Die Donots und Matze Rossi in Hannover

    Donots
    Foto: Hanna Hindemith

    Nachdem das aktuelle Album „Lauter Als Bomben“ direkt in die Spitze der Deutschen Charts einschlägt, begeben sich die Donots auf die Straßen und Bühnen der Republik, um die neue Scheibe gebührend zu feiern. Am heutigen Abend bekommen die Ibbenbührener Unterstützung von Matze Rossi. Der Singer/Songwriter gehört zu den liebgewonnenen Besuchern der Niedersächsischen Hauptstadt. Gemeinsam mit rund 1500 Besuchern bringen die Musiker das Venue an der Leine ordentlich zum schwitzen.

    Eröffnet wird der Abend durch Matze Rossi. Der sympathische Bayer hat sich längst in die Herzen der Hannoveraner gespielt. Los geht es mit dem Titel „Analog Am Stück“. Kurze Zeit später erreicht das erste „Dankeschön, vielen Dank“ den Zuschauerraum und wird definitiv nicht die letzte Dankessagungg des Abends bleiben. „Wenn man 41 wird, beschäftigt man sich immer mehr mit dem Altwerden“, erklärt Matze und merkt an, dass er über seinen 40. Geburtstag nachdachte, als er 38 war und sich das nächste Lied genau darum drehe. Angestimmt wird der Selbstdialog „Erzähl Mir Nichts“.

    Punkklassiker, Mut-Jameson und brennende Leidenschaft zur Musik mit Matze Rossi

    Während einige noch damit beschäftigt sind zu quatschen, zeigen sich andere Besucher außerordentlich textsicher. Matze Rossi verzaubert die Gäste nicht nur mit seinem Charme und seiner charakterstarken Stimme, er sorgt mit seinen oft humorgeschwängerten Stories mitten aus dem Leben für breites Schmunzeln auf den Gesichtern. Nach dem eingängigen Ohrwurm „Kein Zweifeln Und Bedauern“ stellt der deutschsprachige Sänger und Songwriter einen „tragischen, ganz tragischen“ Song vor. Vom Publikumschor unterstützt, erfreuen sich alle Punkverliebten am Knochenfabrik Klassiker „Filmriss“.

    Mit einem großen Schluck aus der Flasche Mut-Jameson berichtet der Würzburger, dass er für den nächsten Song ganze Parts der Pixies geklaut habe. Er habe Frank Black mehrmals angeschrieben, dieser hätte allerdings nie reagiert. Das wertet Rossi mal als klare Zustimmung. Grinsend bittet er das Publikum, ihn bei seinem angenehm selbstironischen Song „Warum Aus Mir Und Meinen Freunden Nichts Mehr Werden Kann“ über das typische „Where Is My Mind“ Introsummen zu unterstützen.

    Traditionell ehrt Matze auch seinen verstorbenen Freund Wautz. Für den Frontmann der Band Red Tape Parade schrieb er den Song „Best Friends“. „All for one and one for all“ – mit einer großen Geste an die Freundschaft schließt Rossi ein mehr als authentisches Set voll brennender Leidenschaft zur Musik.

    Stimmstark werden die Donots in Hannover begrüßt

    Als sich das Licht im Capitol nach einer kurzen Umbaupause erneut verdunkelt und „Blitzkrieg Bop“ als Warm Up angespielt wird, ist schnell klar, dass an diesem Abend die Ramones nicht nur das letzte, sondern auch irgendwie das erste Wort haben. Episch legt sich das traditionelle Donots-Intro über das ehemalige Kino am Schwarzen Bär. Es wirkt fast, als würde Winnetou Hand in Hand mit Karl May durch den Wilden Westen reiten.

    Es dauert keine Sekunde bis das Publikum die Band aus Ibbenbüren stimmstark begrüßt. Die Show nimmt sofort Fahrt auf und die Besucher geben ordentlich Gas. Die Donots sind auf „Lauter Als Bomben“-Tour und schon peitscht der Albumopener „Geschichten Vom Boden“ über die Bühne. Wie wild schlagen die Gäste ihre Hände im Takt der Musik über den Köpfen zusammen. „Guten Abend, Hannover“, gibt Ingo Donot (Interview) die Marschrichtung vor. Der Tanz ist eröffnet!

