Loathe – I Let It In And It Took Everything

Die britische Metal-Band Loathe gibt es erst seit 2014, aber dafür schlugen diese mit Ihrem Debüt-Album „The Cold Sun“ im Jahr 2017 direkt ein wie eine Bombe, was den Jungs unter anderem Nominierungen für den Metal Hammer Golden Gods Award oder den Heavy Music Arwards als beste neue Band oder Auftritte auf den allseits beliebten Slam Dunk-Festival oder Download-Festival einbrachte. Solche Erfolge spornen anscheinend an und so gibt es schon zweieinhalb Jahre nach „The Cold Sun“ den vielerwarteten Nachfolger mit dem verheißungsvollen Namen „I Let It In And It Took Everything“. Gitarrist und Clean-Sänger Eric Bickerstaffe erklärte in einem Interview kurz und bündig, wie es zu dem Titel des neuen Albums kam: „The idea of what we are doing and the recording of the album is „it“. We let in the idea of being in this band, and it took everything from us. Without trying to make it sound like a sob story, we needed to build ourselves up again in order to make this record.“

„Loathe ist mit „I Let It In And It Took Everything“ der ganz große Wurf gelungen“

Kontrolliertes Chaos

Das Album fängt sehr ruhig und auch ein wenig verträumt mit dem Synthi-Instrumental-Song „Theme“ an, der irgendwie an den Film „Blade Runner“ erinnert. Tatsächlich nennt das Quintett auch die Filmmusik als Einfluss für Ihre Musik, was die Neugierde auf die weiteren Stücke des Albums macht. Wer jetzt aber denkt, es bleibt so gemächlich, der ist gehörig auf dem Holzweg, denn mit dem ersten richtigen Song „Agressive Evolution“ geht’s richtig in die Vollen. Man kann gar nicht anders, als den Kopf im Takt des treibenden Songs mitzubewegen. Junge, Junge, das ist mal ein richtiges Groove-Monster, was uns die Jungs aus Liverpool hier entgegenschleudern.

Die Shouts von Frontmann Kadeem France gehen durch Mark und Bein und katapultieren den Song noch einmal auf ganz anderes Level der Aggressivität. Gepaart mit den exzellenten Gitarren- und Bass-Linien und den unglaublich präzisen und groovigen Beats von Drummer Sean Radcliffe wird der Song direkt zu Beginn zu einem ordentlichen Headbanger, der lediglich im schön getragenen Refrain ein wenig Zeit zum Verschnaufen und Genießen lässt. Ein Wahnsinns-Einstieg ins neue Werk von Loathe.

Experimentierfreude in ihrer schönsten Form

Was Härte angeht, war das aber noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Direkt mit dem nächsten Track „Broken Vision Rhythm“ legen die Jungs noch einmal gehörig einen drauf, vor allem in Bereich kontrolliertes Chaos. Der Track lässt keine Zeit für Pausen und prescht ungebremst in die Gehörgänge und man muss ihn tatsächlich mehrfach hören, um zu begreifen, was da überhaupt vor sich geht. Genau in die gleiche Kerbe schlagen auch später die absoluten Bretter „Gores“ und das völlig abgedrehte „Heavy Is The Head That Falls With The Weight Of A Thousand Thoughts“. Loathe schauen dabei weit über den Tellerrand des ihnen seinerzeit aufgedrückten Stempel des Metalcores und experimentieren gekonnt mit Elementen des Deathcores, Nu-Metals, Mathcores und sogar Progressive Metal.

„Wenn einem fünf Minuten Spielzeit nicht wie fünf Minuten vorkommt und man sich sogar noch wundert, warum der Song schon zu Ende ist, dann hat die Band aber alles so was von verdammt richtig gemacht, was man nur richtig machen kann.“

Hymnenartige Schönheit

Loathe können aber nicht nur voll aufs Fressbrett. Bei Songs wie „Is It Really You?“, „A Sad Cartoon“, der übrigens noch eine wunderbare Reprise spendiert bekommen hat, oder vor allem der vierte Song des Albums namens „Two-Way Mirror“ wird klar, dass die Band weitaus mehr ist, als eine reine Metal-Band. Jetzt spielt die Band auch noch ebenso gekonnt mit – unter anderem – Shoegaze- oder auch Alternative-Rock-Elementen.

Grade der eben letztgenannte Song erinnert stark an den Sound der Deftones, ohne jedoch als billiger Abklatsch zu wirken. Diese werden übrigens auch als musikalisches Vorbild der Liverpooler aufgeführt, weswegen also auch diese Auslotung der musikalischen Möglichkeiten nicht abwegig ist. Zu „Two-Way Mirror“ lässt sich kurz und bündig sagen: Wenn einem fünf Minuten Spielzeit nicht wie fünf Minuten vorkommt und man sich sogar noch wundert, warum der Song schon zu Ende ist, dann hat die Band aber alles so was von verdammt richtig gemacht, was man nur richtig machen kann.

Das fand auch übrigens niemand geringeres als der Frontmann des musikalischen Vorbildes von Loathe, der das Video auf seinem Social-Media-Account teilte. Richtig, Chino Moreno von den Deftones ist schwer begeistert von dem Song und wer weiß, vielleicht springt ja ein Support-Slot für die Jungs bei der kommenden Europa-Tour der Deftones für sie heraus. Einen Fürsprecher haben sie anscheinend schon mal.

Grenzenlose Kreativität

Der Kreativität sind für Loathe augenscheinlich keine Grenzen gesetzt, wie Gitarrist Eric in einem weiteren Statement für die Band treffend zusammenfasst: „We never want to abandon the crazy, sporadic metal side of the band, we just want all these other ideas to take root so that it furthers the lore of the band. I want us to be seen as this huge machine that can do whatever it needs or wants essentially.“

Dieses Statement wird nochmals mit dem letzten Song und gleichzeitig Namensgeber des Albums „I Let It In And It Took Everything“, der noch einmal die ganze Palette an Können und Ideen der Band in einen Topf wirft und so einen grandiosen wie fulminanten Abschluss für ein grandioses Album bildet. Loathe ist hier definitiv der ganz große Wurf gelungen und das Album wird so schnell nicht aus den Abspielgeräten wegzudenken sein.

Video: Loathe – Two-Way Mirror

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Hier erhältlich
Loathe - I Let It In And It Took Everything AlbumcoverLoathe – I Let It In And It Took Everything
Release: 07. Februar 2020
Label: Sharptone Records
Überblick der Rezensionen
Bewertung