Mean Jeans – Gigantic Sike

“Forget The Ramones – here are Mean Jeans.” Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben – aber zumindest hat die Band jetzt eure Aufmerksamkeit. Denn die verdient sie, spätestens seit der letzten Veröffentlichung “Jingles Collection” aus 2018 – dort hat die Band einfach mal 23 Werbejingles für Firmen wie Applebees, Mountain Dew und andere verfasst (Checkt es aus, es lohnt sich!).

„Genau so stellt man sich Punkrock doch vor – nicht lange labern, drei Akkorde auf einen Up-Tempo-Beat gepackt, ein paar juvenile Lyrics dazu und fertig.“

Einfach schreiben und der Rest ergibt sich

Nun folgt also “Gigantic Sike” – das vierte, reguläre Studio-Album der Mean Jeans, welches das Trio innerhalb von drei Tagen in Los Angeles aufgenommen hat, wobei der erste Tag darin bestand die Songs zu lernen und zu verfeinern und die anderen beiden Tage mit den Aufnahmen verbracht hat. Genau so stellt man sich Punkrock doch vor – nicht lange labern, drei Akkorde auf einen Up-Tempo-Beat gepackt, ein paar juvenile Lyrics dazu und fertig. Das war der Anspruch an “Gigantic Sike”: Songs schreiben, sie raushauen und nicht zu viel nachdenken.

Die traurige Existenz eines Party Boys

Und darin sind Billy Jeans (wer hier nicht schmunzelt, ist selbst schuld) und seine beiden Mitstreiter ziemlich gut. Billy sagt: “Natürlich sind die Songs schnell und machen Spaß, aber es steckt mehr dahinter – sie handeln von der traurigen Existenz eines Party Boys”. Das wird schon im Opener “Party Line” sehr deutlich, wo Mean Jeans von Coors Light und Kokain singen und Sänger Billy seine tatsächliche Telefonnummer verrät. Mean Jeans Humor allererster Güte. Doch tatsächlich – schaut man hinter die Fassade, so sieht man, dass niemand mehr Bock drauf hat mit Billy Party zu machen, also kann er seine Nummer auch einfach an Fremde geben, auf der Suche nach etwas Spaß und Ablenkung.

Die Infragestellung der eigenen Existenz

Dieses Thema durchzieht die elf Songs, die Mean Jeans in knapp 21 Minuten raushauen – es ist ein Fluchtplan, der alles infrage stellt. Ein Album, welches nach außen hin spaßig wirkt, aber nach innen immer wieder die eigene Existenz hinterfragt und fast schon metaphorisch-philosophisch nach Auswegen fragt. Billy Jeans möchte, dass sich Leute die Köpfe kratzen und sich fragen: “Verarscht dieses Album gerade mich und mein Leben?”.

Musikalisch erfinden Mean Jeans das Rad natürlich nicht neu, das wäre mit drei Akkorden im Ramones-Style auch nahezu unmöglich, aber dennoch bewegen sie sich auf überraschend neuem Territorium, wenn man sich einmal das Double-Time-Schlagzeug bei “Basement Animal” oder den unerwarteten Akkord-Wechsel bei “Just A Trim (Don’t Buzz Me Alright)” anhört.

Es lohnt sich also für jeden, der das hier liest, einmal 21 Minuten Zeit zu investieren und sich die Frage nach dem Verarschen selbst zu stellen. Ich kann sie mir nicht beantworten.

Video: Mean Jeans – Party Line

Hier erhältlich
Mean Jeans - Gigantic Sike AlbumcoverMean Jeans – Gigantic Sike
Release: 30. August 2019
Label: Fat Wreck Chords
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