Guano Apes, Tell A Vision & Machete Dance Club live in Hannover

Foto: Mirco Wenzel

Es ist Freitagabend und der nach einem Alternativprogramm zu der umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft in Katar Suchende wird schnell im Capitol Hannover fündig. Dort sollte an diesem Abend mit einem kontrastreichen musikalischen Abendprogramm der Flimmerkastenersatz einfach möglich und auch unvergesslich sein.

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Die Alternative zu Fernsehen

Folgerichtig eröffnet auch die Solokünstlerin Tell A Vision den abendlichen Konzertreigen. Mit ihrem acht Werke langen Auftritt, der sich zwischen Spoken Word Performance, Rap/Hip-Hop und Gesang im Post Punk Genre bewegt, stimmte die gebürtige Bielefelderin Fee Kürten im dezent knallroten Overall gekleidet das Publikum auf einen einmaligen Konzertabend ein. Noch verhalten, nahm das noch nicht vollständig gefüllte Capitol diese Künstlerin dennoch gut, wenn auch teilweise verwundert auf und der sie ständig auf der Bühne umrundende Videograf lässt erahnen, dass dieser Auftritt von Kürten in einem ihrer visuellen Kunstprojekte Eingang finden könnte.

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Kontrastprogramm

Während es beim ersten Supportact noch ruhig und gemächlich zugeht, änderte sich nun sowohl der Füllgrad des Capitols, als auch die musikalische Grundgeschwindigkeit deutlich. Das aus München stammende Quartett Machete Dance Club kennt Hannover gut, so wurde doch an der Leinestadt auch das Debut-Album produziert und im Februar nächsten Jahres sind die vier sympathischen Bayern um Sänger Chris Konrad mit einer eigenen Headliner Tour wieder vor Ort. Was es dann zu erwarten geben könnte, darf das Publikum in einem sieben Stück langen Ausblick erfahren. Kraftvoll startend, ausgestattet mit Tobias Jordan an den Drums, Leo Meuer an der Gitarre, David Herrmann am Bass und Konrad zeigt die Alternative Rock Combo vom ersten Stück an, wie alternativer Rock mit Nu und weiteren Metaleinflüssen geht und das Publikum sowohl zum Tanzen als auch Mitklatschen gebracht wird. Obwohl die ersten Refrain-Takte bei „Bad Mood“ noch verhalten durch das Hannoveraner Publikum mitgesungen wurden, lernt das Publikum den überaus fordernden Text schnell und konnte diesen lautstark und textsicher im weiteren Liedverlauf in Ergänzung zum Sänger darbieten. Pop- und Synthie-Elemente ergänzen insgesamt sehr gut. Während des vorletzten Songs begab sich Chris in das Publik auf eine noch innigere Tuchfühlung und fühlte den bereits erzielten Anheizgrad und steigert diesen mit dem Schlusslied noch einmal deutlich in Vorbereitung auf den Headliner des Abends.

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Nach 26 Jahren Capitol-Abstinenz sind die Affen wieder zurück

Mit einem kurzen Intro startend, erklimmt das Alternative Rock/Nu-Metall Quartett um Sängerin Sandra Nasi die Bühne und freute sich, nach 26 Jahren wieder in Hannover im Capitol spielen zu können. Die aus Göttingen stammenden Guano Apes mit Henning Rümenapp an der Gitarre, Stefan Ude am Bass und Dennis Poschwatta an den Drums hat letzte Woche noch in Amsterdam gespielt und bis auf den Fussbruch von Nasi’s Mann eine tolle Zeit. Daran anknüpfend bedankte sich Nasi bei den in Hannover Anwesenden, dass die Guano Apes nicht wie viele anderen Bands die Tour absagen mussten, sondern sogar vor einem ausverkauften Haus spielen dürfen. Die erstaunlich textsicheren Gäste geben dies ab dem ersten Song teilweise deutlich zu erkennen und auch der an die niedersächsischen Landsleute gerichtete zweite Track wurde sehr gut aufgenommen. Mit einem Cover von Eminem’s „Lose Yourself“ gab Sandra einen kurzen Rückblick in ihre Bremer HipHop Historie und „Open Your Eyes“ bewies, dass ein ausverkauftes Capitol mit einer hohen Menge an textsicheren Gästen eine durchaus beeindruckende Klangkulisse erzeugen kann. Sowohl passende Stücke für das Moshen im Pit – dem immerhin dreieinhalb Gäste folgen – als auch der Tanzsong für die Damen durfte nicht fehlen und mit „Kumba yo!“ endet das reguläre Set nach vierzehn -viel zu wenigen- Stücken. Dass diese Meinung durchweg durch das Publikum geteilt wird, zeigte der langanhaltende Applaus und die Forderung nach der üblichen drei Stücke Verlängerung, die dann auch das Alphaville Cover zu „Big In Japan“ beinhaltete. Als Abschlusshymne konnten bei „Lord Of The Boards“ gefühlt alle Anwesenden textsicher, vom ersten Beat an, die kollektive Gesangsstimme des Abends übernehmen.

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