Not On Tour – Growing Pains

Not On Tour zählen seit einigen Jahren zu den wohl heißesten und angesagtesten Livebands. Shows der Israelis melden regelmäßig ausverkauft und arten fast immer in riesige, wilde Partys aus. Nun erscheint das bereits vierte Studioalbum „Growing Pains“. Es ist auch das erste für den neuen Gitarristen Mati, dem auch gleich ein Song gewidmet wurde.

„Solide, punkig, schnell und gut. Punkt!“

Die Meister der unter Zwei-Minuten-Songs

Not On Tour aus Tel Aviv gibt es mittlerweile seit 2009. Zehn Jahre später bringt das Quartett ihren vierten Longplayer auf den Markt, knapp vier Jahre nach Ihrem groß abgefeierten Album „Bad Habits“. Mit diesem schafften die Israelis auch hierzulande den Durchbruch. Mit „Growing Pains“ will man nun nachlegen. Dafür wurden insgesamt 17 Stücke aufgenommen, die nur selten länger als 90 Sekunden dauern – ein Markenzeichen der Band. Auch auf den früheren Werken sind so gut wie keine Songs zu finden, die länger als zwei Minuten dauern. Und so kommt auch „Growing Pains“ nur auf eine Spielzeit von knapp 25 Minuten.

Schon beim ersten Hördurchgang entwickelt sich die Vorabsingle „Therapy“ zu einem echten Ohrwurm. Der Refrain setzt sich dabei ziemlich schnell fest und sorgt so für musikalische Nachhaltigkeit. Zu dem Song hat die Band bei der Veröffentlichung des Videos vor gut einem Monat schon erklärt, dass der Track es erst in allerletzter Minute auf das Album schaffte. Sängerin Sima sang den Song demnach bei einer Bandprobe an der Gitarre vor und so fand er bei ihren Bandkollegen Zuspruch. Ein Last-Minute-Hit sozusagen. Und wie gut, denn „Therapy“ gehört sicher zu den Ausrufezeichen auf „Growing Pains“.

Mit Vollgas und Melodie zu einem neuen Lebensabschnitt

Und auch zu dem ultrakurzen Opener „Daddy“, mit einer Realspielzeit von knapp 47 Sekunden, eines der kürzesten Lieder auf dem neuen Album, hat die Band ein Statement vorbereitet: So war „Daddy“ der erste Song, den die Band um die charismatische Sängerin Sima, die mit ihrer tollen Stimme besticht, für „Growing Pains“ geschrieben hat. Dabei handelt das Lied davon, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen – so etwas wie ein roter Faden auf „Growing Pains“. Denn der neue Gitarrist Mati ist kürzlich Vater geworden und der Song ist ein Versprechen der Band, dass „Papa“ Mati heil und sicher nach jeder Tour nach Hause zurückgebracht wird.

Musikalisch zelebrieren Not On Tour auch 2019 schnellen Punkrock in Tradition des 90er Skatepunks und machen dabei kaum Kompromisse. Dies zeigen sie bei beinahe allen weiteren Songs. Bremsmodus? Zurückschalten in den 1. Gang? Midtempo-Nummern? Gibt es alles bei Not On Tour auch 2019 nicht. Dafür ist Gaspedal angesagt, allerdings nicht ohne auch genügend Melodien einfließen zu lassen. Und das ist auch hier die große Kunst, die Not On Tour beherrschen: Schnelle, kurze, kompromisslose Punknummern, die aber dennoch Dank ihrer tollen Melodien ziemlich eingängig sind. Dazu zählen „Try Trust“, „Call it Freedom“, oder die starken „Saw it Coming“ und „Lost and Found“, um nur einige Songs zu nennen, die stellvertretend für die anderen starken Lieder stehen.

Solide, punkig, schnell und gut. Punkt!

„Growing Pains“ ist somit ein gutes Album geworden – viel, um überragend zu sein, fehlt aber nicht. Und das, obwohl hier die ganz großen herausragenden Momente, die Ohrwürmer, sieht man mal von „Therapy“ ab, auf den ersten Blick fehlen. Vielleicht wären auch ein paar mehr dieser Ecken und Kanten nötig, die oft auf den ersten Blick störend wirken, aber dann grandiose Longplayer zu dem machen, was sie sind. Vielleicht liegt es auch an der etwas zu glatten Produktion, dass das letzte Quäntchen fehlt. Und somit ist „Growing Pains“ solide, punkig, schnell und gut. Punkt!

Video: Not On Tour – Daddy

Hier erhältlich
Not On Tour Growing PainsNot On Tour – Growing Pains
Release: 12. April 2019
Label: Sbäm Records

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