The Ocean, Downfall of Gaia und Herod in Bremen 30. März 2019, Tower Musikclub

    The Ocean am 30.03.2019 live im Tower Musikclub in Bremen
    Foto: Sarah Fass

    Samstagabend in Bremen. Das Wetter, das tagsüber noch auf Frühling schließen ließ, kühlt allmählich wieder ab. Durch die Innenstadt sieht man Menschen in Werder-Trikots wandern, die gerade den Heimweg antreten. Auch die Polizei beendet langsam die Sicherheitsarbeiten für diesen Tag. Vorbei an diesem Bild zieht es Fans der härteren Musik heute Abend in den Tower, wo The Ocean mit ihrer „Phanerozoic Tour – Chapter II“ zum Konzert laden. Als Support haben sie Downfall of Gaia und Herod mit dabei.

    „Die Nähe zum Publikum sorgt für einige herzliche Momente, an die sich wohl noch lange zurück erinnert wird.“

    Düstere Klänge und einvernehmliches Kopfnicken

    Wenn man zu Einlass um 18.30 Uhr den Tower betritt ist man noch recht allein im Raum. Hier und da findet man bereits den einen oder anderen Konzertbesucher, doch ist die Halle weitestgehend leer. Dafür ist die Bühne umso voller bepackt, sodass für die erste Band des Abends, Herod, das Betreten zu einer kleinen Herausforderung wird. Gegen 19.00 Uhr wird es dann das erste Mal dunkel um die Bühne, auf der die Nebelmaschine bereits fleißig läuft. Dazu hüllt sich der Saal in blaues Licht, während das „Fork Tongue Intro“ von Herods neuestem Werk „Sombre Dessein“ ertönt. Die Musiker meistern den kleinen Parkour, der die Bühne darstellt und mit dem ersten der schweren düsteren Riffs beginnt das Licht in grün, blau und gelegentlich gold zu flackern.

    Wie schnell es in einem leeren Tower kuschelig werden kann beweist sich heute Abend auf ein Weiteres – bereits nach dem ersten Song ist es sichtbar voller und interessierte Gesichter sind auf die Bühne gerichtet. Dort werden vor allem Lieder des aktuellen Albums zum Besten gegeben, die vom Publikum mit rhythmischen Kopfnicken angenommen werden. Nebenbei wird vielleicht noch ein Gehörschutz erworben, denn der Sound heute Abend ist ein wenig lauter als gewöhnlich. Herod geben sich während ihres halbstündigen Sets, in dem dauerhaft zwischen stimmungsvoller einfarbiger Beleuchtung und Stroboskop gewechselt wird, eher wortkarg. Doch wird sich ab und an bei den Zuschauern bedankt. So meldet sich auch Sänger Mike Pilat kurz zu Wort: „Thank you guys… thank you very much. We’re Herod from Switzerland and the UK, thank you for coming out“ und die Band scheint sichtlich glücklich über die stetig wachsende Beteiligung der immer größer werdenden Besucherzahl. Von denen verabschieden sich die Musiker bald darauf schon wieder und werden von gebührendem Applaus begleitet.

    Bildergalerie: Herod

    Von wuchtigen Gitarren, Pommesgabeln und Neuentdeckungen

    Nach einer kurzen Umbaupause färbt sich der Tower erneut in blaues Licht. Mittlerweile ist der Laden gut gefüllt und immer mehr Menschen kommen näher vor die Bühne. Dort treten nun Downfall of Gaia vor das Publikum, die anfänglich durch den Rauch nur schemenhaft zu erkennen sind. Eröffnet wird das Set mit „The Grotesque Illusion Of Being“ vom aktuellen Album „Ethic Of Radical Finitude“. Wuchtige Gitarrenklänge untermalt von erneut flackerndem blauen und goldenen Licht füllen den Raum, in dem nun fast jeder im Takt mitnickt. Vor der Bühne headbangen einige der Besucher und zwischen den Songs ragen Pommesgabeln in die Luft, die auf den Gesichtern der Musiker ab und an ein Lächeln erscheinen lassen.

    Durch den Rauch und das spärlich gesäte Licht ist das Bühnenbild sehr atmosphärisch, passend zur Musik der Band. Das Set besteht vor allem aus dem aktuellen Album, das Anfang diesen Jahres erschienen ist, doch auch „Woe“ und „Ephemerol“ vom Vorgänger „Atrophy“ finden ihren Platz in den knapp 45 Minuten, die Downfall of Gaia heute Abend bespielen. Diese Zeit wird auch gut genutzt und hauptsächlich mit Musik gefüllt, große Worte schwingt hier heute keiner. Zwischen ein paar „Dankeschön“, die neben den Songs beinahe schon schüchtern leise daherkommen, stellt sich die Band einmal vor, obwohl man dem Jubel nach vermuten könnte, dass dies gar nicht mehr nötig ist. „Vielen Dank, dass Ihr heute hier seid. Wir sind Downfall of Gaia. Dankeschön!“ lautet die einzige längere Ansage, die mit Applaus aufgenommen wird. Dass sie nicht nur von bestehenden Fans gefeiert, sondern auch von neuen entdeckt werden, beweisen die Gespräche in der nächsten Umbaupause. Die wird von einigen Interessierten genutzt, um noch einmal die Namen der vorigen Bands zu erfragen und in die heitere Diskussion über Musik und Neuentdeckungen mit aufzunehmen.

