Mercy Union – White Tiger

“You lean against the wall, you never felt so small” – so beginnt der Opener “1998” vom neuen Mercy Union Album “White Tiger”. Es ist das zweite Album der Band um Sänger Jared Hart (The Scandals) aus New Jersey und schon die ersten Sekunden nehmen die Hörer:innen mit auf einen Roadtrip durch endlose Weiten, mit Wind in den Haaren und den Sorgen des Alltags hinter sich.

“White Tiger” ist ein Album prall gefüllt mit Radio-Rock-Hymnen perfekt für den ausklingenden Sommer.Archi

Eine Flut an Emotionen

Schon im vergangenen Herbst bekamen Fans von Jared Hart eine Kostprobe einiger Songs auf “White Tigers” während seiner intimen Solo-Shows quer durch Europa. Garniert mit Hintergrund-Stories zu den einzelnen Liedern durfte man gespannt sein, wie sie in der Full-Band-Version mit Drummer Benny Horowitz (The Gaslight Anthem) und Nick Jorgensen am Bass sowie mit Gitarristen Rocky Catanese klingen. Einige Songs waren zu dem Zeitpunkt noch in der Entstehungsphase und haben erst im The Pilot Studio von Rob Freeman (Hidden in Plain View) ihre finale Form angenommen. Während Songs wie das erwähnte “1998” in der stripped-down Akustik-Version schon für Gänsehaut sorgten, entfachen sie auf “White Tiger” eine ganze Flut von Emotionen, durch den treibenden Sound, unnachahmliche Dynamiken zwischen den Instrumenten und nicht zuletzt Harts einzigartige Gesangsstimme.

Mercy Union zaubern einen zeitgemäßen Klassiker

Die beiden bisher erschienen Singles “Prussian Blue” und “The Void” unterstreichen genau das – Mercy Union schaffen es auf der einen Seite ihren alten Helden des amerikanischen Rocks Tribut zu zollen und stellen doch ihren eigenen Touch, kombiniert mit rougher Punk-Attitüde, in den Vordergrund. Die Mischung macht’s – auch wenn Mercy Union keine Angst vor großen Gesten und Momenten haben (wie im epischen “Basements”), schimmert immer wieder ein frecher Mittelfinger durch – bestes Beispiel dafür ist das (eigentlich absolut unmoderne) Finale von “The Void”, in welchem die Band in bester Punkrock-Manier den Chorus einfach wiederholt und ihn lediglich etwas höher transponiert, statt ein ausgetüfteltes Solo oder anderen Firlefanz einzubauen. Da rümpft die “Höher-Schneller-Weiter”-Fraktion sicher die Nase und denkt “Alles schonmal dagewesen” – was auch stimmt, doch Mercy Union verpackt es auf ihre eigene, frische Art und Weise und zaubert dadurch das Oxymoron eines zeitgemäßen Klassikers.

Dringlichkeit und kreative Befreiung in jeder Note

Thematisch ist das Album jedoch nicht ganz so verspielt, wie die Musik erwarten lässt – Sänger und Songwriter Jared Hart sagt über das Album “The ultimate theme going into this record was, if this is the last record I ever make, I’m going to make the thing I’ve always wanted to make.” – eine große Herausforderung also. Doch diese Dringlichkeit, die Befreiung von irgendwelche Zwängen und auch den Wunsch nach kreativer Freiheit hört man “White Tiger” auf jeden Fall in jeder Note und jeder Zeile an.

“White Tiger” ist ein Album prall gefüllt mit Radio-Rock-Hymnen perfekt für den ausklingenden Sommer. Im September geht es für Mercy Union auf Europa-Tour mit Dave Hause – genügend Zeit also um die Songs auswendig zu lernen und sich auf den Shows dann freudestrahlend und mit einer Träne im Knopfloch in den Armen zu liegen und es zu genießen am Leben zu sein.

Video: Mercy Union – The Void

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