Chuggaboom – Death Pledge

Auf den ersten Blick wirken ChuggaBoom sympathisch trashig: Horrorkostüme, passende Songtitel und ein leicht freaky anmutendes Gesamtkonzept. Bislang hatte ich die Band noch nicht auf dem Schirm und bin also gespannt, was mich auf dem neuen Album „Death Pledge“ erwartet.

Wer mit dem Humor der Band nicht warm wird, der wird auch an der Musik wenig Freude haben, da beides Hand in Hand geht und nicht ohneeinander kann.Marvin

Angenehm stumpf

Mit „Simpler Times“ und „The Hatred“ (letzteres mit Ben Ville von InVision) legt das Album gut los und die Richtung, in die das Ganze geht, wird schnell klar: stumpfer metallischer Hardcore mit Augenzwinkern und einer ordentlichen Portion Humor. „The Hatred“ beispielsweise setzt sich mit dem Hass unter Bandmitgliedern auseinander, die gemeinsam auf Tour sind und sich von Tag zu Tag mehr auf die Nerven gehen. Besungen werden verliehene und nie zurückgegebene Ladekabel für Smartphones, schlechte und unerträgliche Witze der Bandkollegen und der schlechte Atem eines Mitglieds. Im Refrain wird dann ziemlich grafisch beschrieben, zu welch düsteren Gedanken diese ganzen kleinen Nervigkeiten treiben können. Ben Villes Feature beginnt mit der Vorstellung, aus Hass auf die eigenen Bandkollegen von InVisions die Bands zu tauschen und bei ChuggaBoom einzusteigen. Dass das nicht gut gehen kann, merkt er dann genauso schnell: „Ugh, fuck, shit you’re as bad!“ sind die letzten Worte des Songs.

Nur ein Beispiel für den recht geil umgesetzten Humor der Band. Sympathisch, aber für einige sicherlich auch etwas zu stumpf. Dabei stehen die ersten zwei Songs dann exemplarisch für den Rest des Albums, denn viel ändert sich nicht. Hier und da gibt es nette kleine Ideen, aber auch wenig Überraschungen. Die braucht es allerdings auch nicht, denn in der Geradlinigkeit liegt auch eine Stärke der Band. Alles kommt gut auf den Punkt und wird selten langweilig.

Voll auf die Zwölf

„Death Pledge“ hat immer wieder gute Ideen, die dann auch konsequent umgesetzt werden. Das dann aber eher auf der Ebene der Songtexte. Musikalisch sind hier keine großen Experimente oder technische Feinheiten zu erwarten. ChuggaBoom gehen von der ersten bis zur letzten Sekunde voll auf die Zwölf und alles andere würde hier auch einfach nicht zum Gesamtkonzept passen.

So ergeben sich einige kurze Lacher, aber auch wenig Tiefgang. Wer mit dem Humor der Band nicht warm wird, der wird auch an der Musik wenig Freude haben, da beides Hand in Hand geht und nicht ohneeinander kann. So muss man für „Death Pledge“ schon ein gewisses Ohr für die auf die Schippe genommenen Klischees haben und sich auch mit den Texten anfreunden können, um wirklich Spaß mit dem Album zu haben. Dann allerdings zündet es.

Kurzweilig, aber geil

„Death Pledge“ macht kurzfristig Spaß. Viele Songs ziehen ihren Reiz aus den Lyrics und können diese nicht mehr überraschen, fehlt den Songs etwas der Anreiz zum Wiederhören. Dabei sind die Tracks keinesfalls schlecht, nur eben etwas zu unspektakulär für die Langzeitrotation.

Für den musikalischen „Snack“ zwischendurch macht das Album allerdings eine Menge Spaß. Schön, dass sich ChuggaBoom nicht zu ernst nehmen und offensichtlich auch selbst Spaß haben an dem, was sie tun. Das spürt man und das macht einen Großteil des Reizes aus, den man „Death Pledge“ nicht absprechen kann.
Auf zukünftigen Alben darf sich die Band gerne noch etwas mehr trauen und die eigenen Stärken etwas bewusster ausspielen. Die Gastauftritte beleben das Album und hier würde ich auch gerne mehr hören.

Video: ChuggaBoom ft. Ben Ville – The Hatred

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Fazit

Wer auf Satire steht, sich auch mal gerne über das gewollte und augenzwinkernde Durchexerzieren von Klischees freuen kann, der wird „Death Pledge“ sicher mögen. Auf ziemlich sympathische Art und Weise präsentieren ChuggaBoom hier zwölf Songs, die allesamt Spaß machen und sehr kurzweilig sind.

Alles in allem ergibt sich das musikalische Pendant zu den Kino-Slashern der Marke Scream: unterhaltsam und gut gemacht, immer mit „Hirn aus“. Abgerundet wird das Ganze dann durch zwei sehr cool eingesetzte Gastauftritte. Sicher nichts, was man auf die diesjährige Top Ten Liste schreibt, aber doch schon ein nettes Album, das man gerne auch mehrmals hört.

ChuggaBoom werde ich sicher erst mal auf dem Schirm behalten und freue mich auf die nächsten Releases. Potenzial ist nämlich definitiv vorhanden.