Anti-Flag – American Spring

Seit über 20 Jahren positioniert sich Pittsburghs Polit-Punk-Vierer Anti-Flag mit ganz klaren Statements an der Spitze der musikalischen Straßenkämpfe dieser Welt. Mit erhobenen Fäusten blicken sie dem vorherrschenden politischen Diskurs direkt ins Auge. Es wird angemahnt und abgestraft.

Im direkten Vergleich zu vorhergehenden Alben wie „The Terror State“ oder „For Blood And Empire“ wirkt „American Spring“ musikalisch gesetzter, scheint sich jedoch in jeder Sekunde auf die textliche Botschaft zu konzentrieren.

Laut Oxfam ist zu erwarten, dass zum Jahr 2016 1% der Menschen mehr als die Hälfte des Reichtums auf der Erde angesammelt haben. Ein mehr als erschreckender Fakt, der in dem Song “The Great Divide” angegangen wird. “Es findet ein Klassenkampf statt. Die Reichen tragen ihn gegen die Armen aus und in einer Welle von niederschmetternden Schlägen gewinnen sie ihn, immer und immer wieder”, so Frontman Justin Sane. “Der meiste Reichtum konzentriert sich auf etwa 200 Großunternehmen, welche wiederum einer kleinen Gruppe an Menschen gehören, die diese führen. Wir leben wie in einem besetztem Land. Als die Nazis damals Frankreich besetzten gab es die Résistance. Es obliegt uns allen, die auf diesem von Korporationen besetzten Gebiet leben, Widerstand zu bilden und zu leisten.

„Sky Is Falling“ öffnet recht düster die Tür zu einem mehr als üblem Thema. In einer nahezu perfekten Symbiose zwischen schwerfälligen Gitarren, einem voranpeitschendem Schlagzeug und tief betroffenen Gesängen wird einmal mehr klar, wieviel Sinnlosigkeit ein Drohnenschlag beinhaltet.
Der Großteil der Texte auf “American Spring” kommt aus Chris #2´s Feder. „Ich fühlte mich zerfetzt, verletzlich und unsicher über meine Identität. Ich hatte noch nie diese Erfahrung zuvor gemacht. Immer wenn ich also begann mir die Politik in der Welt anzuschauen, kam ich nicht drum rum, jede Sache mit etwas, das in meinem Leben geschah, zu verbinden.”

Mit dem durch Punk-Ikone Tim Armstrong (Operation Ivy, Rancid) unterstütztem Song „Brandenburg Gate“ konnte er einen lang gereiften Wunsch verwirklichen: “Seitdem ich Songs schreiben kann, wollte ich schon immer so einen Song mit dieser Art von Groove schreiben.“

Hochkarätige Unterstützung gibt es auch bei „Without End“: Tom Morello von Rage Against The Machine spendet ein Solo im Song gegen das Konzept des militärischen Sieges über den Terror.

Ungehört und -gesehen konnte es einfach kein Hexenwerk sein vorherzusehen, dass „American Spring“ die anstehende Präsidentschaftswahl an den Pranger stellen wird. „Are you my enemy of friend/ This place, it sucks and I don´t give a fuck“ wettert Justine Sane, Gitarrist, Sänger und Mitgründer von Anti-Flag in “Low Expectations”. „Wir nähern uns einer Präsidentschaftswahl, wo die Wahl zwischen Hillary Clinton und Jeb Bush fallen könnte. Ich verstehe, warum die Leute frustriert sind. Wir können davon ausgehen, dass egal wer gewählt wird Banken, Wall Street, Öl-Interessen und der militärisch-industrielle Komplex befriedigt werden wird.“

„Veränderung geschieht in kleinen Schritten. Der erste Schritt, daran beteiligt zu sein, ist sich dessen bewusst zu sein. Ich hoffe die Platte kann eine Ermutigung für Leute sein, nie aufzugeben”, erklärt Sane.

Solange die vier Pittsburgher Stoff haben albenweise Songs zu schreiben, kann man davon ausgehen, dass die Welt noch nicht in Ordnung ist.

Von Maria

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