    „Lauter Als Bomben“ ist nicht nur der namensgebende Titel der aktuellen Scheibe (KreuzverHör), sondern auch irgendwie das einschlägige Motto, wenn man sich die Atmosphäre über eine Momentaufnahme auf der Zunge zergehen lässt. Die ersten Crowdsurfer haben zuverlässig wie eh und je ihren Weg eingeschlagen. Unterstützende Fäuste ragen in die Luft. Holy Guacamoly, hier geht die Post ab! Jeder, aber wirklich jeder Duracellhase erstarrt vor Neid, wenn er die Knollmann Brüder über die Bühne fegen sieht. Energetisch besetzen sie jeden verfügbaren Monitor.

    „Wir sind auf ‚Lauter Als Bomben‘-Tour und fahren diesen Zug mit 250 Sachen gegen die Wand“

    Bevor Ingo Donot wirklich zu Wort kommen kann, setzen lautstark „Donots, Donots“ skandierende Chöre ein. Es ist keine halbe Stunde vergangen und die Band wirkt sichtlich fasziniert von ihren Gästen. Irgendwann schafft Ingo es mit der Unterstützung seines Bruders Guido das Publikum offiziell zu begrüßen. Pathetisch ankündigend fragt er: „Seid Ihr alle angeschnallt? Wir sind auf ‚Lauter Als Bomben‘-Tour und fahren diesen Zug mit 250 Sachen gegen die Wand“. Zustimmender Jubel macht sich breit und auf Ingos Geheiß schnellen erneut alle Hände in die Luft. „Problem, Kein Problem“ vom Vorgängeralbum „Karacho“ wird augenblicklich lautstark mitgegrölt.

    „Ich habe gehört, Ihr sprecht hier das klarste Hochdeutsch?“, so Ingo und ergänzt: „Ibbenbüren ist aber echt nah dran. Ist aber auch scheißegal. Nach dem vierten oder fünften Bier sprechen auch die Bayern gleich“. Auch bei den Donots darf ein gut pointierter Humor nicht fehlen. Kurzerhand wird die Crowd in Pit- und Moshvolk geteilt. Und nachdem der Herr Knollmann feststellt, dass er extra für den heutigen Abend sein Slayer Shirt angezogen habe, wird auf dem Balkon standesgemäß gemoshed und vor der Bühne ein ausgelassener Pogo getanzt. „Whatever Forever“ reicht die Staffel an den Song „Calling“ vom 2010er Album „The Long Way Home“ weiter.

    „Wir waren uns alle einig: Nazis sind Arschlöcher!“

    Auch wenn Humor und eine gesunde Portion Sarkasmus gerngesehene Unterstützer der Donots sind, gibt es immer wieder ganz ernste und authentische Themen auf den Shows. Nimmt man sich das Publikum mal genauer unter die Lupe, stechen neben alten und neuen Bandshirts vermehrt Statementshirts mit klarer Aussage gegen Rechts ins Auge. Dann dauert es auch nicht lang, bis Ingo von dem heutigen Gig in der IGS Roderbruch erzählt: „Wir waren uns da alle einig: Nazis sind Arschlöcher! Diese ganze Welt ist schon beschissen genug. Wir sollten uns mehr zusammentun, denn Arschlöcher sind Arschlöcher.“ Weiter geht es mit „Rauschen (Auf Allen Frequenzen)“.

    Neben benannten Shirts findet man auch Antifa und Kein Bock Auf Nazis Flaggen im Publikum. Bevor „Dann Ohne Mich“ angestimmt wird, schreit Ingo „Ganz klar gegen Nazis“ und holt sich die beiden Flaggen inklusive ihrer Besitzer auf die Bühne. Das Publikum zeigt sich solidarisch und skandiert ausdauernd „Nazis raus“. Ingo findet das echt „romantisch“, denn „Das Ende Der Welt Ist Längst Vorbei“.

