LÜT – Mersmak

Als Lernprozess durch Höhen und Tiefen beschreiben LÜT den Entstehungsprozess Ihres zweiten Albums „Mersmak“. Damit benennen die Norweger Begriffe, die wie gemacht für unsere aktuelle Zeit sind. „Mersmak“ ist ein besonderes Album. Nicht, dass es reichen würde, dass dieses Album echt gut ins Ohr geht und den Spannungsbogen von Song zu Song ordentlich in die Höhe treibt, es nistet sich fast unverschämt in jeder musikliebenden Pore seiner Hörerschaft ein. Ich möchte explodieren, wenn ich mir vorstelle, wie das Live funktioniert.

„Wer auch immer diese Band entdeckt und gefördert hat, gehört geküsst.“

 Scandirock fetzt

Ein Album also, das man allein mit der Zeile „Anwärter auf die Big Five des Jahres“ gut und ehrenhaft beschrieben hätte. Aber auch ein Album, das unfassbar neugierig auf nahezu alles macht, was damit im Zusammenhang steht. Los geht es bei den Besetzungswechseln. Wie schlägt sich die neue Formation mit Gitarrist Mads Ystmark (Heave Blood and Die) und ohne Hans Marius Mikkelsen und Viljar Ratama Dunderovic? Bringt das nennenswerte Veränderungen im Sound? Erinnert sich eigentlich jemand von Euch an den Auftritt beim Reeperbahn Festival? Ungeschliffene Diamanten gibt es zuweilen ja nicht wie Sand am Meer.

Wer auch immer diese Band entdeckt und gefördert hat, gehört geküsst. Scandirock fetzt und wird von den Norwegern definitiv, wie im Song „We Will Save Scandi Rock“ besungen, hochgehalten. Wobei es im Song nicht nur um den Erhalt der musikalischen Kultur, sondern auch um das dazugehörige gesellschaftliche Bild geht. Scandirock ist also, wenn sich das Beste des Alternative, von den Rock´n´Roll-Songs der 80er Jahre bis zu Postpunk-Hymnen und experimentellen Rocksongs unserer Zeit vereint und auf den Punkt heraus krakeelt wird.

Mehr Geschmack für diese verrohten Zeiten

Irgendwie stört es nicht mal, dass man, wenn man nicht ein bisschen die norwegische Sprache beherrscht, kein Wort verstehen kann. Ganz im Gegenteil. Es treibt einen an, die Texte zu ergründen und sich diese, wenn auch nur durch schlechte Onlineübersetzer, verständlich zu machen. Ich frage mich immer noch, ob „Mersmak“ wirklich „mehr Geschmack“ bedeutet, verstehe aber zumindest, dass es ums Aufbrechen, um eine zu hinterfragende Gesellschaft, eine ganze Menge Spaß und das Auferstehen eines Phönix aus der Asche geht. Ganz ehrlich, „mehr Geschmack“ würde zumindestens einem Teil dieser Gesellschaft, in diesen verrohten Zeiten, ganz gut stehen.

„Ich kann den Pogo förmlich riechen.“

Langweiligen Vergleiche braucht es nicht

„Strictly Business“ ist eine absolute Hymne und man möchte eigentlich die ganze Zeit wild durch die Gegend hüpfen und mit dem Fuß aufstampfen. Ich kann den Pogo förmlich riechen. „Mersmak“ ist frisch und neu, während es, wie der Titel „LÜTetro“ andeutet, eine sich verdient gemachte Basis des Genre wahrt. Genauso, wie der Stil und das Hörerlebnis, spielt auch das Albumcover mit der Gegensätzlichkeit. Wir brauchen das Bekannte und Vertraute, um uns auf einen abenteuerlichen Weg, voll von neuen Eindrücken und Erfahrungen machen zu können.

Auf „Mersmak“ kann man immer wieder alte Bekannte erahnen und von The Clash über Kvelertak bis zu The Hives ins interpretieren kommen. Macht man aber spannender Weise nicht, denn an jedem zu vergleicehnden Punkt fällt schnell auf, dass das uns geschenkte Hörerlebnis so wild und irgendwie sogar in seiner Gesamtheit neu ist, dass es all diese langweiligen Vergleiche gar nicht nötig hat. Das mit dem norwegischen Geheimtipp dürfte auch spätestens jetzt vorbei sein. LÜT sichern sich einen mehr als verdienten Platz im internationalen Musikzirkus und werden, davon kann man ausgehen, den Scandirock auch in den kommenden Jahren alle Ehre machen – allein, weil alles an dieser Band zu 100% authentisch und liebenswert erscheint.

Video: LÜT – Ingenting Å Angre På

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LÜT Mersmak AlbumcoverLÜT – Mersmak
Release: 12. Februar 2021
Label: Crestwood Records/Loud Media
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