WIZO und Radkey live in Hannover 22. Januar 2019, Kulturzentrum Faust

    Foto: Maria Graul

    Es ist Dienstag, es ist furchtbar kalt: Was kann es da besseres geben, als eine ausverkaufte Show in der 60er Jahre Halle der Faust? Genau – nicht viel! Und wenn der Hauptakt des heutigen Abends auch noch der Wizo ist, werden viele alte Erinnerungen wach. Die aktuelle Tour trägt den Namen „Die Schönheit des Verfalls“ und ist bereits seit einiger Zeit in vollem Gange. Die Support-Bands wechseln sich in den verschiedenen Städten ab, so haben Wizo heute die Amerikaner von Radkey mit im Gepäck. Diese eröffnen den Abend pünktlich um 19.15 Uhr.

    Eine Zeitreise mit dem Wizo zurück in die eigene Sturm und Drang Zeit

    Radkey beweisen wahre Einheizerqualitäten

    Langsam und stetig füllt sich der Konzertraum, während es sich Radkey bereits auf der Bühne bequem machen. Das Trio aus St.Joseph wickelt das Publikum direkt um den Finger und es sieht so aus, als wenn sich alle anwesenden Menschen mitgenommen und abgeholt fühlen. In der Beschreibung auf Facebook findet sich als Genreangabe Punk und Garage. Diese Schlagwörter beschreiben den Stil der Band ziemlich genau.

    Radkey liefern einen stabilen und respektablem Auftritt ab, der zu keinem Zeitpunkt langweilig und eintönig wirkt. Die Bühnenpräsenz ist mehr als überzeugend. Somit beweist sich die Band als gute Einheizer für den großen Wizo! Diese betreten im Anschluss pünktlich um 20.00 Uhr die Bühne.

    Immer wieder politische Ansagen

    Nun stehen uns zwei satte Stunden Wizo bevor. Bereits von anderen Bands ist bekannt, dass so super lange Sets häufig zu Ermüdungserscheinungen führen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Punks und vor allem das Publikum am heutigen Abend so schlagen. Dieses ist nämlich mächtig in Jahre gekommen und zeigt sich eher verhalten. Das ändert sich auch nach den ersten Songs nicht. Denn mit „Hey Thomas“, „Seegurke“ und dem neuesten Song „Ich war, ich bin, ich werde sein“ schafft es die Band nicht so recht, das Publikum abzuholen.

    Vielleicht liegt es auch an der norddeutschen Mentalität, es ist ja schließlich bekannt, dass sich die Zuschauer in Hannover immer etwas schwer tun, bis sie aufgetaut sind. Der Wizo legt weiter kräftig nach. Mit „Kopf ab, Schwanz ab, Hass!“, „Gemein“, „Pipi“ und „Adagio“ spielt er sich quer durch die Releases. Zwischen jedem Song gibt es mal politische Ansagen, mal Blödsinn oder eben eine Mischung aus beidem.

    Ganz klar gegen Nazis

    Mit dem Song „Ganz klar gegen Nazis“ schafft es die Band dann schlussendlich den letzten Rest des Publikums zum Mitsingen zu motivieren. An diesem Punkt sei immer angemerkt: Es ist die eine Sache, „Alerta“ und „Nazis raus“ auf Konzerten zu rufen – viel wichtiger ist es, sich auch außerhalb der Konzertblase gegen die braune Pest stark zu machen.

    Ohne Verschnaufpause geht es weiter. Mit „Gute Freunde“, „Kopfschuss“ und „Quadrat im Kreis“ lassen Wizo das Publikum in alten Erinnerungen schwelgen. Mit den Songs „Bleib Tapfer“, „Antifa“ und „Kein Gerede“ fährt die Band zum Ende des ersten Durchgangs noch einmal schwere Geschütze auf. Dann verabschiedet sich die Band vorerst von der Bühne.

    Mobilisation der allerletzten Kraftreserven

    Wie bereits eingangs beschrieben, spielt der Wizo ein stabiles zwei Stunden Set an diesem Dienstag. So kommt es, dass am Ende natürlich noch einige Hits fehlen. Die fünf Zugaben können sich mehr als sehen lassen. „Raum der Zeit“, „Geisterfahrer“, „Der lustige Tagedieb“, „Meine Wut“ und „die letzte Sau“ sorgen noch einmal für die Mobilisation der allerletzten Kraftreserven.

    Bei den Zugaben beschränken sich die Musiker dann lediglich auf das Spielen der Songs und etwas weniger auf Entertainment. Das gefällt! Um 22.00 Uhr ist dann alles vorbei. Es wäre spannend zu wissen, welche Besucher des Konzerts tatsächlich nicht zur Arbeit gehen am morgigen Tag!

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