Mad Caddies – Punk Rocksteady

Der Sommer kommt und die Mad Caddies liefern den wohl passendsten Soundtrack: Das neueste Album „Punk Rocksteady“ der Kalifornier umfasst zwölf Punk-Klassiker. Initiiert wurde das Ganze von Fat Mike, seines Zeichens Leitwolf der Fat Wreck Chords Familie und Frontröhre bei NOFX. Besagter Label-Chef wollte nämlich die ebenfalls bereits besagten Klassiker neuvertont hören. Es sollte allerdings nicht irgendeine schnöde Cover-Compilation entstehen. Nein! Mike stellte sich vor, dem ganzen Punkgeschrubbel ein wenig Reggae-Glitzer überzuwerfen. Schon an dem Punkt ist es kein Wunder, dass er sich die Mad Caddies ins Boot holte. Der Gitarrist Sascha Lazor weiß zu berichten: “This has been one of his dream projects for a long time.”

Die leichtfüßige Schwere, die der klassische Reggae-Sound dem Beat der Mad Caddies bereitet, fasziniert

22°C im Schatten und eine leichte Vorsommerbrise um die Nase. Ein, ob seiner Frische und Kälte an der Außenwand kondensierendes Glas Mojito in der Linken und die obligatorische Feierabendzigarette in der Rechten, beginnt mir das Bad Religion Cover „Sorrow“ aus der frontal stehenden Box in den Gehörgang zu schweben. Schweben ist dabei wohl der richtige Begriff, denn eingeleitet wird der Song durch ein zum Träumen einladendes Klavier-Intro. Es ist schon erstaunlich, wie erfolgreich die Mad Caddies es anstellen, einen innerhalb kürzester Zeit mitten an den eigenen Lieblingsstrand zu versetzen – Entspannung pur (und ganz ehrlich, eigentlich macht Reggae mich aggressiv).

Ich befinde mich also an irgendeinem wunderschönen Strand dieser Welt und spüre eine unfassbare Leichtigkeit in absoluter Einsamkeit. Fließend geht es zum Operation Ivy-Klassiker „Sleep Long“ über. Gedanklich beobachte ich Straßenmusiker beim Jammen. Kurz stresst mich der Gedanke an das Original total. Die leichtfüßige Schwere, die der klassische Reggae-Sound dem Beat der Mad Caddies bereitet, fasziniert mich und befördert mich tiefer in meine Reise. Das bereits vorab veröffentliche „She“-Cover von Green Day schließt an. Der Propagandhi-Hit „…And We Thought That Nation-States Were A Bad Idea“ bekommt ein neues, maximal interessantes Gewand und ist schneller vorbei, als einem lieb ist. Repeat! Auch das „She´s Gone“-Cover von NOFX wurde bereits veröffentlicht und übergibt den Hörenden an das Tony Sly Erbe „AM“. Wenige Minuten nach Anpfiff könnte man „Stilbruch“ schreien. Man kann es aber auch einfach lassen und wahrnehmen, dass die Kalifornier den Hymnen dieser Scheibe zwar ein ganz eigenes Mad Caddies Ding aufsetzen, aber ihnen ihre einzigartigen Charaktermerkmale lassen. Gleiches ist 1:1 auf Lagwagons „Alien 8“ umzusetzen.

Interessant, kurzweilig und die beste Entspannungsübung 2018

Folglich war ich bereits geraume Zeit sehr gespannt auf den Misfits-Song „Some Kinda Hate“. Mr. Tarantino, für eine nächste Sin City-ähnliche Verfilmung sollten Sie hier mal reinhören. Just saying! Der Strandtag geht langsam auf ein Ende zu und der Mojito ist längst leer. Passend also, dass „Some Kinda Hate“ mich in die engen, hitzegeschwängerten Gassen der Stadt holt. „2RAK005“ von Bracket und „Sink, Florida, Sink“ von Against Me! leiten das Ende ein. Ich muss schmunzeln, als „Take Me Home (Piss Off)“ mich zurück in die Realität bringt. Passender hätte man den Song von Snuff nicht platzieren können.

“We had a grand vision that we needed to have four-to-six sounds on here. We needed to have traditional ska, super horn-heavy dancehall songs, reggae, SoCal stuff, and we needed to have something new and weird that we could make our own”, sagt der Mad Caddies Frontmann Chuck Robertson. 100 Punkte! Die Mad Caddies sind zurück und machen Frühjahrsputz. Punk im neuen Gewand, Punk mal anders – interessant, kurzweilig und die beste Entspannungsübung 2018.

Video: Mad Caddies – Punk Rocksteady

Hier erhältlich

Mad Caddies Punk RocksteadyMad Caddies – Punk Rocksteady
Release: 15. Juni 2018
Label: Fat Wreck Chords

Bei Maria reichen sich Punk und Politik nicht einfach nur die Hand, sie liegen sich quasi eng umschlungen im Arm und trinken Schnäpschen auf die alten Zeiten. Wenn sie nicht gerade davon träumt durch die Welt zu reisen oder ihrem Ärger auf Demos Luft macht, testet sie die neuesten Eiskreationen der Stadt, träumt vom Ruhrpott Rodeo oder sortiert ihre Platten zwischen der Terrorgruppe, Wizo, Propagandhi und No Use For A Name.

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