    Schwebende Crowdsurfer und funkelnde Augen

    Noch lang nicht beim Bergfest des Abends angekommen, fühlt sich die Stimmung längst über den Zenit gerauscht an. Auch wenn das Publikum eigentlich schon längst in Extase ist und der Sound druckvoll den Tanzenden entgegenprescht, peitschen Ingo und Guido Donot die Zuhörenden mehr und mehr an. Eine nicht enden wollende Begeisterung steht den Musikern ins Gesicht geschrieben und Ingo stellt anerkennend fest, dass dieser Abend doch erst der zweite der aktuellen Tour sei und die Herren gerade Mal in der Aufwärmphase. Immer wieder bedankt sich der Fünfer bei seinen Fans, dem Veranstalter, dem Venue und Matze Rossi. Mit hocherhobener Brust wirkt es, als würden die Herren Knollmann auf den Monitoren die Energie der Crowd förmlich inhalieren. Wie ein Lasso schwingt Ingo immer wieder das Mikro durch die Luft und der Rest der Band bearbeitet die Instrumente bis zum Abwinken.

    Bei „Stop The Clocks“ wird es fast melancholisch. Ruhig schweben die Crowdsurfer gen Bühne und der Rest singt mit funkelnden Augen die Zeilen der Donots aus voller Kehle. Ein bisschen Hannover steckt auch in den Donots, so ist es kein Wunder, dass Gitarrist Alex Siedenbiedel hinter seiner harten Schale einen richtig schwarzen Kern versteckt, wie Ingo es zu formulieren mag. Die Stimmung ist ausgelassen und Ingo übt mit dem Publikum ein fast martialisches „Hu-Ha!“. Guido stellt unterdessen trocken fest, dass so ein Publikum ja auch eigentlich Kundschaft ist. Er würde sich jetzt auf einen Kundensalat freuen und feuert den nächsten Circle Pit – der irgendwann bis zum Maschsee ausgeweitet werden soll- an. Ingo muss lachen und feixt: „Sehr geehrte Kundschaft…“.

    Ein Abend voller Gefühl, Humor und Menschlichkeit

    Ein wirklich faszinierendes Mischverhältnis aus Adrenalin, Euphorie und dem absoluten Glück ist in jeder verdammten Zelle spürbar. Mit der Energie, die sich heute im schönen Linden Mitte frei setzt, könnte man locker die drei warmen Brüder für die nächsten drei Tage beleuchten. Chapeau! Dann muss sich auch Ingo kurz sammeln. Guido und Jan plaudern über Matze Rossis Frühstücks Jameson – Chuck Ragan wäre stolz. Ingo hat sich wieder zusammen gesammelt und tendert die Empore an. Mit den Worten „Hasta luego, motherfucker“ macht er sich auf den Weg und steht kurze Zeit später auf einem Lichttechnikträger, bereit für den Absprung. Von erhobenen Armen gestützt landet er sicher im Publikum. Kurze Zeit später verabschiedet sich die Band.

    Es dauert nicht lang, bis sie von den mittlerweile bekannten Donots-Chören zurückgeholt werden. Guido leitet mit „Eine Letzte, Letzte Runde“ die Zugabe ein. Auch Viva con Aqua und Kein Bock auf Nazis wird gedankt und dafür geworben Gutes zu tun und zu spenden. Die Donots wissen genau was sie wollen und Hannover hat die Herzen der Ibbenbürener erobert. Wenn Sandro von Hannover Concerts es schaffen würde den Donots einen persönlichen Fahrstuhl zu installieren, dann gehöre die Band den Hannoveranern – klare Ansage, Ingo!

    „So Long“, der Song mit Frank Turner, soll den Abend schließen. Nach so viel Einsatz und rund zwei Stunden setzt Ingo etwas daneben ein und stoppt sofort: „Ich werde diesen Abend nicht in scheiß Moll oder Fick Dur ruinieren“. Er legt erneut los und die Zuschauer stimmen mit Gänsehautchören ein. Für diese wunderbare Unterstützung hauen die Donots noch einen Song mehr raus, als geplant. Mit der Liebe zur Musik besingen die Donots gemeinsam mit ihren Gästen einen Abend voller Gefühl, Humor und Menschlichkeit.

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    CYB Präsentation