Rise Against – Nowhere Generation

Die Punkrock Institution Rise Against ist vier Jahre nach „Wolves“ endlich zurück mit ihrem neunten Studioalbum „Nowhere Generation“. Eigentlich hätte die Platte viel früher erscheinen sollen, doch wie viele andere Bands musste der Vierer aus Chicago Corona-bedingt umplanen und verschob das Release auf dem neuen Label „Loma Vista Recordings“ um fast ein ganzes Jahr auf den 4. Juni 2021 mit Aussicht auf eine entsprechende US-Tour. Nach einem Ausflug nach Nashville für „Wolves“, ist die Band zurück in den Blasting Room Studios, wo mit Bill Stevenson – der von der Band gerne auch mal als „fünftes Bandmitglied“ gehandelt wird – bereits fünf Studioalben entstanden sind. Nun setzt man also wieder auf Bewährtes, was die Produktion angeht. Aber wie klingt denn nun die neue Rise Against?

„Es fühlt sich wie eine kleine Zeitreise in die Anfangszeiten der Band an.“

Ein gelungener Einstand

Los geht es mit dem Track „The Numbers“, welcher vor kurzem bereits vorab veröffentlicht wurde und es auf ganze 5 Minuten Spielzeit bringt. Munter wird zwischen 6/8 und 4/4 Takt gewechselt, die Strophen gehen nach vorne und die Bridge sticht durch Textzeilen wie „Will you gallop when you’re kicked or throw the rider off?“ hervor. Der Refrain „They have the power, we got the numbers now…“ will bei mir nicht vollständig zünden, dennoch haben Rise Against einen gelungenen Einstand abgeliefert, bei dem sie durch bereits bekannte Gewässer navigieren und im Vergleich zu den letzten Alben soundtechnisch wirklich nicht viel an der Schraube gedreht haben. Wie erwartet, gelingt es Bill Stevenson die Band mit einer weiteren Top-Produktion einzufangen. Besonders der Bass und Schlagzeug-Sound sind einfach perfekt und auch die Gitarren klingen im positiven Sinne wieder etwas dreckiger.

Folgende Songs wie „Sudden Urge“ und der Titeltrack „Nowhere Generation“ sind etwas langsamere Rocknummern. Bei letzterem hört man sogar ein paar Country Einflüsse heraus, was zeigt, dass die Band neben einem gewissen Grundsound gerne das eigene Soundportfolio immer mal wieder erweitert. „Sudden Urge“ hat eine interessante Dynamik, klingt für die Band auch irgendwie neu und frisch, brauchte bei mir aber ein paar Anläufe.

Textlich beeinflusst durch seine eigenen zwei Töchter beleuchtet Sänger und Gitarrist Tim McIlrath die Gesellschaft unter anderem aus der Perspektive der heranwachsenden Generation, zwischen verschobenen Ziellinien, der Jagd nach dem amerikanischen Traum und dem Ausverkauf der Mittelklasse.

Der Double Time Beat ist zurück

Die kürzlich angekündigte weitere Vorabsingle „Talking To Ourselves“ ist ein sehr eingängiger Song. Bereits nach wenigen Durchläufen möchte man den Refrain „I never wanted to disturb the peace, but it feels like noone’s listening – are we talking to ourselves?“ lauthals mitsingen. Auch wenn man hier Pop-Momente sicherlich nicht scheut, sind die Gesangsmelodien wirklich großartig. „Broken Dreams, Inc.“ wurde bereits letztes Jahr auf den Markt geschmissen, weiß noch immer zu gefallen, fügt sich gut in die Tracksequenz des Albums ein und klingt wie altbewährtes Rise Against.

An dieser Stelle sei gesagt, dass Tims Stimme auf dieser Platte wirklich fantastisch klingt, was er unter anderem auch bei der Akustiknummer „Forfeit“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die fingergepickte Ballade teilt das Album, getreu dem Motto „einmal kurz durchatmen“, in zwei Teile, bevor der schnellste Song der Platte „Monarch“ mit voll Karacho durch die Boxen schießt. Der Double Time Beat aus früheren Tagen ist zurück, der Track macht einfach Laune und ist mein absoluter Lieblingssong auf der Platte. „No longer am I a prisoner to your empty fucking words“ – Es fühlt sich wie eine kleine Zeitreise in die Anfangszeiten der Band an.

Der Song „Sounds like“ folgt mit einem knackigen Gitarrenriff und man bleibt weiter mit dem Fuß auf dem Gaspedal, der Refrain ist auch wieder ein Volltreffer. Für „Sooner or later“ nimmt sich die Band in den Strophen etwas zurück, so dass hier McIllraths Stimme zusammen mit den Drums alleine das Fundament bildet, bevor dann noch mal der große Pop-Refrain rausgeholt wird. Zugegeben: es funktioniert und ich erwische mich beim Mitsingen dieses sehr eingängigen Songs.

Ein kleiner Wermutstropfen

Mit „Middle Of A Dream“ geht es in den Endspurt und auch hier gibt man wieder durchgängig Gas, bevor der letzte Song „Rules of Play“ abermals eindrucksvoll zeigt, dass Rise Against Punk-Hymnen schreiben können. Nach etwa 20 Durchläufen kann ich sagen, dass mir die Platte durchaus besser als „Wolves“ oder „Black Market“ gefällt. Ein kleiner Wermutstropfen ist für mich die Tatsache, dass McIllrath auf dieser Platte nur ein einziges Mal bei „Sooner or later“ schreit. Da ich seine Schrei-Stimme nach wie vor zu den besten im Punkrock-/Hardcore Bereich zähle, hätte ich da gerne mehr gehört.

Rise Against wissen mit diesem Album zu überzeugen und es bleibt zu hoffen, dass eine Tour dann auch bald in Deutschland stattfinden kann. Gerne auch mit Songs von „Nowhere Generation“.

Video: Rise Against – The Numbers

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Hier erhältlich
Rise Against - Nowhere Generation CoverRise Against – Nowhere Generation
Release: 06. Juni 2021
Label: Loma Vista Recordings
Amazon Partnerprogramm Alben CD hier erhältlich
Überblick der Rezensionen
Bewertung