Listener in Hannover

Listener Bei Chez Heinz Maria Graul 2018
Foto: Maria Graul

Die Wortvirtuosen von Listener liefern bei ihrem Hannover-Debut im Bei Chéz Heinz vor überschaubarer Kulisse eine starke Show ab. Wenn es um Konzerte geht, schreiben Listener den Do-It-Yourself-Gedanken groß. Bereits während des Einlass steht die Band am Merch und begrüßt die ersten Gäste im Chéz Heinz mit „Hey man, how is it going?“ persönlich.
 

„Thanks guys you’re really good at clapping“

 

Barfuß und mit Neonröhren

Gegen halb neun geht die Show los. Bassist Dan Smith betritt mit seinen drei Kollegen die Bühne. Barfuß macht er sich bereit für den ersten Song und knipst per Fuß-Lichtschalter die Bühnenbeleuchtung für den heutigen Abend an. Weiße Neonröhren sind neben den Verstärkern platziert und sorgen für außergewöhnliches und stimmungsvolles Ambiente. Dan ist am heutigen Abend die einzige Person mit Mikrofon und er hat eine Menge zu sagen.

Die Musik von Listener ist alles andere als „Easy Listening“. Irgendwo zwischen Spoken Word mit Rap-Einflüssen, Poetry und Post-Punk ist das Quartett aus Arkansas inzwischen angekommen. Es ist keine 0815-Kost aus Strophe und Refrain, die heute im Heinz geboten wird und obwohl oder vielleicht gerade, weil sich nur um die 50 Zuschauer an diesem Herbstabend aus dem Wohnzimmer getraut haben, ist die Stimmung angenehm.

Es sollte mehr solche Konzerte geben

Erst nach vier Songs stellt Dan Smith Listener höflich vor. So gehört sich das, denn es ist die erste Show in Hannover für die US-Band. Allzu viele Worte werden zwischen den Songs jedoch nicht verschwendet, schließlich hat Smith in seinen Songtexten genug zu sagen. Ursprünglich stand er bei Listener alleine auf der Bühne, inzwischen wird er von Jon, Kris und Tim begleitet (bei der vertraulichen Kulisse sind Publikum und Band direkt beim Du angekommen).

Nicht nur numerisch haben sich Listener entwickelt. Die Songs der aktuellen Platte „Being Empty – Being Filled“ sind komplexer. Musik und Text ergänzen sich stärker, als auf den Vorgängeralben. Das könnte der Grund sein, weshalb die neueste Veröffentlichung den Großteil der Setlist ausmacht. Stücke wie „Pent Up Genes“ und „Little Folded Fingers“ funktionieren live. Es ist nicht nur beeindruckend wie Smith in bester Theatermanier, voller Herzblut, seine Texte vorträgt, sondern auch was für versierte Musiker bei Listener an den Instrumenten sind. Die wohl bekanntesten Songs „Wooden Heart“ und „You Were A House On Fire“ finden im Set ebenfalls Platz und bei letzterem greift Smith auch noch zur Trompete. Der Mann hat offensichtlich einen langen Atem. Aber auch die Talente des Publikums bleiben nicht unentdeckt. Am Ende der Show zollt Dan Smith Respekt: „Thanks guys you’re really good at clapping“

„Take Chances!“

Die geforderte Zugabe entfällt, da Listener nur das Gezeigte in Petto haben. Bei den komplexen Lyrics verständlich. Dafür geht es am Merch weiter. Listener stehen Spalier und bedanken sich bei jedem der vorbeischaut. Es werden Hände geschüttelt, Platten signiert und wer keine Angst vor durchgeschwitzten Shirts hat, bekommt von Dan Smith eine herzliche Umarmung. Es sollte mehr solche Konzerte geben und es sollte mehr Menschen geben, die Listener live Gehör schenken. Take Chances!

Listener

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