Im KreuzverHör: Underoath – Voyeurist

Am heutigen Freitag veröffentlichen Underoath ihr brandneues Album „Voyeurist“. Sash und Marvin haben vor Release die Köpfe zusammengesteckt und sich in einem Kreuzverhör über die neuen Songs ausgetauscht.

Man merkt dem Album an, dass wirklich jedes Bandmitglied beim Schreibprozess involviert war. Langeweile kommt nie auf. Was das angeht, kommt an Underoath in dem Genre so schnell keiner ran.Sash

Sash: Das Jahr ist noch gar nicht so alt und schon geht es mit einem ziemlichen Schwergewicht in die neue musikalische Runde. In diesem Sinne: Ein frohes, wenn auch schon etwas spätes, neues Jahr und bleibt gesund. Eine der Posthardcore-Bands überhaupt bringt gleich zu Beginn des neuen Jahres ihr neues Album namens „Voyeurist“ raus. Die Rede ist natürlich von niemand geringerem als Underoath, deren letzte Scheibe tatsächlich schon fast wieder vier Jahre alt ist. Die Vorfreude war bei mir also ziemlich groß und die Vorabveröffentlichungen hatten schon mal definitiv Lust auf mehr gemacht. Wie war es bei Dir, Marvin?

Marvin: Die Vorabveröffentlichungen haben mich auch sehr gekriegt! Vor allem „Cycle“ mit Ghostmane. Richtig geile Kombi an Künstlern. Ich muss allerdings gestehen, dass ich Underoath früher sehr gefeiert habe und dann nach „Defining The Great Line“ nicht mehr viel mitbekommen habe von der Band. Dabei gefällt mir „Voyeurist“ beim ersten Hören wirklich sehr. Ich mag diesen düsteren Vibe. Irgendwie wirkt die Band weniger chaotisch als ich sie in Erinnerung habe. Weniger Screamo, aber mehr Düsternis. Vielleicht trügt mich meine Erinnerung, aber das ist mein erster Eindruck. Was sagst Du, Sash?

„Ein recht cooler Wechsel aus Härte und Atmosphäre“

Sash: Da hast Du nicht ganz Unrecht, vor allem mit dem chaotischem Part. Das macht ihre Musik auch ein wenig zugänglicher, obwohl die wirklich seeeeehr düstere Stimmung des Albums erst einmal verdaut werden muss. Und weniger Screamo bedeutet ja auch nicht, dass das Album nicht hart ist. Ganz im Gegenteil sogar. Ich hatte bei den ersten Hörgängen so leichte „Lost In The Sound Of Separation“-Vibes.

Marvin: Mir gefällt, dass die melodischen Parts sehr episch angelegt sind. Irgendwie ergibt sich daraus ein recht cooler Wechsel aus Härte und Atmosphäre. Vor allem das Ende von „Hallelujah“ ist da so ein Positivbeispiel für. Was für ein geiler Breakdown. Hammer.

Sash: Auf jeden Fall. Und wenn Spencer komplett allein „This Is Fuckin‘ Hell“ bölkt, bekomme ich immer wieder Gänsehaut. Den Refrain von „Numb“ finde ich auch sehr episch, der hat mich beim ersten Hören dermaßen gefesselt. Wahninns-Track.

„Ein beklemmenderes Intro habe ich selten gehört…“

Marvin: Ich liebe die Samples und finde Underoath haben da eine Menge cooler kleiner Ideen untergebracht, die das Album spannend halten. Allein das Intro zu „I’m pretty sure I’m out of luck…“ finde ich immer wieder großartig.

Sash: Ein beklemmenderes Intro habe ich selten gehört. Grade dann noch im Kontext mit dem Song…brrr. Da läuft es einem echt eiskalt den Rücken runter.

Marvin: Je öfter ich die Scheibe höre, desto abwechslungsreicher finde ich sie. Was das Songwriting angeht sind die Jungs echt groß. Kein Vergleich mehr zu den Alben die ich kenne. Da hat sich ordentlich was getan. Und ich mochte die Band damals schon sehr, aber was da auf „Voyeurist“ songwriterisch passiert, ist ganz groß.

Sash: Man merkt dem Album auch an, dass wirklich jedes Bandmitglied beim Schreibprozess involviert war. Langeweile kommt nie auf. Was das angeht, kommt an Underoath in dem Genre so schnell keiner ran. „Voyeurist“ unterstreicht dies ziemlich dick.

“ Irgendwie ist „Voyeurist“ das, was ich mir vor einem Jahr vom neuen Architects Album erhofft habe.“

Marvin: Irgendwie so ein ganz kleines bisschen mehr Härte hätte es aber doch sein dürfen. (Wieso schreibe ich diesen Satz so oder so ähnlich so unglaublich oft?) Mir gefallen viele der harten Parts unglaublich gut und ich mag es, wie diese in den Song eingebunden sind. Es hätten aber ein paar mehr Haudrauf-Momente sein dürfen.

Sash: Da bin ausnahmsweise mal nicht ganz Deiner Meinung, Marvin. Ich finde, die Härte ist hier einfach eine andere. Die kommt vor allem von der Düsternis und dieser Beklommenheit, die das Album so unglaublich gut transportiert. Für Haudrauf-Momente waren Underoath ja noch nie wirklich bekannt. So, langsam mal Zeit für ein Fazit, oder?

Marvin: Insgesamt find ich das Album wirklich großartig. Da stimmt so viel. Abwechslungsreich, unglaublich gut geschrieben und vor allem spannend durch und durch. Geile Mischung aus catchy und anspruchsvoll. Irgendwie ist „Voyeurist“ das, was ich mir vor einem Jahr vom neuen Architects Album erhofft habe.

Sash: Dem kann ich nur voll zustimmen. Das Jahr beginnt für mich gleich mit einem richtigen Kracher. „Voyeurist“ macht genau gekonnt dort weiter, wo „Erase Me“ aufgehört. Ich dachte damals schon, dass es nicht besser geht und war von dem Comeback schlichtweg umgehauen worden. Aber was Underoath hier abgeliefert haben, ist definitiv eines ihrer besten Alben und zeigt einmal wieder deutlich, dass Underoath immer noch zu absoluten Speerspitze im Post-Hardcore gehören. Checkt das Album auf jeden Fall aus. Es lohnt sich richtig.

Video: Underoath – Damn Excuses

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