KMPFSPRT – Euphorie und Panik

“Euphorie und Panik” – Zwischen diesen beiden Extremen bewegen wir uns wohl alle in den letzten Jahren. Oft mit mehr Tendenz zu der einen und noch öfter mit mehr Tendenz zu der anderen Seite. Einen passenderen Albumtitel hätten KMPFSPRT für ihr viertes Studio-Album daher wohl kaum wählen können. Zehn Jahre nach ihrer ersten EP “Affengeld” bringen die vier Kölner nun 12 neue Songs an den Start, die sowohl textlich als auch musikalisch einen puren Rundumschlag darstellen.

KMPFSPRT schrecken auch auf “Euphorie und Panik” nicht davor zurück, Stellung zu beziehen, ihre Meinung zu sagen oder ihr Innerstes nach außen zu kehren.Archi

Zurück zum Spirit der Anfangszeit

Aber von Anfang an: Nach dem mittlerweile vierten Besetzungswechsel an den Drums – mittlerweile ein KMPFSPRT’scher Running-Gag – und dem Release ihrer selbstbetitelten “Hardcore”-EP im Jahr 2020, hat die Band für “Euphorie und Panik” erstmals den Weg in Tonstudio 45 von Kurt Ebelhäuser gesucht und gefunden. Kurt war maßgeblich für die frühen Werke von Bands wie Donots, Pascow oder auch Adam Angst verantwortlich und hat auch der neuen KMPFSPRT-Platte seinen Stempel aufgedrückt. Er hat der Band geholfen, ein wenig den Spirit der Anfangszeit zurück zu bekommen, ohne jedoch außer Acht zu lassen, wie KMPFSPRT im Jahre 2022 klingen sollten.

Gitarrist David Schumann verrät: “Von allen unseren Alben erinnert mich ‚Euphorie und Panik‘ am meisten an unser Debüt ‚Jugend mutiert‘. Während der Songwriting-Phase hatte ich direkt das Gefühl, dass die Unbeschwertheit der frühen Tage zurück ist. Die Songs sind für uns ein unglaublich wichtiges Ventil gewesen, mit dem wir uns in den düsteren Tagen des Lockdowns etwas Luft verschaffen konnten. Es fühlt sich an, als wäre eine Menge Ballast von unseren Schultern gefallen.”

Meinung, Haltung und Einsamkeit

Diese Unbeschwertheit hört man auch direkt auf dem Opener “Scherben, Stein, Papier”, der mit einer kleinen Verbeugung vor den Gorilla Biscuits in Form von “Let’s start today” beginnt. KMPFSPRT geben sich auf “Euphorie und Panik” kämpferisch und frisch – daran soll ab dem ersten Ton kein Zweifel aufkommen. Und auch die drei Singles “Schottergarten Eden”, “Vom Augenwischer zum Millionär” und “Anti-Manifest” unterstreichen diese Haltung – KMPFSPRT schrecken nach wie vor nicht davor zurück, Stellung zu beziehen, ihre Meinung zu sagen, aber auch nicht davor, ihr Innerstes nach außen zu kehren. Bestes Beispiel dafür ist der Song “Löwen-Emoji”, der sich, unterstützt durch die Bläser-Sektion von 100 Kilo Herz, mit dem Thema Einsamkeit nach einer gescheiterten Beziehung befasst.
Dass die self-titled EP ihre Spuren hinterlassen hat, zeigen Songs wie das szenekritische “Schwanenkampf”, dass dann wieder meilenweit entfernt ist von Melancholie und Trübsal.

Kein “Easy Listening”

Wie der Name “Euphorie und Panik” schon verrät, bewegen sich KMPFSPRT auf diesem Album zwischen den verschiedensten Polen und Extremen, tauchen tief ab, nur um dann wieder empor zu steigen. Das macht das Album auf jeden Fall nicht zu einer “easy listening”-Session, denn viele Feinheiten in Text und Musik, aber auch im Zusammenspiel der einzelnen Songs untereinander, werden erst beim mehrmaligen Hören deutlich.

Eins ist jedoch sicher: Die neuen Songs werden sich nahtlos in das KMPFSPRT-Live-Set einfügen und sicher ein paar neue Publikumslieblinge hervorbringen.

Video: KMPFSPRT –

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