Wanda und Soeckers im Capitol in Hannover

    Wanda
    Foto: Isabelle Kaltner

    „Wenn jemand fragt, wofür Du stehst, sag‘ für Amore, Amore!“ Wanda, die nach der einzig wahren Zuhälterin Wanda Kuchwalek benannte Band aus Österreich macht, auf ihrer Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, Halt im Capitol in Hannover. Im Gepäck haben die Wiener nicht nur ihr aktuelles Album „Niente“ und eine ordentliche Portion „Amore“, sondern auch die Garagenpop-Band Soeckers aus Münster.

    Es ist 19.50 Uhr, als die Münsteraner Band Soeckers die Bühne betritt und somit den Abend im ehemaligen Kino am Schwarzen Bär eröffnen. Das Publikum scheint klar für den Hauptact angereist zu sein. Während Sänger Johannes Schulte „Halt mich“ ins Mikro schmettert, sind die Besucher sichtlich vielseitig beschäftigt: Die einen halten ihr Smartphone fest umschlungen gen Bühne, während andere versuchen fünf bis zwanzig Bierbecher pro Hand zu jonglieren. Wieder andere nehmen die Aufforderung aus Bühnenrichtung ernst und halten sich zur romantisch roten Lichtshow in den Armen.

    Metalheads grölen gemeinsam mit Mutti und den Kids zu Wanda

    Eine halbe Stunde später schwebt buchstäblich „Amore“ in der Luft. Die fünf weißen Buchstaben auf schwarzem Vorhang kündigen den Headliner des Abends an. Der Vorhang fällt, das Publikum kreischt und es dauert nicht lange, da verteilt Sänger Marco nicht nur ganz viel „Amore“, sondern auch Bierdosen und Wodka-Flaschen an die bereits angeheiterten Besucher. In kürzester Zeit manifestiert sich eine Wahnsinns Atmosphäre. Irgendwie passen die Herren auch in keine wirkliche Schublade. Musikalisch spalten sie die Geister. Hier feiern heute Abend dann aber doch alle zusammen: Metalhead grölt genauso begeistert jedes Wort mit, wie Mutti und ihre Kinder.

    Gesundheitlich sind Wanda aktuell nicht in Höchstform. Das lassen sich die Musiker allerdings in kaum einer Sekunde anmerken. Schon vor Tourstart kündigte die Band über ihre Social Media Kanäle an, dass Keyboarder Christian Hummer leider auf Grund eines langsam ausheilenden Hörsturzes nicht am Wahnsinn teilhaben könne. Ersatz konnte gefunden werden und Florian vertritt ihn auch in Hannover ehrenhaft am Keyboard. Sänger Marco startet mit einer Prellung am Arm und muss diesen deswegen in einer Schlinge ruhigstellen. Nicht die besten Voraussetzungen für ordentlich Rock ´n`Roll – denkt man. Allerdings halten diese Unannehmlichkeiten Wanda nicht davon ab, ihre Show mehr als professionell abzuliefern. Marco steig prompt in den Graben und nimmt sich ordentlich Zeit für Umarmungen mit den Fans in den ersten Reihen.

    „Ich möchte meinen Knochen spüren“

    Ganz viel „Amore“ – diese Message zieht sich durch den gesamten Abend. Spätestens bei „Bussi Baby“ wippt nun auch der letzte, noch so standfeste Fuß. Niemand kann sich der Liebe, die heute in der Luft des Capitols liegt, entziehen. Zu „Ein Letztes Wienerlied“ bereichern zwei in Roben gehüllte und maskierte Violinistinnen das Arrangement auf der Bühne. Schnell stellt sich eine absolute Gänsehautatmosphäre im ausverkauften Haus an der Ihme ein. Bei der zweiten Zugabe „Columbo“ traut sich dann doch noch der erste und einzige Crowdsurfer des Abends gen Bühne zu schweben.

    Um 22.37 Uhr soll eigentlich Schluss sein, doch die Menge fordert mehr. „Nääää, mein Schmerzmittel lässt langsam nach“, weigert sich der angeschlagene Musiker vorerst und revidiert schnell „Aber na gut, dann möchte ich aber meinen Knochen spüren“, und zeigt auf seinen rechten Arm. Das lassen sich die Gäste natürlich nicht zwei Mal sagen und schmettern aus Leibeskehle „1,2,3,4 Es Ist So Schön Bei Dir“ mit. Ja, ihr lieben Wandas – 1,2,3,4 es ist so schön mit Euch. Wie immer muss leider auch der heutige wirklich großartige Abend irgendwann enden. Während die letzten hartnäckigen Zugabe-Rufe langsam verebben, schunkeln die meisten Besucher Arm in Arm in Richtung Ausgang.

    Wanda

    Soeckers