Jonathan Davis – Black Labyrinth

Nach satten 25 Jahren als Frontmann der Nu Metal Vorreiter Korn, veröffentlicht Jonathan Davis dieses Jahr nun sein erstes Soloalbum. Die Debüt-Platte läuft unter dem Namen „Black Labyrinth“ und das zurecht, denn Jonathan führt den Hörer durch ein Labyrinth aus schwermütigen Lyrics, tantrisch anmutenden Klängen, satten Drums und herrlich dreckigen Gitarrenriffs. Die musikalischen Einflüsse von Korn sind dabei deutlich zu spüren. Es werden allerdings auch ganz neue Wege beschritten und „Black Labyrinth“ beweist, dass ein Solodebüt ein innovatives Glanzstück sein kann, ohne sich dabei von den alten Wurzeln loslösen zu müssen.

Wer eines der Korn-Konzerte im letzten Jahr erleben durfte, der weiß, dass dem Sänger auch mit mittlerweile 47 Jahren noch eine unglaubliche Energie innewohnt. Diese entlädt sich mit einer kraftvollen Macht auf dem Album und dafür bietet der bereits im Vorfeld veröffentlichte Track „What It Is“ einen ausgezeichneten Vorgeschmack. Der schon auf mehreren Radiosendern gespielte Song stellt den Schlusspunkt des Albums dar und beginnt mit einem ruhigen Pianointro, das sich dann in rauen, hämmernden Gitarrenriffs und eingängigen Refrains mit Ohrwurmcharakter entlädt.

„I wanted to open minds with this shit“

Auch der Opener „Underneath My Skin“ leitet den Zuhörer nicht allzu seicht ins Album hinein und überzeugt sofort durch seine Geschwindigkeit und die schon für Korn typische Wall of Sound. Dem gegenüber steht der zweite Track „Final Days“, der von überwiegend meditativ-orientalischen Klängen geprägt ist, die sich auch in „Basic Needs“ und „Gender“ wiederfinden lassen und zu erkennen geben, dass Jonathan mit dem Album eine spirituelle Reise zu kreieren gedachte. Über sein Vorhaben mit dem Solodebüt sagt er aus: „I’m taking them out of that dark place and into somewhere that’s spiritual, positive, and makes them really think! It’s just art. I’ve changed lives with Korn, but I wanted to open minds with this shit.”

Doch nicht nur in diesen auffälligen Wechseln schlägt sich Jonathans Experimentierfreudigkeit nieder, sondern auch in einigen Songsequenzen, die deutlich vom New Wave Genre geprägt wurden. Besonders offensichtlich ist dieser Einfluss bei dem ruhigen Song „Medicate“, der sicher auf jeder Gruftiparty die Tanzfläche zu füllen vermag. Ebenso gruftig mutet das Intro von „What You Believe“ an, bei dem es schon fast enttäuschend ist, dass nach den hämmernden Gitarren kein Gesang von Marilyn Manson folgt.

Musikalische Perle der Eigentümlichkeit

Wer Korn kennt, kennt auch Jonathans Hang dazu, sein Herz auf der Zunge zu tragen und so werden auch auf den ingesamt 13 Songs die Probleme eines Individuums im modernen Gesellschaftssystem und mit sich selbst thematisiert und kritisiert, ohne dabei in einen sich selbst bemitleidenden Zynismus abzurutschen. Dadurch bieten die Lyrics dem Zuhörer ein hohes Identifikationspotential mit nostalgischer Erinnerung an das „Untouchables“-Album von 2002. Dem besonders dienlich ist die dynamische Stimme Jonathans, die sich von Klagegesängen, wie bei „Your God“ bis hin zum typischen Korn-Gewimmer beim „Happiness“-Outro in bereits bekannter Manier austobt.

Summa summarum ist die Platte als gleichzeitig leicht verdaulich und doch speziell zu bezeichnen und wird daher mit Sicherheit hohen Anklang bei der breiten Masse, als auch bei eingefleischten Korn-Fans finden. So ist es auch kein Wunder, dass Sumerian Records das Label der Wahl ist, die schon andere musikalische Perlen der Eigentümlichkeit wie Body Count hervorgebracht haben. Man merkt der Soloplatte allerdings auch an, dass sie kein kurzer Egotrip ist, sondern schon seit 2007 sorgfältig vorbereitet wurde. Geeignet für die Tanzfläche und jede Party, und auch des mehrfachen Durchhörens wert, sollte „Black Labyrinth“ keineswegs in der CD-Sammlung fehlen.

Video: Jonathan Davis – Basic Needs

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Jonathan Davis Black Labyrinth AlbumcoverJonathan Davis – Black Labyrinth
Release
: 25.05.2018
Label: Sumerian Records