The Struts – Young and Dangerous

Während dem Leben Freddie Mercurys durch den aktuellen Film „Bohemian Rhapsody“ Tribut gezollt wird, veröffentlichen The Struts ein Album, das dem Queen Frontmann sicher davon überzeugt hätte, die Rockband aus dem englischen Derby in sein Vorprogramm zu buchen. So, wie es bereits The Rolling Stones, The Who, Guns N’ Roses und Mötley Crüe persönlich taten. Das musikalische Genie Dave Grohl bezeichnete den Vierer währenddessen als die beste Band, die je für die Foo Fighters eröffnet habe.

„Freddie Mercury und Bon Scott treten im Duett an, während die Stones den Sound liefern und Alice Cooper im Musikvideo auftaucht“

Eine der interessantesten neuen Rockbands überhaupt

Wenn sich so viel Musikgeschichte bei einer Band zusammenfindet, muss man wohl mal die Ohren spitzen. Es ist vier Jahre her, seit das Debütalbum „Everybody Wants“ veröffentlicht wurde und trotz der Veröffentlichung einiger EPs in der Zwischenzeit hat „Young and Dangerous“ lange auf sich warten lassen. Mit dem neuesten Werk landen die Briten einen Glam Rock Hit nach dem anderen und manchmal sind die Einflüsse der „Großen“ zu hören. „Young & Dangerous“ konzentriert sich auf Mitsinghymnen mit fetten Riffs während Luke Spillers Stimme englischer denn je ist. The Struts haben den Glam Rock wiederbelebt und das Erbe großer Ikonen angetreten – aber nicht kopiert. Das macht den ganzen Zauber vermutlich aus – mit der Aussicht auf Erfolg.

Der Opener „Body Talks“ geleitet den Hörenden sanft in die zweite full-length Scheibe, lässt ihn ankommen, hineinhören und zündet dann richtig. Hier kann man recht sicher von Ohrwurmpotential reden. Und wenn der geübte Tanzfuß schon mal zuckt, warum dann bei „Primadonna Like Me“ nicht gleich dran bleiben und mit Spiller das „R“ ausgedehnt rrrrrrrrrollen. Gefühlt treten hier Freddie Mercury und Bon Scott im Duett an, zelebrieren den für das Genre so wichtigen Narzissmus und lassen die Stones den Sound liefern, während Alice Cooper im dazugehörigen Musikvideo auftaucht.

Der wirklich beste Song, den The Darkness nie geschrieben haben!

Bereits nach dem zweiten Song ist klar, welches Potential in dieser Band steckt und dann schaffen The Struts es tatsächlich diesen Spannungsbogen beispielsweise mit der Stadionhymne „In Love With A Camera“ zu halten und nicht auf kurzer Strecke zu verkacken – denn dieser Song ist ganz und gar nicht das, was man so oft leicht abwertend als Benanntes formuliert, sondern eine wahre Stadionhymne, die auch gut im Zuge einer Live Aid Show gänsehautesk funktionieren würde oder einfach der wirklich beste Song ist, den The Darkness nie geschrieben haben! Meine Herren!

„Bulletproof Baby“ gehört zu den ruhigeren Stücken – glücklicherweise gibt es die, sonst würde man vermutlich irgendwann überschnappen, denn vergessen wir nicht, wir sind immer noch erst bei Song vier von dreizehn und diesen macht nicht mal die volle Ausschöpfung der Buzzbox kaputt. Chapeau. „Who Am I?“ ist mir persönlich zu Pop, zu Disco, zu 2018. Mein Ohr hört eine zu schräge Mischung aus Michal Jackson und  – ja, das und fehlt mir noch, schreckt mich aber mit seine „u-huhu´s“ ordentlich ab, während ich das musikalische Arrangement doch irgendwie interessant finde. Und in aller Vermessenheit darf man dem Quartett wohl auch zugestehen, dass mal was nicht 100% zündet – wobei das ja auch relativ ist – ich würde es wohl beim Autofahren nicht skippen und stets drüber philosophieren, wie diese Band wohl live funktioniert (ohne, dass man da groß überlegen müsste).

Wenn eh schon dick aufgetragen wird, kann man das Feuerwerk am Ende auch in all seiner Größe abfeuern

„Fire (Pt.1)“ lodert tatsächlich im Gehörgang und brennt sich ein, während „Ashes (Pt.2)“ all den hochkochenden Pathos stilvoll und in alter Glam Rock Sitte zusammenbring und leider nur fast zum absoluten Höhepunkt treibt. Wenn doch eh schon dick aufgetragen wird, kann man das Feuerwerk am eigentlichen Ende auch in all seiner Größe abfeuern. Heißt aber andererseits auch, dass es Platz nach oben gibt, was ja auch nicht so schlecht ist. Um den Kreis rund zu ziehen, darf am Ende Kesha „Body Talks“ mitperformen. Für mich nicht die beste Idee, aber auf Marketingebene sicher super clever, wenn man sich allein die 3,5 Millionen Twitter-Follower der US-amerikanischen Popsängerin ansieht.

„Falls du dich mal ein wenig deplatziert fühlst, dann gibt es da draußen immer noch die gute alte E-Gitarre – schau doch mal, was man damit alles anstellen kann!“

Und wenn man an diese Stelle die Aussage „Was wir mit unserer Musik auf jeden Fall auch erreichen wollen, ist, dass junge Leute wieder eine Gitarre in die Hand nehmen. Wir leben in einer Zeit, in der Hip-Hop und Dance-Musik ganz klar den Ton angeben, und das ist auch großartig so, aber wir wollen die Welt schon daran erinnern, dass es da draußen auch noch andere Sachen gibt. Mit diesem neuen Album sagen wir letztlich: ‚Falls du dich mal ein wenig deplatziert fühlst, dann gibt es da draußen immer noch die gute alte E-Gitarre – und schau doch mal, was man damit alles anstellen kann!'“, packt, ist auch das verträglich und gut. Alles in allem entwickeln sich The Struts, die ihren Sound schon früh gefunden haben, zu einer der interessantesten neuen Rockbands unserer Zeit.

Video: The Struts – Primadonna Like Me

Hier erhältlich
the struts young and dangerous review 2019The Struts – Young & Dangerous
Release: 11. Januar 2019
Label: Interstcope
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