Am 28. Juli findet der erste Kiosktag Hannovers statt

hannovers tage der kioskkultur
Foto: Isabell Adolf

In Berlin stagt man Späti, in Köln heißen sie Büdchen und in Hannover sind es die Kioske, die früher auch als Nebgen Buden bezeichnet wurden. Mit erhobener Brust und einem stolzerfüllten Lächeln erzählt man sich in Hannover und besonders in Linden, dass man die wohl höchste Kioskdichte Europas habe – vermutlich sogar der ganzen Welt. Was oftmals vorschnell mit einem verhaltenem Schmunzeln erwidert wird, ist allerdings gar nicht so weit hergeholt. Laut einer Studie herrscht mit neun Kiosken pro Quadratkilometer in Linden-Limmer de facto die höchste Kioskdichte, gemessen an der Fläche des Stadtteils.

Die Kioske bewahren die Seele des Viertels

Tatsächlich hat keine Stadt in Deutschland so viele Kioske wie Hannover mit seinen insgesamt rund 230 Büdchen. Hannover ist also definitiv die unangefochtene Kiosk-Hauptstadt des Nordens und hat eine ganz besonderen Kiosk-Kultur: Die Kioske bewahren die Seele des jeweiligen Viertels – man kennt sich, kennt die Bedürfnisse der Stammkundschaft und die kleinen und großen Geschichten und Geheimnisse des Stadtteils. Eine ganz besondere Magie, die zu den zauberhaften Sidestories Hannovers gehört.

Liedfett beim ersten hannoverschen Kiosktag, Pfarrlandplatz 1

Am Sonnabend, dem 28. Juli, soll diese mehr als aktiv gelebte hannoversche Kioskkultur mit dem ersten Kiosktag ausgiebig gefeiert werden. Gemeinsam mit der Studenten-Kult-Band Liedfett wird am Pfarrland-Kiosk der Tag dieser besonderen Treffpunkte gefeiert. Eine Mischung aus aus Punk, Akustik-Pop, Sprechgesang und Liedermacherei ehren die so beliebten Büdchen, Trinkhallen oder Nebgen Buden. Tickets kann man sich dafür natürlich nicht sichern. Alles getreu dem Motto: First come, first served. Ab 20.00 Uhr geht es los.

Video: Liedfett – Kommst Du mit

Lesung und Konzert in der Pro Bier Bude, Limmerstraße 105

Beim Kiosktag am 28. Juli laden Jan Fischer und Martin Spieß zu einer Lesung witziger, gewagter und mitunter andächtiger Geschichten. Fischer liest aus der halbautobiographischen Erzählung „Audrey und Ariane. Eine Disneyland-Vampirgeschichte“, Spieß trägt aus seinem Short-Story-Band „Ich dreh mich lieber noch mal um und bin weit, weit weg“ und aus seinem Wendland-Roman „Und bis es soweit ist, gibt es Eiscreme“ vor. Dazu präsentiert Spieß das Indierock-Soloprojekt Vorband. Künstler Fischer schreibt zum ungewöhnlichen Kioskkulturabend: „Kioske sind magische Orte, in denen es alles gibt und die uns mehr als einmal durch die Nacht geholfen haben.“ Los geht es um 20.00 Uhr.

Video: Vorband – Album

Slam City-Das Poetry Slam Festival, Zur Bettfedernfabrik 3

Beim Festival auf dem Kulturzentrum Faust gibt es eine Kulturkioskbühne – benannt nach der Reihe Kulturkiosk, die mehr als zehn Jahre bei Faust lief und stets Literatur und Musik verbunden hat. Auf der Bühne laufen am Sonnabend 16.30 Uhr und 17.45 Uhr die Vorrunden der ersten Hannoverschen Stadtmeisterschaft. Ab 19.00 Uhr spielen der Indie-Folk-Künstler Tom Klose aus Hamburg , die Elektro-Punk-Band Prada Meinhoff aus Berlin und der Slam-Autor Sven Kamin aus Wedel.

Video: Prada Meinhoff -Cocktail

Apollo-Kino zeigt „An den Gleisen“, Limmerstraße 50

Das Apollo-Kino an der Limmerstraße zeigt zum Kiosktag den Film „An den Gleisen“. Um 18.00 Uhr geht es um Boizenburg, eine kleine Elbestadt in Mecklenburg-Vorpommern. Mitten auf dem Bahnhofsvorplatz steht ein in die Jahre gekommener Kiosk, der von 5.00 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet hat. Er dient aber auch als Stammkneipe für Schichtarbeiter aus den Schlachthöfen, Arbeitslose, Taxifahrer und Rentner. Ende 2015 kommen am Bahnhof Tausende Flüchtlinge an, die ins nahe gelegene Erstaufnahmelager wollen. Die Stammgäste, die normalerweise hier Bier trinken und Fußball schauen, fangen an, über Politik zu diskutieren und ihre eigene Situation zu reflektieren. Wir treffen auf einen besonderen Moment, wo sie uns Einblicke in ihren Lebensalltag gewähren und über ihre Frustrationen und Hoffnungen reden. R: Dieter Schumann, D 2017, 85 Min., FSK 12 J.

Erzählcafé mit Liane Korbach bei köschk am Herrenhäuser Markt 9

Liane Korbach hat mehr als 40 Jahre im Kiosk direkt am Herrenhäuser Markt gearbeitet – und viele Geschichten über Kunden und Kioskkultur gesammelt. Sie hat sogar ihren Mann Christian am Kiosk selbst kennengelernt. Zum Kiosktag lädt sie um 12.30 Uhr zu einem Erzählcafé ein und wird ein wenig mit den Zuhörern in Erinnerung schwelgen.

Lodderbast zeigt „Alphaville“, Berliner Allee 56

Das Lodderbast versteht sich als Kulturkiosk und lädt zum Kiosktag von 13.30 bis 17.00 Uhr zum Open House ein. Dazu gibt es um 14.00 Uhr, 15.00 Uhr, und 16.00 Uhr Kurzfilme bei freiem Eintritt. Um 20.00 Uhr läuft dann Godards „Alphaville“ (1967). Der Musiker Malte Hollmann begleitet den Science-Fiction Film von Jean-Luc Godard mit elektronischen Klängen. FR/IT 1967 | R: J. – L. Godard| Mit deutschen Untertiteln | 89 Min. | FSK ab 16; Eintritt 15,00 Euro

Video: Kioskkult(ur)

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