Anxious – Little Green House

Zu irgendwas muss ja diese Corona-Pandemie doch gut sein. Das dachten sich zumindest die junge fünfköpfige Post-Hardcore Band Anxious aus Connecticut, deren Touringpläne durch die Pandemie gecancelt wurden. Also noch einmal zurück ins heimische Studio und weiter am Debüt-Album „Little Green House“ akribisch gewerkelt, bis es so klang, wie sie sich es gewünscht hatten. Das ging sogar soweit, dass die kompletten Gesangsspuren über den Haufen geworfen und neu eingesungen wurden, bis das Gesamtwerk so klang, wie es von Anfang an in ihrem Kopf klingen sollte. Ob sich der Hang zum Perfektionismus ausgezahlt hat?

„Little Green House“ ist ein wirklich sehr gelungenes Debüt, welches sich definitiv lohnt reinzuhören und abzutauchen in die Welt und der Geschichte des kleinen grünen Hauses.Sash

Energiegeladen und ungemein catchy

Mit „Your One Way Street“ wird das Album gleich mal mit Schmackes eröffnet und man wird direkt sehr angenehm an Title Fight erinnert, ohne dass sich Anxious komplett wie ein Abklatsch anhören. Hier treffen catchy Hooks auf energiegeladene und treibende Songs mit, wie es sich für eine Band gehört, die ihre Wurzeln in Bands wie Texas Is The Reason oder Samiam haben, schmerzerfüllte Texte. Diese handeln vom Erwachsenwerden (Growin Up Song“), Scheidung oder unausweichlichen Veränderungen, wie z.B. den Verlust eines Freundes („Your One Way Street“).

Sänger Grant Allen und Gitarrist Dante Melucci schaffen es mit ihrem Songwriting auf sehr empathische Weise dazustellen, wie es ist, erwachsen zu werden, mit all seinen Kämpfen aber auch Freuden. Der ganz Schreibprozess fand übrigens in einem kleinen grünen Haus statt, nachdem das Album auch benannt wurde. Grant sagte hierzu:

„Ich denke, ein großer Teil des Albums ist eine Interpretation von Beziehungen zu anderen Menschen und Selbstreflexion. Ich bin mir sicher, dass es bald zum Klischee wird, zu sagen: ‚Während der ganzen Zeit der Isolation konnte ich wirklich mal über Dinge nachdenken.‘ Aber Zeit zu haben, um sich hinzusetzen und in sich zu gehen, gibt einen wirklich neue Perspektiven auf sich selbst und auf die Beziehungen zu anderen Menschen. Es folgte die Erkenntnis, dass man sich zwar mit vielen Menschen verbunden fühlt – ob es nun die Eltern, die Freunde aus der Highschool oder die Leute, die man durch die Musik kennt-, es aber zwangsläufig vorkommt, dass alle ganz individuelle und schließlich getrennte Wege gehen. Und das ist okay.“

„Es ging uns nur darum, etwas zu schaffen, das sich eindeutig nach uns anfühlt“

Der Opener überzeugte ja bereits. Aber auch im weiteren Verlauf beweisen die Jungs ihr sehr feines Händchen fürs Songwriting und vor allem durch ohrwurmverdächtige Melodien. Die Band ist fast durchgängig sehr treibend unterwegs, ohne dabei aber aggressiv zu wirken, was sehr gut zur thematischen Stimmung des Albums passt. Songs wie „Let Me“, welcher mit starken Vocals von Pat Flynn der Band Fiddlehead die Kirsche auf das Eis serviert bekommt, „In April“ oder „Call From You“ wissen auch nach mehrfachem Hören immer wieder erneut zu begeistern. Da Highlight stellt wohl aber der Song „Growing Up Song“ dar, welcher mit einem wirklichen extrem guten und ohrwurmlastigen Chorus Chorus endet (As I get older, How it pains me to say that I want you, And I’m small to file and sort you, But it pains me to say that I want you). Den kriegt man echt so gut wie gar nicht mehr aus der Birne. Hut ab, Jungs.

Dass Anxious aber auch anders können, beweisen sie mit dem letzten Track des Albums „You When You’re Gone“, der in bester Dream-Pop-Manier und wunderschönen Guest-Vocals von Stella Branstool einen schönen Abschluss findet und auch beweist, dass Anxious sich nicht in eine Schublade stecken lassen wollen. Sänger Grant sagte noch zum Schaffensprozess des Albums:

Es war kein Ziel etwas zu kreieren, das einen bestimmten Sound oder eine bestimmte Ära perfekt reproduziert. Es ging uns nur darum, etwas zu schaffen, das eindeutig nach uns anfühlt. Etwas das ganz und gar uns entspricht.

Das hat Anxious definitiv geschafft und ein Album geschrieben, dass dieses bittersüße Gefühl einfängt, dorthin zurückzukehren, wo man aufgewachsen ist, sich an die vergangenen guten wie auch schlechten Zeiten zu erinnern und letztendlich festzustellen, wie das Leben alles ums sich herum aber auch einen selbst mit der Zeit verändert hat und nichts mehr mit dem zu tun hat, wer man mal an diesem Ort war. „Little Green House“ ist ein wirklich sehr gelungenes Debüt, welches sich definitiv lohnt reinzuhören und abzutauchen in die Welt und der Geschichte des kleinen grünen Hauses. Wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft für Anxious noch alles bereithält.

Video: Anxious – Growing Up Song

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