The Lawrence Arms – Skeleton Coast

Seit 1999 machen The Lawrence Arms nun schon von sich Reden und sind dabei nie zu einer Kopie oder einem nostalgischen Abziehbild ihrer Selbst geworden. Das beweist auch das mittlerweile siebte Album des Trios aus Chicago “Skeleton Coast”.

„Ein Album zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Licht und Schatten, Beginn und Anfang. Denn es muss immer etwas zu ende gehen, damit Neues entstehen kann.“

Rau, dreckig und doch wunderschön

Kaum eine Band schafft es wie die “Larry Arms” ihren eigenen Sound so sehr an die Grenzen zu treiben, ohne ihn dabei signifikant verändern zu müssen. Sie sind rau und dreckig, dabei aber stets melodisch und an manchen Stellen sogar wunderschön. Nun kommt die neue Platte, die kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in der Nähe von El Paso, Texas aufgenommen wurde und die passenderweise eine apokalyptische Zukunft zeichnet, wie der Name schon vermuten lässt.

Man stelle sich eine trostlose Wüstenlandschaft vor, in der Kojoten und Wölfe um die Vorherrschaft kämpfen, dazwischen menschliche Skelette und Überreste der vergangenen Zivilisation – schon hat man das perfekte Setting für “Skeleton Coast”.

Herunterbrechen auf die Essenz

Sechs Jahre sind seit dem letzten Album “Metropole” vergangen und seitdem hat sich viel in der Band von Brendan Kelly am Bass, Gitarrist Chris McCaughan und Drummer Neil Hennessy getan. Kelly wandelte vermehrt auf Solopfaden und hat ein Album mit seinem Nebenprojekt The Falcon veröffentlicht, während McCaughan mittlerweile in Portland, Oregon zuhause ist.

So erschöpfte sich das Schreiben neuer Songs meist auf das Hin- und Her-Senden von Dropbox-Demos und erst in der texanischen Einöde wurden daraus die 14 Songs, die auf Skeleton Coast gelandet sind. Dadurch wurde das Album auf die Essenz von The Lawrence Arms heruntergebrochen und doch haben die Drei es geschafft, Platz für Experimente wie Walgesänge und “space-coyote elements” zu finden, wie Kelly es nennt. So kommt es auch, dass es bekannte Drei-Akkorde-Songs wie den Opener “Quiet Storm”, das wunderbare “Demons” oder die Vorab-Single “Planes, Trains & Automobiles” gibt, das Album aber dennoch im fast schon psychedelischen “Coyote Crown” sein Finale findet.

Seltsame und doch interessante Momente

Ein weiteres Spannungsfeld eröffnet die unterschiedliche Herangehensweise an neue Songs der beiden jeweiligen Songwriter Kelly und McCaughan – eine Spannung, die seit jeher zu den Stärken von The Lawrence Arms zählt, aber noch nie so deutlich wie auf “Skeleton Coast” war. Das führt zu einigen seltsamen und doch, gerade deshalb, interessanten Momenten auf der Platte. Während die Songs von Brendan Kelly düsterer und auf ihre Art direkter sind, schafft es McCaughan eine Komplexität und Abstraktion in seine Songs zu bringen, dass dadurch ein spannendes, sowohl musikalisch, als auch textliches, (Un-)Gleichgewicht entsteht.

Ein Album zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Licht und Schatten, Beginn und Anfang. Denn es muss immer etwas zu Ende gehen, damit Neues entstehen kann.

Video: The Lawrence Arms – Quiet Storm

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The Lawrence Arms

The Lawrence Arms – Skeleton Coast
Release: 17. Juli 2020
Label: Epitaph