Flogging Molly – Anthem

Flogging Molly sind mittlerweile mehr, als nur eine Folkpunk Band. Sie sind im Grunde eine Macht, eine Institution. Wenn man an Folkpunk denkt, fallen einem als erstes die Dropkick Murphys ein, doch dann folgen schon Flogging Molly. Vielleicht ist es auch andersherum? 25 Jahre Bandgeschichte und so unfassbar viele Song-Highlights und tolle Alben wie „Drunken Lullabies“ haben diesen Status zementiert. Nun folgt am 9. September 2022 das siebte Studioalbum „Anthem“. Und dies versucht an den Wurzeln der Band anzuknüpfen. Ob das gelingt?

Was an diesem Album am meisten fasziniert ist, dass es Flogging Molly tatsächlich wieder gelingt, den Spirit der 2000er einzufangen und zu zelebrieren. Und vor allem ist das neue Werk so abwechslungsreich ausgefallen, wie es Flogging Molly schon lange nicht mehr gelungen ist. Robert

Schon ein Vierteljahrhundert beglücken uns die Folkpunk-Titanen Flogging Molly also mit feinstem irisch geprägten Folkpunk. Fünf Jahre ist es her, dass mit „Life Is Good“ das letzte Studioalbum auf den Markt kam. Und trotz der langen Wartezeit ist die Vorfreude auf „Anthem“ im Vorfeld überschaubar. Zu gleichgültig und wenig mitreißend sind die letzten beiden Alben, neben dem genannten auch das 2011er Werk „Speed Of Darkness“, im Gedächtnis hängengeblieben. Daher sind vielleicht auch die Erwartungen geringer, denn diese werden bereits mit den ersten Klängen des neuen Albums komplett übertroffen.

Reise in die Vergangenheit

Denn von Beginn an catcht „Anthem“ und zieht den Hörer in seinen Bann. Dies liegt daran, dass es dem Septett mit Hauptwohnsitz in Los Angeles tatsächlich gelingt, an den starken Momenten der Anfänge anzuknüpfen. Hierfür ist sicher auch Steve Albini mitverantwortlich, der schon die ersten beiden Studioalben „Swagger“ und „Drunken Lullabies“ produziert hat und für einen tollen Sound sorgt. Dies liegt auch daran, dass die Band auch neuere Einflüsse in die Songs miteinfließen lässt, die vor allem bei jedem weiteren Hördurchgang ihre Stärken entfalten. Dazu zählen das unglaublich starke „Life Begins And Ends (But Never Fails)“ oder das rein akustisch gehaltene „The Croppy Boy ’98“, welches an einen Mittelaltermarktbesuch erinnert. Tradition wird hier groß geschrieben.

Aber auch Partysongs sind zu finden, wie der tolle Opener „These Times Have Got Me Drinking“, das mitreißende „A Song of Liberty“ oder „The Road Of Mine“. Alle drei Lieder werden vor allem live für viel Bewegung sorgen und führen auch beim Hören im heimischen Wohnzimmer zu spontanen Tanzeinlagen. Aber auch das sehr abwechslungsreiche „(Try) Keep The Man Down“ sorgt für tolle Momente und wird zum Ende hin immer irischer und traditioneller. Überhaupt spielen Flogging Molly wieder sehr stark mit den traditionellen und klassisch irischen Elementen. Das merkt man auch in den Balladen „No Last Goodbyes“, „The Parting Wave“ oder dem besonders ruhigen und nachdenklichen „These Are The Days“. Aber auch die Midtempo-Nummer „Now Is The Time“ oder das hymnenhafte und mit einem starken Sing-A-Long versehene „Lead The Way“ beweisen Klasse und entwickeln sich zunehmend zu absoluten Hits.

Fast alle Songs auf „Anthem“ beweisen Klasse und entwickeln sich zunehmend zu absoluten Hits. Robert

Traditionell, abwechslungsreich, einfach stark

Auf „Anthem“ ist auf den ersten Blick alles enthalten, was der geneigte Fan erwartet. Vom treibenden Tempo über den markanten Gesang bis hin zur typischen Instrumentierung mit Geige, Akkordeon oder Banjo ist alles am Start. Trinkfreudig und bewegungsorientiert gehen Flogging Molly hier vor. Natürlich dürfen auch die ruhigen Momente nicht fehlen, die es hier in Form von drei Balladen auf das Album geschafft haben. Hier hätte es sicher auch eine Ballade weniger getan, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Was an diesem Album am meisten fasziniert ist, dass es Flogging Molly tatsächlich wieder gelingt, den Spirit der 2000er einzufangen und zu zelebrieren. Und vor allem ist das neue Werk so abwechslungsreich ausgefallen, wie es Flogging Molly schon lange nicht mehr gelungen ist.

Von Beginn an setzten sich Melodien und Songs im Gehörgang fest und entfalten immer mehr ihre Melodien, ihre Stärken. Und so entwickelt sich „Anthem“ immer weiter und steigert sich von Hördurchgang zu Hördurchgang – auch wenn sich die Celtic-Punker sicher nicht neu erfinden. Sie machen hier aber nahezu alles richtig. Starkes Album, dass man Flogging Molly nach den letzten eher schwächeren Alben und der längeren Wartezeit so vielleicht gar nicht mehr zugetraut hätte. Großes Kino. Ganz stark!

Video: Flogging Molly – Song Of Liberty

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