Radio Havanna – Utopia

Was ist nur mit dem 12. Januar los? Die Szene der Bands im Bereich Deutschpunk des 21. Jahrhunderts scheint sich vorgenommen zu haben, die Charts mit einem großen Knall explodieren zu lassen und wünschenswerterweise die allgegenwärtige Popkonserve zu verdrängen. Neben Feine Sahne Fischfilet (Review) und den Donots (Review) veröffentlichen auch Radio Havanna ihr neuestes Werk „Utopia“.

Da geht noch was Radio Havanna! Oder halt weniger…

Titelführend stürzt sich das zwölf-songstarke Werk auf die temporäre Flucht aus der Realität. Das allerdings ganz und gar nicht im paranoiden Sinne, sondern auf einer sehr hoffnungsvollen, Mut gebenden und kampfbereiten Ebene. Hat man den Zenit der Mittzwanzig längst überschritten, steckt „Utopia“ voller Kontroversen. Einerseits überzeugt das absolut durchdachte, ehrliche und wütende Songwriting der Wahlberliner. Kritisch aber konstruktiv beobachtender Deutschpunk mit Augenzwinkern, geballten Fäusten und vor allem Optimismus ohne Ende.

Andererseits fällt dies – und das ist aktuell nicht nur bei Radio Havanna zu beobachten – dem doch sehr glatt gemischten Sound irgendwie zum Opfer. Starke Up-Tempo-Nummern, wie die gesellschaftliche Bestandsaufnahme „Mein Name ist Mensch“, verlieren in der pathosgeschwängerten und irgendwie fast militant wirkenden „La-La-La“-Marschrichtung leider zunehmen an Attraktivität. Das ist dynamisch ohne Ende, aber irgendwie ein bisschen too much und für meine Begriffe zu wenig „rotzig“. Da geht noch was – oder halt weniger.

Pop meets Punk meets Stadionrock und das nicht Mal nur im negativen Sinne

Radio Havanna bauen absolute Hymnen, welche sehr sicher auf den Festivals dieser Republik auf ganzer Ebene überzeugen werden. Live ein Selbstläufer: „Utopia“ scheint dafür konzipiert, sich in den Armen zu liegen, die Freiheit zu genießen und sich von dieser Band und den Menschen um einen verstanden zu fühlen. Pop meets Punk meets Stadionrock und das nicht Mal nur im negativen Sinne.

Summa Summarum ist es erfreulich, dass einem schnell das Bild kommt, dass auch Radio Havanna mit „Utopia“ mehr und mehr Menschen erreichen werden. Besonders für die junge, nachziehende Punkgeneration ein Gewinn. Die Message dieser politisch verdammt engagierten Band ist nämlich genau die richtige. Dann ist es hoffentlich keine Utopie zu glauben, dass tausende junge Menschen „Pfeffi war unser Champagner, die ganze Stadt war unser Bett. Uns’re Träume so groß wie die Hochhäuser von denen wir riefen: ‚Fuck the rest!'“-Chöre bilden und sich den Input und die Aussage Radio Havannas einverleiben. Das sie für die gute Seite ihre Faust in die Luft reißen und auf die Straßen gehen.

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