As I Lay Dying, Erra und Bleed From Within in Hannover 14. Dezember 2018, Capitol

    As I Lay Dying 15_14.12.2018_Capitol Hannover_Hanna Hindemith
    Foto: Hanna Hindemith

    Diese Band polarisiert – nach langjähriger Pause sind die Metalcore-Veteranen von As I Lay Dying zurück auf der Bühne. Doch nicht nur die turbulente Vergangenheit von Sänger Tim Lambesis sorgt derzeit für Gesprächsstoff, sondern auch der neue Song „My Own Grave“. Bei ihrer ausverkauften Show im Capitol Hannover werden sie von Erra und Bleed From Within supported.

     

    „Thank you for giving us a chance!“

    Starker Auftakt der Briten

    Während Bleed From Within pünktlich um 20.00 Uhr mit ihrer brachialen Deathmetal-Show anfangen, stehen viele Besucher noch in Schlangen – entweder an der Garderobe, um die Winterjacken loszuwerden, oder an der Bar. Da muss man Prioritäten setzen. „Thank you so fucking much“, begrüßt Sänger Scott Kennedy das Hannoveraner Publikum und beweist gleich zu Beginn einen Hang zum Fluchen.

    Erst in diesem Jahr wurde das neue Album „Era“ veröffentlicht. Und die Songs „Crown Of Misery“ und „Ruina“ heizen die Crowd bereits gut an. Headbangen lautet die Devise der Stunde und die langen Haare der Glasgower Musiker eignen sich dafür hervorragend. „You’ve been truly fucking incredible and I want everyone in this room to make some noise“, feuert Scott weiter an und das Capitol kommt der Aufforderung gerne nach. „Alive“ ist das letzte Stück des Abends von Bleed From Within, bevor sie sich stilecht mit „Cheers, motherfuckers“ verabschieden.

    Mit halber Kraft voraus

    Als wenig später die Metalcore-Combo Erra ihre Show mit dem Intro „Valhalla“ startet, ist das Publikum im Capitol eher verhalten. Das Quintett aus Birmingham – welches sich vor allem durch seine hohe Fluktuation der Bandmitglieder auszeichnet – hat im August diesen Jahres bereits das vierte Album veröffentlicht.

    Shouter JT und Sänger Jesse bemühen sich mit „Give me a Hell Yeah“ die Menge anzuheizen und ihr Plan geht auf. Beim Song „Drift“ sind Hände in der Luft, wohin man blickt und vor der Bühne entsteht ein Circle Pit. Wenig später findet auch der erste Crowdsurfer des Abends seinen Weg in die Arme der Security. Gegen Ende geben Erra bei „Skyline“ noch mal richtig Gas, aber das Publikum spart sich seine Energiereserven wohl für die Headliner des Abends auf.

    Ein Bad in der Menge

    Endlich wird es im Saal dunkel und das Intro der lange erwarteten Headliner As I Lay Dying ertönt. Kaum sind Tim Lambesis und seine Mitstreiter zu sehen, fliegen die ersten Becher mit Bier Richtung Bühne. Das lange Warten hat sich gelohnt – die Amerikaner eröffnen ihre Show mit dem Intro „Washed Away“ und es ist, als hätte man eine Bombe im Capitol gezündet.

    Die Menge singt mit, mehrere Crowdsurfer finden ihren Weg nach vorne und es ertönt tosender Applaus. „You guys have a good time so far? Can we see one Circle Pit for the next Song?“, fragt Sänger Tim. Und bei den ersten Akkorden von „Within Destruction“ nimmt die Stimmung im Saal noch mehr Fahrt auf. Aber auch ältere Stücke wie „The Sound Of Truth“ dürfen in der Setlist natürlich nicht fehlen. Während einer kurzen Verschnaufpause verteilt Tim ein paar High Fives in der ersten Reihe und dankt den Vorbands des Abends: Erra und Bleed From Within.

    Aus Fehlern kann man lernen

    „We are so thankful to be back“, erklärt die Band aus San Diego. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. In den vergangenen Jahren haben sich As I Lay Dying aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, nachdem Frontmann Tim Lambesis 2013 wegen der Anstiftung zum Mord an seiner Ehefrau inhaftiert wurde. Nachdem er vor zwei Jahren auf Bewährung freikam, ging es auch mit As I Lay Dying weiter. Doch die Fangemeinde ist seitdem gespalten und viele können sich aufgrund des Skandals auch mit der Musik der Metalcore-Legenden nicht mehr identifizieren. Vor diesem Hintergrund ist auch die neue Single „My Own Grave“ entstanden, vor der Tim erklärt, dass ihm dieser Song viel bedeute. „Thank you for giving us a chance!“, bedankt er sich bei den Fans.

    Die Menschenmenge im Capitol ist derweilen zu einer undefinierbaren, schwitzenden und springenden Masse verschmolzen und einige Crowdsurfer hängen sogar kopfüber in der Luft. Einen wunderbaren Abschluss bilden schließlich die Zugaben „94 Hours“ und „Confinded“, danach ist der Wahnsinn für diese Nacht vorbei. Denn wenn der halbe Saal auf Händen getragen wird und sich die Sicherheitskräfte kaum mehr vor Arbeit retten können… Ja, dann sind As I Lay Dying in der Stadt.

    As I Lay Dying

    Erra

    Bleed From Within

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