No Fun At All gelten immer noch als die Speerspitze des europäischen Skatepunks oder Melodycores, auch wenn die Hochzeiten sicher vorbei sind. Die Schweden konnten dabei aber das europäische Pendant zu NOFX, Pennywise und Co. bilden und entwickelten sich in derem Schatten zu echten Vorreitern. Nach diversen Bandauflösungen und Reunions sowie ein paar Wechseln an den Instrumenten, ist die Band nun seit einigen Jahren schon wieder regelmäßig aktiv, ohne dabei zu viel zu touren. Daher hat es wohl auch ein wenig gedauert, bis das Quintett endlich mal wieder, nach sehr langer Zeit, in Hannover zu Gast ist. Am 25. April spielt die Band in der 60er-Jahre-Haller der Faust. Und der Club ist nahezu ausverkauft. Im Vorprogramm sind die deutschen Skatepunk-Urgesteine Skin Of Tears zu sehen.
Energie sparen für den Merch-Kauf
Skin Of Tears starten mit ihrem knapp 30-minütigen Set gegen 20:12 Uhr und geben aufgrund der Kürze der Zeit direkt Vollgas. Die Band aus Wermelskirchen begrüßt schnell die schon zahlreichen Anwesenden mit „Hallo Hannover, wir sind Skin Of Tears, schön dass Ihr da seid“ und legen los mit „Way Down Inside”, „Offline“ und dem Don Henley-Cover „Boys Of Summer“. Die Stimmung ist schon sehr gut, auch wenn die Tanzübungen vor der Bühne noch etwas verhalten ausfallen. Skin Of Tears waren erst im Dezember in Hannover als Support von Peter And The Test Tube Babies zu sehen und machen es heute fast noch besser als damals. Die Band um Sänger Toto ist mittlerweile seit fast 35 Jahren aktiv, auch wenn man zwischenzeitlich eine fünfjährige Pause einlegte. Und so hat man heute vor allem zahlreiche Klassiker im Gepäck. Dazu zählen u.a. „Relentless”, „Up The Cups” oder „Joking Apart”. Toto stellt fest, dass vor der Bühne im Grunde noch mehr möglich ist und schlägt daher vor: „Spart euch die Energie ruhig auf und tanzt nicht so viel, dafür kauft Ihr alle gleich unseren Merch“ und hat so die Lacher auf seiner Seite. Es folgen noch „Head And Shoulder”, „New Horizont“, „(Happy Birthday) Peter Pan“ und als großes Finale „Wide World“. Dann räumt man die Bühne für No Fun At All. Guter und sehr kurzweiliger Auftakt, der ziemlich gut ankommt.
Nostalgie pur – Back To The 90s
Nach einem erfreulich kurzen Umbau starten No Fun At All gegen 21:00 Uhr direkt mit „Invitation“, „Never Ending Stream“, „When The Time Comes“, „Wisdom?“ und „Dead And Gone“. Mit den ersten Klängen kennt Hannover kein Halten mehr. Party pur ist angesagt und diese pure Energie scheint sich auch auf die Bühne zu übertragen. Denn die Schweden haben offensichtlich Bock, zeigen viel Spielfreude, gute Laune und entführen das Publikum weit zurück in die 1990er Jahre, zu den Anfängen der Band und die Hochzeiten des Melodycore. Und so ist die Setlist auch wenig überraschend ein Best-Of und enthält Hits, Hits und noch mehr Hits. Sänger Ingemar, seit 1993 dabei, freut sich über die gute Stimmung, vor allem vorne im Pit. Es folgen u.a. „Should Have Known“, „Mine My Mind” oder “The Other Side”. Zwischendurch wird noch ein Führerschein auf der Bühne gefunden, den einer der zahlreichen Crowdsurfer verloren hat und den man sich abholen kann, es sei denn, es sei nicht wichtig, so Gitarrist Christer, der kurz vor der Tour wieder ins Line-Up zurückgekehrt ist.
Wir lieben das!
Wohin man an diesem Abend schaut, man sieht eigentlich nur glückliche Gesichter. Aber bei Songs wie „Perfection“, wo das Publikum lauthals den Part „Yeah. Yeah, Yeah“ übernimmt, „Suicide Machine“ oder „Catch Me Running Round“ auch kein Wunder. Danach ist im Übrigen bereits Schluss, doch die Band kommt noch einmal für eine Zugabe auf die Bühne und spielt anstatt der fünf angekündigten Songs noch sieben. Dabei lässt man sich auch nicht von technischen Problemen an der Gitarre aufhalten. Ingemar bedankt sich noch einmal für die tolle Unterstützung und die zahlreichen Besucher mit den Worten: „Wir lieben das“. Mit u.a. „Believers“, „Spirit“, „Beat Èm Down“, „Strong And Smart” und dem Überhit „Master Celebrator“, bei dem noch einmal sprichwörtlich das Hallendach abhebt, endet dann dieser denkwürdige Abend nach guten 70 Minuten Spielzeit. Wahnsinnskonzert, Zeitreise inklusive, dass No Fun At All hier hingezaubert haben. Das hat richtig Spaß gemacht und so hat sich die lange Wartezeit seit dem letzten Besuch doch ein wenig gelohnt.









