Sleeping With Sirens – How It Feels To Be Lost

„How It Feels To Be Lost“ – so der bezeichnende Titel des neuen Albums von Sleeping With Sirens. Als Nachfolger des, polarisierenden 2017er Werks „Gossip“ soll es wieder härtere Töne anschlagen. Die Band verspricht sogar, es könnte eins der härtesten Alben ihrer bisherigen Diskografie werden. Mit Sumerian Records haben sich Sleeping With Sirens für diese Platte ein neues Label gesucht und bereits im Vorfeld mit ihren Single-Auskopplungen für den einen oder anderen begeisterten Fan gesorgt.

„Insgesamt gibt „How It Feels To Be Lost“ bis auf einige wenige Schwachstellen ein rundes Album ab, das man sich auf jeden Fall gut anhören kann.“

„How It Feels To Be Lost“ behandelt vor allem Depressionen und Ängste – Themen, die Sänger Kellin Quinn auch aufgrund persönlicher Bezüge sehr am Herzen liegen. Auf der neuen Platte scheint auch die Selbstfindung weiter zu gehen, die mit „Gossip“ einen etwas holprigen Start hatte. Man begab sich gemeinsam mit den Produzenten Zakk Cervini (Yungblud & Good Charlotte) und Matt Good (Asking Alexandria) in die MDDN Studios in Los Angeles und nahm ein am Ende elf Songs starkes Album auf, das einen musikalischen Neuanfang markiert.

Starke Refrains, die zum Mitsingen einladen

Wuchtig wird der Hörer von „Leave It All Behind“ begrüßt, was im Vorfeld als erste Single erschienen war. Der Refrain führt einen gut in das Album und seine Thematik ein und schafft die Balance zwischen einem starken Text und eingängigen Lines, die bereits beim ersten Hören zum Mitwippen und -singen einladen. „Never Enough“ holt einen genau da wieder ab und glänzt mit einem Gastpart von Good Charlottes Benji Madden. Auch hier wird eine von Sleeping With Sirens‘ bekannten Stärken deutlich: Das Vermischen von Post-Hardcore und härteren Riffs mit Refrains, die beinahe poppig anmuten und sich doch perfekt in das Gesamtbild einfügen. „Never Enough“ ist auch aus dem Grund ein besonderer Titel, weil sein Text bereits vorab für eine Kollaboration mit dem Butterfly Project veröffentlicht wurde. Das Projekt brachte im Zuge des Mental Health Awareness Month eine Kollektion auf den Markt, aus verschiedene Armbänder die Zeilen dieses Songs als Namen tragen.

Auch der Titeltrack „How It Feels To Be Lost“ und „Agree To Disagree“, ebenfalls eine vorab veröffentlichte Single, fügen sich in das für Sleeping With Sirens tatsächlich recht kraftvolle Gesamtbild ein. Doch kommen Stellenweise immer diese kleinen Nostalgie-Momente auf, die einen an ältere Werke der Band erinnern. Gerade der zweite dieser beiden Songs kommt schwungvoll daher und hat einen Rhythmus, der beim Hören einfach Spaß macht. Auch die Screams sind an der richtigen Stelle gesetzt, ohne dabei zu überladen zu wirken.

„Das Album bietet Verständnis und vermittelt, wie so oft in diesem Genre, vor allem das Gefühl, nicht allein zu sein.“

Höhen und Tiefen

Etwas experimenteller erwartet einen das Intro von „Ghost“, das einem doch von irgendwo merkwürdig bekannt vorkommt. Wenn auch etwas ruhiger verliert dieser Song nicht an Schwung, die unterschwellig eingestreuten Pop-Klänge nehmen dem Lied ein wenig die Schwere. Der folgende Titel „Blood Lines“ will nicht so recht überzeugen. der Song scheint einfach zu überladen und schwächer abgemischt als der Rest. Er wird stellenweise zu einem ziemlichen Klang-Brei, der recht schwer zu durchdringen ist. „Break Me Down“ lässt einen diesen Fauxpas zum Glück schnell vergessen – im wahrsten Sinne. Die zweite Single-Veröffentlichung ist wohl einer der zügigsten Songs dieses Albums und lässt erneut Erinnerungen an die „gute alte Zeit“ wach werden, ohne dabei den neuen Klang einzubüßen.

Ebenfalls etwas überladen scheint „Another Nightmare“, in dem einfach ein paar zu viele Effekte untergekommen sind. Am Anfang lässt es einen fast glauben, man hätte gerade einen beliebigen Pop-Song angeschaltet. Nicht zwangsläufig schlecht, aber auch nicht sonderlich spannend, selbst wenn das Lied in seinem Verlauf noch halbwegs mehr Fahrt aufnimmt. „P.S. Missing You“ ist dann wieder typisch Sleeping With Sirens, wenn auch in modernem Gewand. Ein nennenswerter Titel ist auf jeden Fall „Medicine (Devil In My Head)“, der insgesamt experimenteller und beinahe zu facettenreich klingt, was zu der Thematik erstaunlich gut passt. So lautet eine Zeile „I haven’t been myself lately“ – eventuell eine Anspielung auf die schwere Phase, die Kellin Quinn bis Ende letzten Jahres durchmachte und bis dahin vor allem mit Alkohol therapierte. Am Weihnachtstag schloss er dieses Kapitel und all die Frustration ist neuer Energie und Motivation gewichen – und wie kann man etwas besser verarbeiten, als mit Musik?

Ein gelungenes Ende

Ein schönes Ende bekommt das Album mit „Dying To Believe“, das angenehm ruhig und doch energiegeladen klingt, während es sich im Hintergrund langsam aufbaut und noch einmal zum Mitsingen einlädt. Insgesamt gibt „How It Feels To Be Lost“ bis auf einige wenige Schwachstellen ein rundes Album ab, das man sich auf jeden Fall gut anhören kann. Musikalisch scheint es tatsächlich im Gesamtbild härter, als frühere Alben der Band, ohne dabei unmelodisch zu werden oder den leichten Pop-Touch zu verlieren. Die Screams scheinen strategischer gesetzt als früher und dienen hier vor allem, um bestimmte Stimmungen zu unterstreichen oder die Verzweiflung in den Texten zu verdeutlichen. Doch klingt das Album entgegen seinem Titel nicht trostlos oder verloren – viel mehr bietet es Verständnis und vermittelt, wie so oft in diesem Genre, vor allem das Gefühl, nicht allein zu sein.

Video: Sleeping With Sirens – Agree To Disagree

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Hier erhältlich
SLEEPING WITH SIRENSSleeping With Sirens – How It Feels To Be Lost
Release: 06. September 2019
Label: Sumerian Records
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