Donnerstagabend, kurz nach sieben. Vor dem Capitol bildet sich bereits eine Schlange, die sich bis um die Ecke zieht. FJØRT sind zurück – und Hannover hat offensichtlich darauf gewartet.
Um Punkt acht betritt jule mit ihrer Band die Bühne. Die Hamburgerin, die Ende 2025 ihr Debütalbum „es ist nie zu spät für frühstück“ abgeliefert hat, ist als Support eine gute Wahl. Wo FJØRT mit Wucht und Dringlichkeit arbeiten, setzt jule auf Songs, die zwischen intimen Klavierballaden und knalligen Gitarrenstücken pendeln. Was auf ihrer EP „Im Regio weinen“ noch allein mit Gitarre begann, hat mit der Band eine neue Tiefe bekommen. Und genau das macht jule live aus: Man hört jedes Wort und spürt, dass jedes davon so gemeint ist. Kein Schauspiel, kein überzogenes Pathos. Einfach eine junge Frau Mitte zwanzig, die ihre Ängste, ihre Wut und ihre Hoffnung auf die Bühne stellt – und die damit einen Raum voller Fremder zum Stillstehen bringt. Dass einige im Publikum bereits textsicher mitsummen, spricht Bände. Für eine Künstlerin, die erst seit rund zwei Jahren in der Szene unterwegs ist, hat sich jule eine bemerkenswerte Bühnenreife erarbeitet. Die halbe Stunde vergeht zu schnell.
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Um neun geht im Capitol das Licht aus. Im Intro weist die Band darauf hin, dass hier jeder Mensch willkommen ist – unabhängig von Herkunft und Sexualität. Ein Statement, das bei FJØRT keine hohle Floskel ist, sondern Teil ihrer DNA. Das Aachener Trio war schon immer offen politisch, offen antifaschistisch. Auf „belle époque“, dem im Februar erschienenen fünften Album, haben sie diese Haltung in ihr bisher kompromisslosestes Werk gegossen.
Beim ersten Song gibt die Gitarre den Geist auf. Das Publikum reagiert mit Applaus statt mit Ungeduld. Nach dem vierten Song dann erneut: Gitarre defekt, zweite Zwangspause. David lobt das Publikum: „Das muss ein guter Abend werden, wenn schon beim ersten Song die Gitarre kaputt geht.“ Denn abseits der technischen Zwischenfälle ist das, was FJØRT hier abliefern, schlicht überwältigend. Die drei spielen, als gäbe es kein Morgen. David wirft sich in jede Zeile, als würde er sie zum letzten Mal schreien. Die Körpersprache der Band erzählt an diesem Abend mindestens genauso viel, wie die Songs selbst. Hier steht niemand einfach rum und spielt sein Instrument. Hier wird jede Note physisch.
Die neuen Songs von „belle époque“ – ohnehin schon die düsterste und wortgewaltigste Platte der Band – gewinnen im Livekontext noch einmal an Dringlichkeit. Wenn die Zeilen von „’43“ durch den Raum hallen, wird es still im besten Sinne. Keine Handys, kein Gequatsche. Nur Musik und das Bewusstsein, dass diese Texte leider verdammt aktuell sind.