    Bildergalerie: Downfall of Gaia

    Volle Energie von Anfang an

    Im Hintergrund laufen derweil ungewöhnlich ruhige Töne für den Tower. Die Playlist für die Pause ist eher gedämpft, die Bässe etwas lauter, sodass unter anderem „Teardrop“ von Massive Attack leise im Ohr des Hörers pulsiert. Nebenbei werden noch einmal die Scheinwerfer für die Lichtshow des Headliners getestet. Schließlich wird es gegen 21.00 Uhr ein letztes Mal dunkel im Raum. Begleitet von Nebel und rotem Licht betreten The Ocean die Bühne und werden von einem laut jubelnden Publikum begrüßt. Ohne große Ansage geht es los mit „Cambrian II: Eternal Recurrence“ vom aktuellen Album „Phanerozoic I: Palaeozoic“. Von der ersten angeschlagenen Saite an sind die Besucher voll dabei und innerhalb kürzester Zeit bildet sich vor der Bühne ein kleiner Pit. Auch von der Band kommt von Beginn an eine unglaubliche Energie, die sich ohne Weiteres auf die Menge überträgt.

    Die Musiker haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt, was sowohl durch die zwischendurch ausgetauschten Blicke, als auch durch die Interaktion mit dem Publikum auffällt. Hier und da wird nebenbei ein Handschlag verteilt, freundlich gegrinst und etwas später sogar von der Menge auf die Bühne gesprungen, um von dort Crowdsurf-Versuche zu starten. Bei knapp 200 Leuten im Tower ist es nicht ganz voll genug, um das einfach zu gestalten, doch ein paar ambitionierte Konzertbesucher lassen sich davon nicht abhalten und schaffen es, sich immerhin ein paar Meter nach hinten tragen zu lassen, nur um sich sofort wieder vor der Bühne in den Pit zu stürzen. Dieser weitet sich im Laufe des Abends immer weiter aus und nimmt zwischenzeitlich fast den gesamten Platz im vorderen Bereich des Towers ein.

    „Ihr wart geil, Dankeschön!“

    „Guten Abend, Bremen!“, grüßt Gitarrist Robin Staps nach dem ersten Song, bevor es mit „Ordovicium: The Glaciation Of Gondwana“ weitergeht. Die Lieder werden vor allem vor der Bühne textsicher mitgesungen, während weiter hinten an mancher Stelle mit geschlossenen Augen die Musik genossen wird. Wie auch immer sie sich äußert, die Begeisterung lässt sich förmlich greifen und sorgt rundum für zufriedene Gesichter. Auch einige Pommesgabeln und Fäuste sind immer wieder zu sehen, während von anderen vor allem kräftiger Applaus kommt, wenn es die Pausen zwischen den Songs zulassen. Der größte Teil des Sets umfasst Werke des aktuellen Albums, doch auch ältere Titel sind dabei. So etwa „Hadopelagic II: Let Them Believe“ vom Vorgänger „Pelagial“, „Firmament“ von „Heliocentric“ oder „Statherian“ von „Precambrian“, der der älteste Titel für heute Abend ist.

    Mit „Permian: The Great Dying“ und den Worten „Vielen Dank Bremen. Vielen Dank für’s kommen!“ verabschieden sich The Ocean zunächst, begleitet von weiteren Handschlägen, von der Bühne – natürlich nicht für lange. Lautstark wird eine Zugabe eingefordert, die nicht lange auf sich warten lässt. „Bathyalpelagic I: Impasses“ und „Bathyalpelagic II: The Wish In Dreams“ werden zum Besten gegeben und sowohl auf der Bühne als auch davor noch einmal die letzten Energiereserven verbraucht. Schließlich mischt sich sogar Sänger Loïc Rossetti mithilfe eines begeisterten Fans unter die Crowdsurfer und lässt sich über die Menge tragen.

    Die Nähe zum Publikum sorgt für einige herzliche Momente, an die sich wohl noch lange zurück erinnert wird. „Das ist unser letzter Song für heute. Ihr wart geil, Dankeschön!“, verkündet Robin Staps, bevor mit „Benthic: The Origin Of Our Wishes“ die Besucher verabschiedet werden. Abseits von der Bühne nehmen sich The Ocean noch Zeit Fragen zu beantworten oder Fotos zu machen und hinterlassen so am Ende ein glückliches und begeistertes Bremer Publikum.

    Bildergalerie: The Ocean

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