Lion´s Law, The Chisel und Ultra Sect in Hannover, Mephisto

Lion´s Law
Foto: Robert Höwelkröger

Punkkonzerte funktionieren derzeit massiv in Hannover und könnten daher durchaus wieder mehr werden. Auch am Dienstag, den 24.02., passend zum allersten Gastspiel von Lion´s Law in Hannover, meldete der Veranstalter „Ausverkauft“ für das Mephisto auf dem Faustgelände. Knapp 300 Zuschauer sind also an diesem Abend dabei, um sich die Franzosen, The Chisel und Ultra Sect anzuschauen. Bereut hat es sicher keiner.

Wilde Party für Hannover im Gepäck

Kurz nach 20 Uhr starten Ultra Sect mit ihrem Set. Das Mephisto ist schon gut gefüllt und das Quartett aus LA kommt gut an, auch wenn der letzte Funke gerade vor der Bühne noch nicht überspringen will. Die vier Amis spielen amerikanisch geprägten Streetpunk und erinnern so an Bands wie Harrington Saints. Druckvoll, aber auch mit vielen Melodien unterlegt, gewinnen die Amis definitiv neue Freunde an diesem Abend. Bassist Ian begrüßt die Anwesenden zu Beginn mit den Worten „Hallo, wir haben eine Party für euch, mit allen anderen Bands zusammen.“ Gerade veröffentlichten Ultra Sect ihr neues Album „Lead Us To Glory“, auf dem die Band ihre zwei älteren EPs noch einmal zusammengefasst hat. Kern der Setlist sind dann auch Songs dieses Albums, bzw. der EPs, gemischt mit Liedern vom aktuellen Studioalbum „Rose Of Victory“. Dazu gehören u.a. „Evil“, „Built To Last“, „Like A Storm“ oder die Hymne „Turn Up The Oi“, die nach etwas mehr als 30 ereignisreichen Minuten den Schlusspunkt an diesem Abend darstellt. Guter Auftakt, der Lust auf mehr macht.

Londoner Verständnisprobleme bei Hardcore-Oi-Punk

Musikalisch fallen The Chisel dann vielleicht ein wenig aus dem Rahmen. Die Mischung aus hartem und schnellen Oi-/Streetpunk und Hardcore ist auch nicht jedermanns Sache. Dennoch begeistern die Briten mit ihrer Show, auch wenn sie sich wahrscheinlich noch etwas mehr Action vor der Bühne erhofft hatten. Die Londoner machen Spaß, definitiv und spielen Songs von beiden bisherigen Studioalben „What A Fucking Nightmare“ und „Retaliation“. Sänger Cal freut sich in Hannover zu sein und geht davon aus, dass alle trotz eines Dienstags am nächsten Tag eh nicht arbeiten müssen. Ein frommer Wunsch. Die Setlist ist hochwertig und so werden u.a. „Fuck Em“, „Bloodsucker“, „Come See Me“, „Nice To Meet You“, „So I Do“, „No Gimmicks“ oder „Evil By Evil“ zum Besten gegeben. Cal hatte später noch einmal die Lacher auf seiner Seite, als er fragt, ob sich alle schon auf Lion`s Law freuen würden. Da die Reaktion spärlich ausfiel, konterte er: „Okay, dann spreche ich langsamer, habt Ihr Bock?“. Diesmal passte es. Den Schlusspunkt auf einen starken und kurzweiligen Auftritt setzen dann „Cry Your Eyes Out“, „Retaliation“ und „Chisel Boys“. Starke Band, sehr gute Performance, The Chisel dürfen definitiv wiederkommen.

Paris Finest

Nach kurzem Umbau ist es dann so weit und gegen 21:55 Uhr starten Lion´s Law mit „Overture“, Crucified“ und „Our Generation“ und dem ersten richtigen Hit „Lafayette“ endlich ihr Set. Dabei wird gekniet und gesprungen und auch der Pogo vor der Bühne lässt nicht lange auf sich warten. Die Stimmung ist Top und es wird lautstark mitgegröhlt. Die Franzosen sind auf „Brother“-Tour und haben ihr grandioses Album „Evermore“ im Gepäck, das sich auch verstärkt auf der Setlist wiederfindet. Pausen gibt es wenige, die Band pflügt sich durch die Songs, mit viel Spielfreude und jeder Menge Hits und vielen Melodien. Das Quintett hat sichtlich Bock und wirkt von der Stimmung und dem vollen Haus in Hannover, wo man ja zum ersten Mal zu Gast ist, sehr angetan.

Punk ohne Baguette

Wattie fordert später noch mehr zum Bewegen auf und dazu geht es weiter mit der neuen Hymne „Brother“, „Escape“, „Lonely Road“ und „I Don´t Give A Damn“. Mit „Paris“ gibt es als nächstes eine Hommage an die Heimatstadt von Lions Law. Im Set dürfen auch „The Code“, „I Ran“ und „Knock Èm Out“ sowie „Antisocial“ nicht fehlen. Viele der Songs haben auch einen sozialkritischen Hintergrund, wie vor allem „World Is On Fire“ unter Beweis stellt, den Wattie den Freunden in Mexiko widmet, wo bekanntlich der Drogenkrieg gerade eine neue Dimension angenommen hat. Das war es dann aber auch mit den ernsten Tönen. Viel mehr wird die weitere Party an diesem Abend vorangetrieben. Mit „Zonard“ und einem Gastsänger sowie „For My Clan“ geht es dann ins große Finale. Hier übernimmt Sänger Wattie auch den deutschen Part des Textes und entschuldigt sich final noch für sein schlechtes Deutsch und dass er eigentlich nur ein „Großes Baguette“ bestellen kann. Dann ist nach knapp einer Stunde Schluss. Leider, denn die Show hatte alles, was wir an Punkkonzerten lieben. Stimmung, tolle Songs, eine spielfreudige Band und tolle Leute im Publikum. Das hat wirklich Spaß gemacht. Lion´s Law dürfen, ja müssen bald wiederkommen.