Tarja Turunen, Stratovarius und Serpentyne in Hannover 03. Oktober 2018, Capitol Hannover

    Tarja Turunen am 03.10.2018 im Capitol in Hannover

    Im Rahmen der „Nordic Symphony“-Tour statten die finnische Stimmenlegende Tarja Turunen zusammen mit der ebenfalls aus Finnland stammenden Power-Metal-Größe Stratovarius dem Veranstaltungszentrum Capitol am Schwarzen Bären in Hannover einen Besuch ab. Unterstützt werden sie dabei von den fünf Köpfen der britischen Band Serpentyne.

    Tarja erschafft eine einzigartige Performance und beweist, dass sie auch mit eigenen Songs außerhalb von Nightwish zu begeistern vermag

    Während wohl die meisten Leute den herbstlichen Feiertag entspannt zuhause verbringen, öffnet das Capitol bereits um 18.30 Uhr seine Türen, damit gegen 19.15 Uhr Serpentyne den Abend eröffnen können. Das Londoner Quintett um Sängerin Maggiebeth Sand gibt eine einzigartige und harmonische Mischung aus Symphonic und Folk Metal zum Besten und präsentiert unter anderem ihre eigene Version des Game Of Thrones Openings, bei der sich elektrische Gitarrenklänge in die Töne mittelalterlicher Instrumente mischen.

    Trotz schwarzer Einheitskleidung ist das Publikum bunt gemischt, der Altersdurchschnitt jedoch tendenziell höher – junge Menschen sind nur vereinzelt anwesend. Besonders auffällig ist die geringe Besucherdichte vor der Bühne, denn während sich unten eine übersichtliche Menge locker verteilt hat, stehen auf dem Balkon die Leute dicht aneinander gedrängt. Eine gute Aussicht zu haben hat offensichtlich eine höhere Priorität, als heute Abend mit den Bands zu feiern. Dieser Eindruck verstärkt sich, als nach einer ausführlichen Umbaupause um 20.15 Uhr Stratovarius auf der Bühne stehen. Obwohl Sänger Timo Kotipelto mit feuriger Energie versucht das Publikum zu motivieren, kommt dieses nicht so richtig in Fahrt – so wird nur ein wenig geklatscht und vereinzelte Pommesgabeln in die Luft gehalten.

    Seit 34 Jahren im Musikgeschäft

    Das ist bedauerlich, denn die Finnen, die schon seit erstaunlichen 34 Jahren im Musikgeschäft sind, geben sich wirklich Mühe zu begeistern. So reißt Timo zu „Oblivion“ das Mikrofon wie ein Zepter rhythmisch in die Höhe und trifft phänomenal hohe Akkorde, die bei „4000 Rainy Nights“ aber schon mal an die Grenze kommen können. Große Ansagen macht die Band nicht, vielmehr ziehen sie ihr strammes Programm durch – die lange Bühnenerfahrung ist unverkennbar.

    Bei „Shine In The Dark“ kommt dann endlich etwas Fahrt auf, wenn auch nicht markant. Es wird vermehrt geschunkelt und es gibt einige Fans, die die Musik sichtbar fühlen. Den meisten Applaus erfährt wohl Keyboarder Jens Johansson bei seinem Solo, das in die donnernden Akkorde von „Black Diamond“ übergeht. Stratovarius enden gegen 21.30 Uhr mit „Hunting High And Low“ und ausladendem Schlagzeugdonnern. Timo versucht sich der deutschen Sprache zu bemächtigen, um dem Publikum seinen Dank zu erweisen, doch das mag nicht so recht funktionieren und heraus kommt ein gestottertes „Danke von Euch….von uns…v…“, was ihm allerdings nur zusätzliche Sympathiepunkte einbringt.

    „Music – it’s keeping me alive everyday“

    Die „Nordic Symphonic“-Tour steht unter dem Zeichen gefühlt langer Umbaupausen und so dauert es erneut eine halbe Stunde, bis das ehemalige Gesicht von Nightwish, Tarja Turunen, in einem funkelnden, nachtschwarzen Kostüm aus Leder und silbernen Nieten auf der Bühne steht. Trotz ihres Legendenstatus unter den weiblichen Stimmen der Metalszene bleibt die Stimmung im Capitol eher mäßig. Das hält Tarja jedoch nicht davon ab ununterbrochen zu lächeln und mit einer energetischen Ausstrahlung die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. So schaffen es einige Fans sich der müden Gesamtstimmung zu entziehen und skandieren mit ausgestrecktem Arm mehrfach „Tarja!“.

    Tarja nimmt sich etwas mehr Zeit für ihre Ansagen: „Music – it’s keeping me alive everyday“, eröffnet sie dem Publikum und deutet eine traurige Thematik an, die in die balladengleichen Anfangsakkorde von „Calling From The Wild“ übergeht. Auf Tarjas Version vom Muse-Track „Supremacy“ folgt ein instrumentales Zwischenspiel, bei dem die offensichtlichen Studiomusiker dem Publikum ordentlich unter Beweis stellen, was sie auf dem Kasten haben – darunter ein dröhnendes Basssolo auf der E-Saite.

    Eine einzigartige Performance

    Tarja wechselt gleich mehrfach das Outfit und erschafft so – zusammen mit ihrem herausragend positiven Auftreten – eine einzigartige Performance und beweist, dass sie auch mit eigenen Songs außerhalb von Nightwish zu begeistern vermag. So wäre ihr ein größeres Publikum zu wünschen gewesen, aber vielleicht mag die symphonische Seite des Metal die Leute einfach nicht mehr so zu begeistern wie einst, geschweige denn aus den Häusern zu locken.

    Tarja Turunen

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    Stratovarius

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    Serpentyne

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