Hansol Seung von Shoreline im Interview

Shoreline
Foto: Pressefreigabe/KINDA

Shoreline haben just ihr neuestes Werk „To Figure Out“ vorgestellt und sind seit Ende Januar bereits fleißig unterwegs. Da bis Anfang Mai noch einige Termine auf dem Plan stehen und eine neue Platte ohnehin genügend Gesprächsstoff bietet, haben wir uns mal mit Hansol zusammengesetzt, um zu quatschen.

„Über das letzte Jahr fiel es mir etwas schwerer das Touren zu genießen. Mir hat das Unterwegssein nicht mehr so viel Spaß gemacht, ich habe mich unsicher gefühlt und dann sehr vieles hinterfragt – ob das ok ist, dass ich so viel Zeit in diese Band stecke, ob ich überhaupt gut singen kann, ob ob ob ….“

Moin, wie geht’s euch? Was gibt’s Neues?

Hallo, danke der Nachfrage! 😊 Ich sitze gerade in Zürich, es ist 1 Uhr nachts und wir haben hier mit Spanish Love Songs und Heart Attack Man gespielt. Mir geht es interessanterweise körperlich gerade echt viel besser als zu Hause *lacht* ich habe eine Tagesstruktur, bewege mich regelmäßig und viel, sehe viele Menschen und Städte, quasi das Gegenteil von Schichtarbeit zu Hause.

Bald erscheint euer neues Album. Was unterscheidet „To Figure Out“ von euren bisherigen Alben?

Es ist vor allem soundtechnisch anders, weil wir das kreative Team hinter der Platte verändert haben, also Produzenten, Mixing und Mastering Engineer. Zuvor haben wir alles mit Jochen Stummbillig vom Kaputtmacher Studio in Bochum gemacht, von ihm auch extrem viel gelernt und ich würde auch sagen, dass er mit uns einen recht eigenständigen Sound erarbeitet hat. Trotzdem wollten wir nach einer EP und zwei Alben mal was Neues ausprobieren und haben mit Chris Teti aus CT, USA zusammengearbeitet. Ich finde, die Platte klingt härter und auch wenn es etwas albern klingt – auch amerikanischer. Kris Crummett aus Portland, Oregon hat es gemastered und dadurch, dass beide aus den USA kommen und dort an wichtigen Alben für die Szene mitgearbeitet haben, ist das irgendwie auch nicht verwunderlich. Wir haben das Album zu Hause selbst aufgenommen mit der Hilfe von Chris.

Um was geht es auf der neuen Platte und was davon ist für euch am bedeutungsvollsten?

Es ist ähnlich wie der Vorgänger ein sehr politisches Album geworden. Wir sprechen z.B. aus verschiedenen Perspektiven über die Klimakrise. In “Green Paint” geht es beispielsweise um das Greenwashing von riesigen Unternehmen oder in “Reviver” darüber, nicht zu hoffnungslos zu werden, trotz der ziemlich düsteren Perspektiven, die uns derzeit gegenüberstehen.

Anders als noch auf “Growth” gibt es einige sehr persönliche Songs über unsere Beziehungen mit unseren engsten Menschen. Mein aktueller Lieblingssong ist “Loose Contacts”, in dem es darum geht, wie verständnisvoll und unterstützend unsere Partner*innen und Freund*innen sind, obwohl wir (wegen der Band) nicht immer so viel Zeit oder Kapazitäten haben.

Was hat sich maßgeblich an eurem Songwriting geändert über die letzten Jahre?

Über Corona haben wir angefangen viel remote zu schreiben, d.h. jeder von uns hat einen PC zu Hause, auf dem man auch alleine im Wohnzimmer Demos aufnehmen kann. Davor haben wir Songs von Grund auf im Proberaum zusammen geschrieben. Ich persönlich genieße die Remote-Lösung sehr, weil man die Möglichkeit hat Ideen auszuformulieren, bevor man sie präsentiert und auch schneller viel tiefer ins Songwriting eintauchen kann.
Darüber hinaus macht es auch dann genauso Spaß die Demos „in echt“ mit der Band umzusetzen, anzupassen oder umzuschreiben, je nachdem wie sich der Song anfühlt. Die Essenz warum wir Songs schreiben hat sich aber nicht groß geändert. Für mich ist immer das Wichtigste, ob das Thema der Songs mich packt und bewegt. Wir verbringen wirklich viel zu viel Zeit mit der Band und auf Tour, um über Sachen zu singen, an die ich nicht glaube.

Ihr habt eure erste Headliner-Tour im April. Was glaubt ihr, wird das besondere daran sein und worauf freut ihr euch am meisten?

Ah es ist nicht wirklich unsere erste Headliner-Tour, wir haben für jedes Album auch eine dazugehörige Tour gemacht. Aber ich kann verstehen wo der Eindruck herkommt, wir waren die letzten Jahre echt viel als Support unterwegs. Ich freu mich vor allem darauf, nachdem wir fertig sind mit spielen, nicht unsere kompletten Instrumente/Backline innerhalb von 7 Minuten von der Bühne bekommen zu müssen, damit der Headliner rechtzeitig beginnen kann *lacht*. Es ist echt immer ganz anders für das eigene Publikum zu spielen. Viele der Menschen zu sehen, die uns seit Jahren begleiten und unterstützen, ist wirklich wirklich schön.

Eure Tour in UK habt ihr abgesagt. Was ist passiert? Habt ihr euch zu viel vorgenommen?

Ja, das war ein bisschen ärgerlich, dass wir die eigenen Shows canceln mussten und zwar quasi 3 Tage nachdem wir sie angekündigt haben *lacht*. Aber der Grund dafür ist ein toller: wir sind im März als Support für Knuckle Puck in UK. Deren Wunsch und Bitte war, dass wir aussenrum nicht selbst noch viel dort spielen. Ich mag die Band sehr und das wird unsere erste größere Support Tour in UK, deswegen war das eigentlich ein no-brainer das so zu machen.

Welche Motivation bringt ihr mit auf die Bühne?

Ohne zu esoterisch klingen zu wollen, ist es echt ein befreiendes, schönes Gefühl zu spielen. Es ist oft so, dass ich beim Spielen richtig loslassen kann und es sehr genieße, mit den anderen aus der Band so viel Musik machen zu dürfen. Der Moment, wenn das Set losgeht und wir den ersten Song spielen, schiebt mich der Adrenalinkick so sehr nach vorn, es ist einfach ein echt tolles Gefühl.

Was habt ihr auf Tour mit Spanish Love Songs für euch gelernt oder mitgenommen?

Über das letzte Jahr fiel es mir etwas schwerer das Touren zu genießen. Mir hat das Unterwegssein nicht mehr so viel Spaß gemacht, ich habe mich unsicher gefühlt und dann sehr vieles hinterfragt – ob das ok ist, dass ich so viel Zeit in diese Band stecke, ob ich überhaupt gut singen kann, ob ob ob ….
Um den Bogen zu bekommen: Ich hab die SLS Tour sehr genossen und war oft glücklich. Zu erfahren, dass ich wieder happy sein kann, damit so viel zu spielen, ohne dabei Probleme und Aufgaben von zu Hause zu verdrängen, war schön und wichtig für mich zu sehen.

Euer Lieblingsgegenstand, der auf Tour nicht fehlen darf?

Das ist sehr einfach *lacht* meine Kulturtasche. Seitdem ich angefangen habe direkt nach der Show zu duschen, fühle ich mich 100% besser, egal wie lange wir am Stück spielen *lacht*.
Thank you!