Mercy Union und Awkward Reunion in Hannover 11. Juni 2019, Lux

Mercy Union_MariaGraul_Hannover_2019-9034
Foto: Maria Graul

Es ist Dienstagabend in Hannover. Heute spielen Mercy Union gemeinsam mit Awkward Reunion im Lux. Das lange Pfingstwochenende und das Booze Cruise Festival, was viele Hannoveraner nach Hamburg gezogen hat, scheint noch ordentlich in den Knochen zu stecken – anders ist der doch sehr überschaubare Besucherandrang von knapp 60 Gästen kaum zu erklären. Doch die, die da sind, bekommen richtig was geboten. So viel sei schon jetzt verraten.

„We are much far away from home, but it doesn´t feels like that, Thank You!“

Die dritte gemeinsame Show

Gegen 20.15 Uhr, einer sehr arbeitnehmerfreundlichen Startzeit, beginnen Awkward Reunion ihr knapp 30-minütiges Set. Bei dem Quartett handelt es sich um eine noch recht neue Kapelle, wie Bassist Jens bei einer der wenigen Ansagen erzählt. Dies ist heute erst die dritte Show der Berliner, die aber extrem routiniert agieren und sich absolut auf Ihre Musik fokussieren. Schnell wird klar, Anfänger sind Awkward Reunion nicht. Ein Blick auf die Vita verschafft dann auch Klarheit. Gitarrist Mike war bis zuletzt bei den Berlin Blackouts aktiv, der Rest der Band musizierte unter anderem schon bei Frontkick oder The Uprising. Besonders auffällig ist auch die angenehme und starke Stimme von Sänger Torri.

Awkward Reunion machen richtig Spaß. Im Gepäck hat die Combo, die musikalisch mit ihrem Melodic-Punk irgendwo zwischen den frühen Flatliners, Gaslight Anthem und den Bouncing Souls zu Hause ist, ein erstes Tape mit sechs Songs. Das Debütalbum soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr eingespielt und veröffentlicht werden. Man darf gespannt sein. Denn die Band zeigt Qualitäten, geht richtig gut ab und macht Lust auf mehr. So ist es auch nicht verwunderlich, dass für den zweiten Teil der Mercy Union Europa-Tour die Wahl des Supports auf die Berliner fiel. Ein guter Auftakt.

Bildergalerie: Awkward Reunion

Spielfreude pur

Die folgende Umbaupause ist erfrischend kurz und so beginnen Mercy Union bereits gegen 21.00 Uhr mit ihrer Show. Am Anfang fast noch etwas verhalten, legt das Quartett im Laufe der knapp 70 Minuten Spielzeit immer mehr Zurückhaltung ab und so entwickelt sich mehr und mehr ein klasse Konzert voller toller Melodien und einer Band, die unglaublich viel Spielfreude an den Tag legt. Das Publikum dankt es mit Applaus.

Auch hier stehen keine Anfänger auf der Bühne. Vielmehr kann man bei Mercy Union fast von einer Supergroup sprechen. Am Mikrofon ist mit Jared Hart (Interview) ein Musiker, der schon als Solo-Artist und Sänger von The Scandals für Aufmerksamkeit sorgte. Am Schlagzeugt sitzt mit Benny Horowitz der Drummer, der mit Gaslight Anthem bekannt wurde und mittlerweile gefühlt in jedem Jersey-Sound-Projekt seine Finger im Spiel hat. Die anderen beiden Musiker Nick Jorgensen und Rocky Catanese waren auch in Bands, wie unter anderem Let Me Run aktiv. Musikalisch kann man den Sound der US-Amerikaner am Besten irgendwo zwischen den obengenannten Bands einordnen, also als eine Mischung aus melodischen Punkrock, Rock und Alternative, gespickt mit etwas Americana und Soul.

So viel Gefühl, so viel Schmerz und gleichermaßen Wärme

Auf der Setlist steht das aktuelle Album „The Quarry“ (Albumreview) im Mittelpunkt. Es werden so gut, wie alle Songs dieses starken Outputs gespielt. Nach dem Auftakt „Fever Dreams“, folgt die aktuelle Single „Chips and Vics“. Dann sind die Tracks „Baggy“ und „Silver Dollars“ an der Reihe. Jared Harts meisterliche und außergewöhnliche Stimme thront dabei über allem. Der Sänger kann damit so viel Gefühl, so viel Schmerz, aber auch gleichermaßen Wärme ausdrücken. Insgesamt spielt die Band an diesem Abend in Hannover 16 Songs. Auch der Titelsong des gleichnamigen Albums ist darunter, sowie „Layovers“ oder „Totem“. Aber auch eine grandiose Version des Songs „Infrared“ von Strike Anywhere wird zum Besten gegeben. Man merkt richtig, wie das Publikum die Band immer mehr abfeiert und aus dem Grinsen und Staunen, vor lauter Glückseligkeit, kaum noch herauskommt.

Dann folgt Jareds Satz des Abends, für das Publikum im Raum eine besondere Ehre darstellt: „We are much far away from home, but it doesn´t feels like that, Thank You!“ Jetzt ist also auch noch Gänsehaut angesagt. Nach dem Finale kommt mit „Basements“ eine Zugabe, die die Gänsehaut nicht weichen lässt. Eine kurze Beratung später folgt mit „Wasted“ ein neuer Song und am Ende entlässt „Remember When“ das Publikum in die Nacht. Starker Abend, Klasse Band. Punkrock, Melodien und Gänsehaut aus New Jersey in Hannover!

Bildergalerie Mercy Union