Jeff Rosenstock und DOE in Hannover

    Jeff Rosenstock
    Foto: Maria Graul

    Pünktlich um 20.00 Uhr starten DOE in den Abend. Die aus England oder genauer gefasst Aberdeen, Southampton & Essex stammende Band checkt noch schnell ihre Instrumente und startet ohne großes Brimborium in den Abend. Nicola, Jake und Dean halten es natürlich und legen den Schwerpunkt klar auf ihre Songs. Durch die sympathische und witzige Interaktionen mit ihrem Publikum geben sie ihrer Musik einen angenehmen Rahmen.

    Dass es der 2013 gegründeten Band keineswegs nur um leere Akkorde geht, zeigt sich in jedem Song. Mit ihrem emotionalen, harmoniegeladenen und punkgefärbten Indierock schaffen sie es schnell, sich für das Publikum interessant zu machen. Mit im Gepäck haben sie ihr aktuelles Album „Some Things Last Longer Than You“. DOE erinnern irgendwie an die Musik aus dem Seattle der 1990er Jahre. Somit ein absoluter Tipp für Fans einer Mischung aus Sleater-Kinney und Weezer. Auch Nirvana- und Pixiefans kommen bei DOE auf ihre Kosten. Bassisten? Die Briten beweisen eindrücklich, dass eine Band auch einwandfrei ohne auskommen kann.

    Auf der Bühne gleicht er einer geschüttelten Flasche Sprudelwasser

    Der charistmatische Singer/Songwriter Jeff Rosenstock betritt schwungvoll die Bühne. Mit den Worten „Hannooooooooover, would you like to have fun with us tonight?“ begrüßt er sein Publikum und startet mit dem Opener „We Begged 2 Explode“ seines aktuellen Albums „Worry“. Der aus Long Island stammende Songwriter gehört zu den Besten seiner Generation. Auf der Bühne gleicht er einer geschüttelten Flasche Sprudelwasser. Wurde einmal daran gerüttelt, strömt die pure Liebe zur Musik unaufhörlich aus ihm heraus. Er springt auf und ab, schüttelt sich, reist die Hände in die Luft, kreuzt die Bühne und bewegt sich euphorisch ins Publikum. Letzteres leitet Rosenstock sichtlich impulsiv ein und landet direkt vor den Füßen der Besucher. Nachdem er umknickt und äußerst ungemütlich auf dem Boden zusammensackt, spiegelt sein Gesicht für eine unbestimmte Zeit den Stillstand der Welt.

    Es ist fast paradox zu beobachten, dass das Publikum größtenteils weiter feiert und schnell die Singstimme übernimmt. Die Band wirkt irritiert, spielt aber auch weiter. Irgendwie scheint keiner so richtig einschätzen zu können, was gerade passiert. Unterdessen verzieht Rosenstock das Gesicht. Noch immer ist man unsicher, ob man es hier mit einer Showeinlage oder einem ernstzunehmenden Unfall zu tun hat. Besonders nach einem nicht wirklich durchschaubaren, kurzen und mehr nonverbalen Austausch mit seinen Bandkollegen wirkt es fast, als würde er seinen Song unverstärkt weiter brüllen. Erst, als sich Jeff Rosenstock schmerzgeplagt die Bühne hochzieht und auf einem Hocker niederlässt wird klarer, dass der Künstler sich tatsächlich verletzt haben könnte. „Ok, it hurts to stand so I have to sit down… mayyyybeee. Would this be weird for you?“, richtet Rosenstock die ersten Worte nach seinem Sturz an sein Publikum. Dieses reagiert mit Verständnis.

    „Alright, what´s the most embarrassing thing you did today?“

    The Show must go on: Kaum eine Minute später steht der Künstler mit beiden Beinen fest auf der Bühne. Hinter ihm seine Band. Mit im Gepäck hat er am Bass seinen ehemaligen Bomb The Music Industry!-Kollegen John DeDomenici. An den Drumsticks unterstützt ihn kein geringerer als der Bruce Lee Band Schlagzeuger Kevin Higuchi. Es dauert nicht lange, bis sich der Ausnahmekünstler Rosenstock von seinem Sturz erholt: „Alright, what´s the most embarrassing thing you did today?“, scherzt er ins Publikum. Motorisch geht es jetzt etwas ruhiger auf der Bühne zu, umso kraftvoller röhrt er jedoch in sein Mikrofon. Neben Songs wie „Pash Rash Die“, „Wave Goonight to Me“ und „Festival Song“, spielt er hintereinander die fünf Songs „HELLLLHOOOLLE“, „June 21st“, „The Fuzz“, „…While You’re Alive“ und „Perfect Sound Whatever“ des aktuellen Albums „Worry“.

    Der smarte Sympath fesselt seine Zuschauer

    Mit Bomb The Music Industry gründete Rosenstock ein Musikerkollektiv, das den DIY-Gedanken wie kein anderes lebt. Mit seinen Texten, die sowohl persönliche als auch politische und sozialkritische Themen beleuchten, bewegt er sich nicht nur nah am, sondern mitten im Publikum.

    Die düsteren Täler, die Jeff Rosenstock bereits durchschreiten musste spiegeln sich nur dann auf der Bühne, wenn man ganz genau auf die Texte hört. Neben seiner absoluten Authentizität strahlt er Lebensfreude und Zuversicht aus. Der smarte Sympath fesselt seine Zuschauer und zaubert im Minutentakt Lächeln in deren Gesichter. Er ist einer von denen, die definitiv auf die Bühnen dieser Welt gehören. Das Publikum dankt es ihm textsicher. Gehen will an diesem Abend keiner. Doch Jeff Rosenstock spürt, dass sein Knie von dem Sturz nicht ganz okay ist. „We can only play one more, since I might have broken my knee!“, mit dem Kompromiss zu einer Zugabe lässt er das Publikum entscheiden und verabschiedet sich in die noch jungfräuliche Nacht im Keller unser aller Vertrauens.