Start Konzertberichte The Undertones und No Berlin in Hannover, Faust

The Undertones und No Berlin in Hannover, Faust

Foto: Robert Höwelkröger

Es ist ein absolutes Highlight, wenn Legenden des Punkrocks noch auf Tour gehen und dann auch noch in deiner Stadt Sation machen. Zu den Legenden zählen mit Sicherheit The Undertones, die in diesem Jahr ihre 50th Anniversary-Tour zelebrieren und dabei eben auch in Hannover, in der 60er-Jahre-Halle auf dem Faustgelände, ihre Visitenkarte abgeben. Die Band ist dabei noch mit 4 von 5 Originalmitgliedern vertreten, was den Auftritt der Band aus dem nordirischen Derry noch spannender macht. Als Vorband sind No Berlin mit dabei.

Kommt vorbei und sagt „Hi“

Das aus Berlin stammenden Quartett startet pünktlich um 20 Uhr und die schon ordentlich gefüllte Halle wartet gespannt, was da kommt. Die Berliner oder eher Nicht-Berliner, wenn man den Bandnamen für voll nimmt, spielen eine Art Post-New-Wave, eine Mischung aus New Wave, Indie und Post Punk. Musikalisch liegt das irgendwo zwischen Radiohead, New Order und Pulp. Ruhige und melancholische Klänge dominieren den Auftritt, wobei auch die Ansagen eher zurückhaltend wirken. So ganz kann der Funke auch nicht überspringen, auch wenn es schon einige positive Reaktionen aus dem Publikum gibt. Zur Setlist gehören u.a. die aktuellen Singles „Flow“ und „And The World Will Never be The Same…Ever Again” von der neuen gleichnamigen EP. Vor dem finalen Höhepunkt „You´re Never Gonna See“ lädt Sänger Marc Erik die Anwesenden auf ein „Hi“ an den Merchstand ein und bedankt sich bei den Undertones für die Chance, die Tour begleiten zu dürfen. Dann ist nach knapp 30 Minuten Umbaupause angesagt. Ein ordentlicher Auftritt, aber mit Luft nach oben.

Best Of 50 Jahre Punk

The Undertones sind schon ein echtes Phänomen, denn die Herrschaften haben sich wahrlich gut gehalten. Gegen 21.05 Uhr starten das Quintett sein Set mit dem ersten von unsagbar vielen Hits „Jimmy Jimmy“. Es folgen „Male Model“ und „You´ve Got My Number“. Drummer Billy Doherty hat dann ein paar Probleme mit den Bühnenscheinwerfern, danach wird erneut „Jimmy“ als nächstes Lied angesagt, was im Publikum zu Verwunderung und Lachern führt. Die Band ist es etwas durcheinander, hat aber definitiv Spaß und zeigt viel Spielfreude. Das liegt auch am aktuellen Sänger Paul McLoone, der eine tolle Performance zeigt, das Publikum animiert und so für gute Stimmung sorgt. McLoone ersetzte 1999 den Originalsänger Feargal Sharkey, der sich eher anderen Projekten widmen wollte.

Die Stimmung ist zwar gut, es wird viel und laut mitgesungen, dennoch bleibt das Publikum die gesamte Spielzeit eher verhalten. Und dass trotz Songs wie „Boys Will Be“, „Lonely One“, „Gotta Getta“, „Girls Don´t Like It” oder „Thrill Me”. Die Mischung aus frühem Punkrock, New Wave und Glam gefällt aber dennoch, die Show ist super und die alten Herrschaften machen eine super Job. Ähnlich wie im Jahr 2019 oder war es 2018 (?), als die Nordiren zu Gast im Mephisto waren.

Tolle Songs, egal was andere sagen!

Weitere Hits des Abends sind dann noch der Überhit „Teenage Kicks“, „Hypnotised“, „She´s A Runaround“, „Wednesday Week“, „Hard Luck“, „My Perfect Cousin”, „When Saturday Comes” oder “See That Girl”. Der Schwerpunkt liegt schon klar auf den ersten beiden Alben der Band, die laut Bassist Michael Bradley noch immer gut sind. „Es interessiert uns aber auch nicht, wenn wer was anderes sagt“, so der Bassist weiter. Sänger Paul bedankt sich dann für den Support: „Ihr seid so gut zu uns!“, bevor mit „Get Over You“ das Ende des ersten Teils eingeläutet wird. Es folgen noch insgesamt sechs (!) Zugaben, u.a. „It´s Going To Happen“, „Emergency” oder „Here Comes The Summer”. Nach 95 tollen Minuten ist es dann vorbei. Die kann 400 Besucher haben wirklich etwas geboten bekommen, auch wenn Hannover einmal mehr mit Zurückhaltung glänzte. Das war dennoch einfach großartig!