Booze & Glory – Hurricane

In den vergangenen ein bis zwei Jahren haben sich Booze & Glory einen echten Namen in Europa erspielt. Grund waren nicht zuletzt unzählige Konzerte und Festivalauftritte. Nun wird es also Zeit für die in London gegründete Band, Studioalbum Nummer 5 nachzulegen. Dieses veröffentlicht das Quartett erstmalig über das Bandeigene Label Scarlet Teddy. „Hurricane“ ist ein musikalischer Neustart und auch ein stückweit ein Bruch mit dem Skinhead-Sound früherer Tage. Dafür fließen hier zu viele andere Punkeinflüsse ein, wofür letztendlich auch Produzent Mathias Färm von Millencolin verantwortlich ist. Und doch gelingt es Booze & Glory fast schon spielend, tolle Melodien und Ohrwürmer zu kreieren.

„Im Grunde bedeutet „Hurricane“ für Booze & Glory einen Neustart.“

„Hurricane“: 12 Songs – Jeder klingt etwas anders

Booze & Glory waren schon immer eine echte Multikulti Oi- bzw. Streetpunkband. Dies hat sich auch 2019 nicht geändert. Die Band, die das neue Album „Hurricane“ eingespielt hat, besteht derzeit aus Sänger Mark, der aus Polen kommt, dem Spanier Chema am Bass, Gitarrist Kahan, der ebenfalls aus Polen stammt und Drummer Frank aus Italien. Diese Formation erarbeitet mit „Hurricane“ ein extrem abwechslungsreiches Album, mit Sing-A-Longs und vielen neuen Einflüssen, die sich auch durch den häufigen Einsatz einer Hammondorgel zeigen.

Los geht es mit „Never Again“ und einem kurzen Orgelintro. Dann werfen Booze & Glory den Turbo an. Der Opener ist schnell, treibend und vereint bereits zum ersten Mal neue Einflüsse, sowie die typischen Sing-A-Long-Parts, die die Band schon immer so groß und stark gemacht haben. Dann folgt mit „Ticking Bombs“ einer der besten Songs des Albums, bereits vorab bekannt durch ein Video, in dem auch Musiker von The Casualties, Sick Of It All oder Ignite mitwirken. Die Musiker sind auch bei den Gangshouts zu hören und machen den Song schnell zu einem Ohrwurm. Auffällig sind hier zudem die Gitarrenriffs, die eine klare Metalkante erkennen lassen. Die neuen Einflüsse sind also in fast jedem Song auf unterschiedliche Art zu erkennen.

Punkrock, Elton John und eine Ballade

Mit „10 Years“ setzt sich die Band ein eigenes Denkmal und feiert so das eigene 10-jährige Bestehen. Der Refrain verfügt übrigens über einen unglaublichen Ohrwurmcharakter. Wirklich gut, vor allem da „10 Years“ locker auch auf früheren Alben Platz gefunden hätte. „Live It Up“ dagegen verkörpert mehr denn je die Arbeit von Mathias Färm. Denn der Song erinnert stark an Skatepunk-Gebolze der 1990er Jahre. Und dennoch schafft es die Band hier wieder einen tollen Refrain mit schöner Melodie zu integrieren und den Track zu einer klaren Booze & Glory-Nummer zu machen. „The Guv´nor“ ist dann im Midtempo-Bereich anzusiedeln und besticht erneut durch tolle Melodien und einen Refrain, der zum Mitsingen einlädt. Der Titeltrack startet mit einem Klavierintro, begleitet von Marks Stimme und entwickelt sich dann zu einer groovigen Rock-Nummer, die erneut zum Mitwippen und Mitsingen animiert. Durch die Klavierbegleitung erinnert der Song irgendwie ganz entfernt an die Broilers, mit denen Booze & Glory schon eine Menge Liveshows gespielt haben.

„Ein Highlight, eine echte Hymne und eine Hommage.“

Mit „My Heart Is Burning“  gelingt der Band dann der klassische Working-Class-Song. Schnell, melodisch und erneut mit Sing-A-Long-Charakter und reiht sich so perfekt in britische Streetpunksongs der vergangenen 20 bis 30 Jahre ein. „Goodbye“ dagegen hat einen leichten Folkpunk-Touch, kann aber auch voll punkten. Erneut ein richtig starker Song. „Darkest Nights“ ist die logische Weiterführung, erneut ein Track mit gutem Refrain und schönen Melodien. Dann folgt mit „I´m Still Standing“ ein Elton John Cover. Nette Idee, aber im Großen und Ganzen der schwächste Song des Albums. „Three Points“ ist direkt wieder ein Highlight, eine echte Hymne und eine Hommage an den Lieblingsclub der Band, West Ham United. Stark.

Als letzten Track des Albums hat man sich mit „Too Soon“ für eine klassische Ballade entschieden. So rundet das Quartett „Hurricane“ mehr als passend ab, denn der Song gelingt auf ganzer Linie, Gänsehaut inklusive, handelt das Lied doch von denen, die viel zu früh von uns gegangen sind. Ein mehr als schöner Schlusspunkt auf einem Album, dass im Grunde nur einen Ausfall zu verzeichnen hat.

Der Neustart gelingt vollkommen

Im Grunde bedeutet „Hurricane“ für Booze & Glory einen Neustart. Nach dem letzten Album „Chapter IV“ ging Bassist Bubbles nach Australien. Gitarrist und Mitsänger Liam verließ auch die Band, ein zugegeben herber Verlust, denn die Zweitstimme machte Booze & Glory gesanglich richtig stark und verlieh dem Gesang etwas mehr Tiefe, die hier und da nun fehlt. Dies ist auch die vielleicht einzige echte Schwachstelle auf „Hurricane“. Sänger Mark hat zwar eine sehr gute und angenehme Stimme, doch merkt man, dass seine Stimme nicht für alle Tonlagen gemacht ist und er häufig allein auf weiter Flur zu sein scheint.

Hinzu kommt, dass auch musikalisch ein Neustart zu hören ist. Denn Booze & Glory lösen sich hier endgültig von ihrer Skinhead- und Oi-Vergangenheit und lassen deutlich mehr Einflüsse zu, als auf früheren Alben. Dies ist natürlich auch ein Verdienst von Mathias Färm und seiner Produktion, die beispielsweise Elemente des Skate- oder Folkpunks einbringt. Booze & Glory gelingt es dabei ihrem Image bei der Ausrichtung und den Texten treu zu bleiben. Musikalisch ist vieles neu, aber auch abwechslungsreicher und vielseitiger geworden. So kommt ein Punkalbum heraus, dass nicht allen alten Fans gefallen, aber dafür viele neue Freunde finden wird. Denn dafür ist „Hurricane“ zu gut. Man darf gespannt sein, wie viele der neuen Songs auf der anstehenden Tour live gespielt werden, wie sie live klingen und ankommen werden. Da die meisten Songs wie geschaffen für Liveauftritte zu sein scheinen, kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Ein sehr starkes Album!

Video: Booze & Glory – My Heart Is Burning

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Hier erhältlich
Booze & Glory - Hurricane AlbumcoverBooze & Glory – Hurricane
Release: 18. Oktober 2019
Label: Scarlet Teddy Records