Callejon und Antifuchs in Hannover 15. Februar 2019, Kulturzentrum Faust

    Callejon live am 15.02.2019 im Kulturzentrum Faust in Hannover
    Foto: Annika Schmidt

    Hartgeld im Club“ ist das wohl umstrittenste Album der Düsseldorfer Metalcore-Combo Callejon, die sich darauf völlig schmerzbefreit durch die hiesige Rap-Szene covern. Da verwundert es auch nicht, dass der Support auf Callejons Albumtour mit Rapperin Antifuchs eher genrefremd ausfällt. Kurz nach dem Tag der Liebe macht sich das ungleiche Gespann auf, Hannovers Kulturzentrum Faust in seine Bestandteile zu zerlegen.

    „Moshpits und fliegende Turnschuhe sind das Gütesiegel rauen Metalcores“

    Unverhofft kommt oft

    Und der Abend startet auch gleich mit einer Überraschung. Dreißig Minuten vor dem eigentlichen Konzertbeginn ist die Show schon in vollem Gange. Doch die Rapperin, die auf der Bühne der Faust ihr wütendes Pamphlet in die Gesichter der bisher Versammelten schreit, ist nicht etwa der angekündigte Support-Act Antifuchs. Vielmehr handelt es sich um die Lübecker Battle-Rapperin Pilz. Unverhofft kommt eben oft.

    Bildergalerie: Pilz

    Baklava und Bitches

    Fast nahtlos knüpft die Berliner Kollegin Antifuchs mit ihrem Song „Paranoia“ an das bisherige Programm an. „Ich bin der Botschafter des Hip Hop. Und ich habe ein sehr hohe Erwartungshaltung an Euch, Hannover“, verkündet die zierliche Person mit der schwarzen Fuchsmaske, bevor sie ihre Debütsingle „Willkommen im Fuxxxbau“ anstimmt. Was dabei auffällt, ist vor allem das Halbplayback. Hier und da lassen sich einige Besucher von den Vibes mitreißen und bewegen sogar ihre Arme im Takt der Musik. Antifuchs, die eigentlich Emilia Reichert heißt, verkündet: „Der nächste Track ist save für Euch, für alle süßen Girls! Habt Ihr Bock auf Baklava und Bitches?“ Eine interessante Wortwahl von jemandem, der Geschlechterunterschiede nicht hervorheben möchte. Anschließend gesellt sich Rapperin Pilz noch einmal zum Ensemble, um der Menge mit ihrem Freestyle-Rap einzuheizen. Das Publikum ist da eindeutig geteilter Meinung. „Das Ding ist, ich mag keinen Rap“, stellt Konzertbesucher Julius fest.

    Bildergalerie: Antifuchs

    Alles nur geklaut?

    Deshalb wird es jetzt auch höchste Zeit für eine härtere Gangart und Gitarren. Mit dem Cover von Bausas „Was Du Liebe nennst“ starten die Headliner Callejon ihr Set. Die nahezu ausverkaufte Faust ist gleich mit dem Herzen bei der Sache und singt mit. Das eher fragwürdige Stück „Palmen aus Plastik“ kommt in seinem neuen Metal-Gewand gut beim Hannoveraner Publikum an und auch der erste Crowdsurfer findet seinen Weg zur Bühne. „Wer sich an die alten Tage zurückerinnert, der kennt auch noch „Porn from Spain“ mit der numero uno“, leitet Frontmann BastiBasti den Callejon-Klassiker ein, der mittlerweile zu einer Trilogie geworden ist. „Ich will alle Hände sehen“, verlangt er und das Publikum lässt sich das kein zweites Mal sagen. Bei „Dunkelherz“ kocht die Stimmung dann richtig hoch: Ein Moshpit und fliegende Turnschuhe sind schließlich das Gütesiegel rauen Metalcores.

    Bildergalerie: Callejon

    Da wäre noch Luft nach oben

    Bei allem Tumult vor der Bühne ist der überwiegend schwammige und undifferenzierte Sound für viele ein Stimmungskiller. Trotzdem singt die 60er-Jahre-Halle beim Medley aus „Willst Du“ und „So perfekt“ den kompletten Text mit – sind ja auch einfach gute Songs. Beim aus der eigenen Feder stammenden „Kind im Nebel“ gehen in der Faust alle verfügbaren Feuerzeuge und Smartphone-Taschenlampen an. Womit das Quintett bewiesen hätte, dass Metal auch gefühlvoll sein kann. Nach dem Cover von „Schwule Mädchen“ verabschieden sich die Düsseldorfer vorerst von der Bühne, aber die lauten Zugabe-Rufe lassen keinen Zweifel daran, dass der Abend noch nicht zu Ende ist.

    Schon nimmt die Show mit „Snake Mountain“, dem Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“ und einer Wall of Death wieder Fahrt auf. Und für Callejons Erfolgshit „Porn from Spain 2“ wird zum Schluss der besungene Swag noch einmal aufgedreht – oder um es mit dem Worten von Sänger BastiBasti zu sagen: „Danke, dass Ihr da wart, verdammt noch mal!“