterparts, have a good night!“ beendet die Band ihr reguläres Set. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass das Publikum noch nicht genug hat. Normalerweise würde die Band jetzt von der Bühne gehen, kurz den „One more song“-Rufen lauschen und schließlich für eine Zugabe zurück kommen, so Murphy. Aber bei so einem großartigen Publikum wollen sie sich dieses Prozedere heute Abend sparen und sofort weiter spielen. „Thank you from the bottom of our hearts!“. Mit „Compass“ setzen Counterparts noch einen oben drauf und die Zeilen „I watch the world give up on me“ schallen durch den Lux Club, sodass diese sicherlich noch nebenan im Capitol zu hören sind, in dem Kontra K ein Konzert spielt.

    Schon zu Beginn der Show zeichnete sich ab, dass dieser Abend eindeutig als eine der besten Hardcoreshows dieses Jahres in die Bücher eingehen wird. Die Energie im Lux ist nahezu greifbar, die Besucher folgen den Bands in eine Welt voller Melancholie, Wut und Weltschmerz. Es ist einer jener Abende, an denen man den Alltag vergisst, voll und ganz in eine ganz eigene kleine Welt flüchten kann und dabei in der Musik Gleichgesinnte findet. Ein Abend, wie man ihn nicht oft erleben darf. Aber heute stimmt einfach alles. Und genau diese Abende sind es, die die Musik und die Verbundenheit der Szene in Perfektion widerspiegeln und einmal mehr deutlich macht, warum man genau dies so sehr liebt.

     

    Counterparts

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